Einfach mal so in den Raum gefragt – gibt es Situationen, wo man als evangelischer Christ Papst Benedikt XVI. gehorchen muss? Die Antwort darauf kann nur “Ja” lauten. Wir müssen dem Papst dann gehorchen, wenn er uns mit dem Evangelium Jesu Christi anspricht. Solch evangelischer Gehorsam gegenüber dem römisch-katholischen Papst ist häufig fällig, schließlich kann er in Sachen Evangelium mit unseren evangelischen Bischöfinnen und Bischöfen locker mithalten. Damit nun die ganze Sache nicht missverständlich wird und schlussendlich vom Gebot einer evangelischen “Papsthörigkeit” die Rede ist, eine zweite Frage: Wem muss eigentlich Papst Benedikt XVI. gehorchen? Die Antwort darauf ist: jedem Menschen dieser Erde, der den Papst mit dem Evangelium Jesu Christi anspricht. Christinnen und Christen, egal ob Papst oder tansanisches Waisenkind, sind eben ihr Leben lang evangeliumshörig.
Archiv für Dezember 2009
Muss man als evangelischer Christ dem Papst gehorchen?
20. Dezember 2009Warum der ökumenische Kirchentag nicht ökumenisch ist
16. Dezember 2009Ökumene ist ein strittiges Thema in der kirchlichen Diskussion in Deutschland. Aber was bei uns gemeinhin unter “Ökumene” verstanden wird, ist eine vergleichbar unbedeutende Angelegenheit. Die wirkliche oikoumene umfasst nämlich den bewohnten Erdkreis. Und da gibt es in der Tat zwischen den Christen verschiedener außereuropäischer Kulturen und uns hier in Deutschland deutliche Unterschiede hinsichtlich einer christlichen Lebenspraxis. Verglichen damit sind die doktrinären und liturgischen Unterschiede zwischen römisch-katholischen und evangelischen Christen in Deutschland Kleinigkeiten. Wenn man sich zu einem gemeinsamen Kirchentag unter deutschen Dächern in München trifft, wäre die Bezeichnung “bikonfessioneller Kirchentag” wesentlich angebrachter.
Ethnische Geiselhaft. Wie soll sich Israel definieren?
14. Dezember 2009hier ein interessanter Beitrag von Tony Judt über die israelisch-jüdische Identitätsfrage aus der Süddeutschen.
Ethnische Geiselhaft. Wie soll sich Israel definieren?
Von Tony Judt
Für uns Juden lautet die alles entscheidende Frage: Wer sind „wir“? Hier in New York haben die meisten Juden, die sich mit der Geschichte des Judentums auseinandersetzen, eine streng rassenbezogene und ethno-deterministische Auffassung. Sie glauben nicht, dass „wir“ nur eine selbstdefinierte und herbeigedichtete Gemeinschaft unter vielen sind, geschweige denn, dass sich unsere Selbstdefinitionen in Reaktion auf unsere Verfolger entwickelt haben könnten. Juden, so wurde ihnen beigebracht, sind einmalig. In meinen Augen ist das ein selbstgefälliges Überlegenheitsdenken und ich halte es für angebracht, diese ethnische Unterscheidung in Frage zu stellen.
Die Grundvoraussetzung des Zionismus war, dass die Juden ein homogenes und einzigartiges Volk bilden; dass weder ihre Ausbreitung in der Welt noch ihre Leiden über Jahrtausende hinweg ihre charakteristischen, kollektiven Eigenschaften verwässern konnten; und dass sie als freie Juden nur in einem jüdischen Land leben konnten. In einer Zeit, als die ethno-nationalistischen Bewegungen in Zentral- und Osteuropa anfingen Wurzeln zu schlagen, ließ sich diese Prämisse umso leichter akzeptieren, als die Juden den rumänischen oder lettischen Nationalismen einfach ihre eigene, ethnisch definierte Exklusivität entgegen setzten.
In den Augen der Zionisten war also die jüdische Religion nicht mehr die elementare Maßgabe für eine jüdische Identität. Im späten 19. Jahrhundert emanzipierten sich die Juden rechtlich und kulturell. Der Zionismus erschien vielen als einzige Alternative zu Verfolgung, Assimilation und kultureller Entfremdung. So begünstigte paradoxerweise der Rückzug des religiösen Separatismus die Entwicklung einer säkularen Version eben dieses Separatismus.
Ich habe in den sechziger Jahren die antireligiöse Stimmung vieler linker Israelis miterlebt und als sehr unbehaglich empfunden. Religion, so wurde mir gesagt, sei was für die „Verrückten“ von Jerusalem. „Wir“, so meine zionistischen Lehrer, seien modern, rational und westlich. Was sie mir nicht erzählten: Ihr Israel, dem ich beitreten sollte, gründete auf einer radikal ethnischen Definition des Judentums.
Doch es ging viel weiter als das. Die meisten der Gründungsväter Israels waren Mitglieder in einem Kibbuz. Auch der Kibbuz war ein demonstrativer Ausdruck ihrer ethnisch-ideologischen Vorstellungen. Bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels hatten sich die Juden als Bauern auf dem Gebiet des heutigen Israels und Palästinas angesiedelt. Dann wurden sie von den Römern ins Exil gezwungen. Es war das zweite Mal, dass die Juden heimatlos in der Welt umherziehen mussten (das erste Mal wurden sie von den Babyloniern vertrieben). Nun aber würden „sie“ endlich „heimkehren“ und das Land ihrer Vorfahren bestellen. Was für eine haarsträubende Vorstellung: Stellen Sie sich vor, eine Gruppe Tiroler Ärzte und Rechtsanwälte würde mit dem Schiff nach Südengland übersetzen und verkünden, dass sie gekommen seien, um das Land ihrer sächsischen Vorfahren zu bestellen. In Israel hat niemand diese Vorstellung je in Frage gestellt.
Dafür gibt es Gründe: Wenn wir uns damals gefragt hätten, ob die Juden aus dem heutigen Israel direkte Nachfahren der biblischen Hebräer seien und erfahren hätten, dass die Antwort wohl „nein“ heißen müsste – da es unendlich viele Mischehen, Bekehrungen, Assimilationen gegeben hat, wäre es genauso schwer, eine solche Verbindung nachzuweisen wie Sarkozy mit Vercingetorix in Verbindung zu bringen – es hätte uns verwirrt. Doch wieso war dann die Rede von einem jüdischen Land? Warum unbedingt an einem so streitsüchtigen Ort sein wie Kanaan? Wieso nicht Kanada?
Der Ethno-Mythos einer direkten jüdischen Abstammungslinie war für die Legitimität des jüdischen Staates und somit für die institutionalisierte Vorzugsbehandlung der Juden gegenüber den Nicht-Juden essentiell. Natürlich gibt es
Ägypten existiert nicht aufgrund einer Theorie von „Ägyptischheit“
auch andere Rechtfertigungsversuche. Die jüdische Leidens- und Opfergeschichte wurde seit dem Eichmann-Prozess ganz zentral, wenn es darum ging, Israel gegen seine Kritiker zu verteidigen.
Das richtige Argument, dass ein jüdischer Staat die beste Hoffnung für die Überlebenden des Holocaust sei, verkam allmählich zu einem Vorwand für Israel, im Namen des jüdischen Fortbestands tun und lassen zu können, was es wollte. Seit einiger Zeit können wir die tragische Umkehrung dieser argumentativen Verkürzung miterleben: Der iranische Präsident Ahmadinedschad macht sich einen Spaß daraus, den Holocaust zu leugnen und stellt so die israelische Propaganda auf den Kopf. Wenn Israels beste Verteidigung Auschwitz ist, dann braucht man nur noch zu sagen, es habe den Holocaust nie gegeben. Weltweit zeigen sich die Juden natürlich entsetzt, doch aus einer israelischen Perspektive wirkt es geradezu bestätigend und ist daher vielleicht nicht ganz unwillkommen.
Wenn wir uns darauf einigen können, dass es das „Jüdische“ nicht gibt, stellt sich die Frage: Wie sollen wir den israelischen Staat betrachten? Ganz einfach: Entweder ein Staat existiert oder er existiert nicht. Ägypten oder Guatemala existieren nicht aufgrund einer Theorie von „Ägyptischheit“ oder „Guatemalismus“. Diese Länder werden international anerkannt, weil es dort ein Rechtssystem gibt und weil sie in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und sich zu verteidigen.
Israels Fortbestand hängt also nicht von der Glaubwürdigkeit der Geschichte ab, die es selber über seinen ethnischen Ursprung erzählt. Das Insistieren auf Exklusivität schadet dem Land. Erstens macht es aus allen Nicht-Juden, die in Israel leben, Menschen zweiter Klasse. Doch es gibt noch einen weiteren, hohen Preis zu zahlen: Israel behauptet heute aggressiver denn je, nicht nur für einen jüdischen Staat zu sprechen und zu handeln, sondern für alle Juden. Das macht die Juden weltweit zu unfreiwilligen Komplizen der israelischen Politik. Kein Wunder, dass der Antisemitismus wieder wächst. Wobei er sich gewandelt hat: Konventionelle Neo-Faschisten wie Jean-Marie Le Pen schätzen Israel mittlerweile, schließlich hat man einen gemeinsamen Feind.
Die neuen Antisemiten sind in der Regel junge Männer, die in europäischen Vororten leben und nordafrikanischer, nahöstlicher oder südasiatischer Herkunft sind. Sie sehen im Fernsehen, wie Israelis im Gazastreifen die Palästinenser bombardieren. Ohnmächtig und wütend identifizieren sie sich mit den Ländern oder dem Glauben ihrer Eltern. Am folgenden Tag greifen sie eine Synagoge oder ein jüdisches Schulkind an. Juden in Frankreich oder Holland haben allen Grund, sich vor solch einem Zorn zu fürchten, doch sie haben ihn nicht provoziert. Solch eine Wut kann nicht in Paris oder Amsterdam gezähmt werden.
Juden in Europa und in den USA sollten sich von Israel distanzieren
Darauf zu beharren, „das Judentum“ mit einem kleinen geographischen Territorium in eins zu setzen, ist pervers und schadet sowohl Israel als auch den Juden. Es ist der Hauptgrund dafür, dass das Problem zwischen Israel und Palästina nicht gelöst werden kann.
Der Grund dafür, dass das „Jüdisch-sein“ Israels auf lange Sicht dem Wohlergehen Israels schadet, liegt in den USA. Dort hat jener Geist eine mächtige und reaktionäre ,,Israel-Lobby“ geschaffen, die enorme Geldsummen eintreibt um Kongressabgeordnete dazu zu bewegen, angeblich „im Interesse Israels“ zu stimmen. Diese Lobby zensiert und diskreditiert jegliche noch so milde Kritik an Israel. Das Geld wird beschafft, indem betont wird, wie wichtig die amerikanischen Juden für den Erhalt des jüdischen Staates seien, der, wie ihnen erklärt wird, ihnen Hoffnung und Zuflucht gewährt im Falle eines neuen „extremistischen Antisemitismus“. Ich habe viele Juden getroffen, die zwar noch nie in Israel waren, mir aber erklärten, dass sie die Israel-Lobby unterstützen, weil sie das gespendete Geld als eine Art Versicherungspolice gegen „die Rückkehr Hitlers“ ansehen.
Was also tun? Eins ist klar: wenn sich nicht bald etwas ändert, wird Israel aufhören eine Demokratie zu sein, oder es hört auf ein jüdischer Staat zu sein: Nicht-Juden werden schon bald in den Gebieten, die von Israel kontrolliert werden, die Mehrheit stellen. Diese tragische Aussicht könnte nur durch ethnische Säuberung verhindert werden in einer Größenordnung, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben.
Ich würde mir ja einen einheitlichen Staat wünschen. Doch sowohl Israelis als auch Palästinenser werden dagegen kämpfen. Die Zwei-Staaten-Lösung wäre vielleicht noch immer der beste Kompromiss, aber es fällt schwer, daran zu glauben, wenn man sich die Geschehnisse der letzten beiden Jahre ansieht.
Ich neige daher dazu, den Fokus auf einen ganz anderen Aspekt zu richten. Wenn die Juden in Europa und in den USA sich von Israel distanzieren würden (viele tun das schon), dann würde die Behauptung, Israel sei „ihr Staat“, irgendwann so absurd klingen, als würde die französische Regierung behaupten, die Nachkommen der französischen Siedler in Mississippi Valley zu repräsentieren.
Vielleicht wird irgendwann sogar Washington erkennen, wie sinnlos es ist, die amerikanische Außenpolitik und das eigene internationale Prestige an den Wahn eines kleinen nahöstlichen Ethno-Staats zu binden. Das wäre das Beste, was Israel geschehen könnte. Israel wäre gezwungen, seine Grenzen und seine Begrenztheit zu erkennen. Es müsste neue Freundschaften schließen, möglichst mit seinen Nachbarländern. Ohne seine blauäugigen Verteidiger aus der Diaspora müsste Israel klügere politische Entscheidungen treffen anstatt seine Freunde moralisch unter Druck zu setzen.
Man könnte dann eine natürliche Unterscheidung treffen zwischen Menschen die „zufällig“ jüdisch, aber Staatsbürger anderer Länder sind, und Menschen, die in Israel leben und „zufällig“ jüdisch sind. Die griechische, armenische und irische Diaspora haben auf sehr ungute Art im Land ihrer jeweiligen Vorfahren nationalistische und ethnische Vorurteile bestärkt und perpetuiert. Doch der Bürgerkrieg in Nord-Irland wurde zum Teil beendet, weil ein amerikanischer Präsident seine eigene irisch-stämmige Gemeinschaft in den USA dazu aufforderte, die Aufwendung von Geld und Waffen an die IRA zu unterlassen. Wenn amerikanische Juden damit aufhören würden, ihr Schicksal (und vielleicht ihr Schuldgefühl) mit Israel in Verbindung zu setzen und ihre Spenden für bessere Zwecke verwenden würden, dann könnte etwas Ähnliches im Nahen Osten passieren.
Der Autor ist Historiker und leitet das Remarque-Institut der New York University.
Deutsch von Thomas Schoos
Süddeutsche Zeitung, Nr. 287, Samstag/Sonntag, 12./13. Dezember 2009, Seite 15.
Das Gebot der Mission – zehn Thesen für die Kirche
11. Dezember 2009Wer gegenwärtig christliche Mission befürwortet und praktiziert, stößt häufig auch in den Kirchen auf Widerspruch. Die folgende Thesenreihen will darlegen, warum Mission für die Kirche Jesu Christi geboten ist.
1. Mission geschieht im Auftrag Jesu
Christliche Mission entspringt nicht aus einem menschlichen Bedürfnis heraus, andere Menschen für eigene religiöse Überzeugungen in Beschlag zu nehmen. Vielmehr geschieht Mission im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des auferstanden Herrn Jesus Christus. Ihr Ziel ist es, Menschen aus allen Völkern durch deren Bekehrung zu Jesus Christus in eine heilvolle Beziehung zum dreieinigen Gott zu bringen. Mit dieser Ausrichtung partizipiert Mission an der göttlichen Heilsökonomie, will doch dieser, „dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.“ (Eph 1,10)
2. Mission vollzieht sich als Namenszeugnis
Christliche Mission stellt weder eine religiöse Ideologie noch eine allgemeine Gottesidee vor, wie sie menschenmöglich gedacht werden können. Vielmehr bezeugt sie den ganz besonderen Namen des Herrn als den einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, und der sich den Völkern allein durch Jesus Christus erschließt.
3. Mission und Israel
Christen aus den Völkern („Heidenchristen“) sind von Jesus Christus nicht zum Namenszeugnis gegenüber Israel gesandt. Dennoch bezeugen sie Jesus als den Messias und Heiland der Welt auch gegenüber Juden. Weiterhin unterstützt die Kirche messianische Juden in deren Christuszeugnis gegenüber ihren Schwestern und Brüdern.
4. Mission bekehrt nicht, sondern evangelisiert
Das missionarische Zeugnis zielt auf die Bekehrung von Menschen, wenn diese dem Evangelium Gehör schenken und sich mit ihrem Leben Jesus Christus als Herrn und Heiland anvertrauen. Da es die Empfänger der christlichen Botschaft sind, die sich Jesus Christus im Glauben zuwenden, bekehrt Mission keine Menschen. Das Missverständnis einer operativen Heidenbekehrung findet keinen Anhalt in der Heiligen Schrift, entstammt es doch einer fragwürdigen kollektiven Christianisierungspraxis in Europa, wo Menschen in Gefolgschaft ihres Stammesfürsten in passiver Weise „bekehrt“ worden sind.
5. Mission bedingt Toleranz
Christen, die die Botschaft von Jesus Christus anderen Menschen gegenüber bezeugen, haben andere religiöse Praktiken oder weltanschauliche Überzeugungen zu tolerieren. Toleranz bedeutet dem Wortsinn nach das Ertragen von etwas Fremden, das einem selbst zu schaffen macht. In diesem Sinne kann christliche Toleranz weder Gleichgültigkeit gegenüber Namensfremden Anschauungen und Praktiken noch deren Akzeptanz beinhalten.
6. Mission ignoriert Religion
Das christliche Namenszeugnis steht gegen eine Religionsideologie (Religionismus), der zufolge verschiedene Religionen sich letztendlich auf einen gemeinsamen Ursprung bzw. auf ein gemeinsames Ziel ausrichten. Eine solche bürgerliche bzw. antikirchliche Ideologie verdankt sich einem neuzeitlichen Platonismus in Europa und findet sich weder in der Heiligen Schrift noch in außereuropäischen Kulturen.
7. Mission führt zur Sammlung in der Kirche
Mission zielt nicht auf individuellen Heilsbesitz, sondern auf eine gemeinschaftliche Lebensform als Schwestern und Brüder in der Kirche Jesu Christi, wie sie in Gottesdienst (leiturgia), Lebenszeugnis (martyria) und Liebesdienst (diakonia) sichtbar wird.
8. Mission ist Dienst an anderen Menschen
Da die christliche Botschaft anderen Menschen nicht auferlegt werden kann, muss sie ihnen angedient werden. Mission ist nur dann glaubwürdig, wenn man in der Nachfolge Christi anderen Menschen in selbstentäußernder und damit statusloser Weise dient, ohne ihnen damit jedoch willfährig zu sein. Der genuine Dienst des Evangeliums beinhaltet das, was Nichtchristen weder sich selbst verschaffen noch von anderen anfordern können.
9. Mission geschieht auf die Wiederkunft Christi hin
Christliche Mission geschieht im Vertrauen auf die anstehende Wiederkunft Christi. Sie sucht nicht etwas Menschenmögliches zu verwirklichen, sondern bezeugt, was in Jesus Christus bereits in Geltung gesetzt ist und in seiner Parusie vollendet werden wird. Letztlich richtet sich Mission auf die zukünftige, allererfüllende Präsenz Christi aus, die niemanden – ob in heil- oder unheilvoller Weise – unerreicht lässt.
10. Mission ist unverzichtbares Erkennungszeichen der Kirche
Wer das missionarische Namenszeugnis gegenüber Nichtchristen grundsätzlich ablehnt, missversteht das Evangelium als religiöse Weltanschauung, die im eigenen Belieben steht. Er findet sich damit nicht in der Kirche Jesu Christi wieder und kann daher auch nicht seine persönliche Überzeugung als eine christliche geltend machen.
Mission possible – zehn Thesen zur Legitimität christlicher Mission
5. Dezember 2009Wer gegenwärtig christliche Mission befürwortet, sieht sich nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Kirche kritischen Fragen, wenn nicht gar leidenschaftlichem Widerspruch ausgesetzt. Die folgende Thesenreihe will darlegen, warum christliche Mission legitim ist.
1. Christliche Mission missioniert nicht
Mission missioniert niemanden, sondern bezeugt die christliche Botschaft mit eigenen Worten und Werken, in der Hoffnung, dass sich andere Menschen aus freien Stücken hin zu Jesus Christus bekehren.
2. Mission ist empfangsbedürftige Sendung
Wo Missionare im Namen Jesu Christi auf andere Menschen in ihrer Lebenswelt zugehen, können deren Kommunikationszusammenhänge weder kontrolliert noch determiniert werden. Da der missionarische Erfolg von einer effektiven Rezeption der christlichen Botschaft abhängig ist, kann Mission keine fremdbestimmte Indoktrination sein.
3. Mission gehört zum Recht auf freie Meinungsäußerung
Mit eigenen Worten unter anderen Menschen für die christliche Botschaft zu werben entspricht dem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung. Wo Menschen sich aus freien Stücken der Kirche Jesu Christi anschließen, nehmen sie ihr eigenes Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit war. Christliche Mission lässt es vorbehaltlos gelten, wenn andere Menschen die christliche Botschaft ablehnen, kann es doch für Christen keinen Glaubenszwang geben.
4. Mission übersetzt (translationale Mission)
Christlicher Mission ist kein Proselytismus, wo Menschen unter Preisgabe eigener kultureller Identität in eine fremdsprachliche Kultusgemeinschaft hineingenommen werden. Die Sendung zu anderen Völkern bedingt vielmehr die Übersetzung und damit die „Auslieferung“ der christlichen Botschaft – insbesondere die Bibel – in deren eigene Sprache. Wo dieser eigensprachlichen Botschaft Glauben geschenkt wird, haben Missionare auf Dauer keine Deutungshoheit in Sachen christliche Lehre.
5. „Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf“ (abusus non tollit usum)
In der Vergangenheit hat es wiederholt Fälle gegeben, wo Missionare und Missionsgesellschaften mit Kolonialmächten kollaboriert und die christliche Botschaft unter repressiven Bedingungen kommuniziert haben. Solche Praktiken widersprechen dem genuinen Selbstverständnis christlicher Mission, sucht doch diese die eigenständige Bekehrung von Menschen zu Christus aus deren inneren Überzeugung heraus. Wo missionarisches Fehlverhalten offen eingestanden wird und die davon Betroffenen um Entschuldigung gebeten werden, macht sich christliche Mission nicht unmöglich.
6. Mission zerstört keine Kulturen
Wo die christliche Botschaft Gehör findet, hat dies immer auch kulturelle Auswirkungen. Christliche Mission hat über Jahrhunderte hinweg Kulturen in allen Kontinenten beeinflusst, ohne dass dies jedoch zu deren Zerstörung geführt hat. Vielmehr haben Bibelübersetzungen für viele Völker zur Schaffung einer eigenen Schriftsprache geführt, die die jeweilige kulturelle Identität gestärkt hat.
7. Kulturen dürfen sich selbst verändern
Der Anspruch, Kulturen in deren vermeintlichen Ursprünglichkeit schützen zu wollen, ist der eurozentristische Versuch, andere Völker zu paternalisieren. Die Entscheidung, ob man bei einer angestammten Lebensweise verbleiben soll, obliegt den betroffenen Menschen selbst. Jede Kultur hat unabhängig von ihrem „Zivilisationsgrad“ das Recht, sich selbst unter dem Einfluss von außen zu verändern. Wer als Europäer eine statische Kulturtreue für andere Menschen propagiert und dabei von „Naturvölkern“ spricht, erliegt einem naturalistischen Rassismus.
8. Mission ist ein ökumenisches Antirassismusprogramm
Christliche Mission enthält eine Absage an jede Form von Rassismus, werden doch Menschen unabhängig von Rasse oder Geschlecht auf einen gleichen Status hin angesprochen – entweder als todbestimmte Sünder, die nicht rettungslos verloren sind, oder als Schwestern und Brüder im Herrn. Missionare agieren nicht aus einem Überlegenheitsgefühl heraus, sondern teilen das mit anderen, was sie selbst als heilvoll erfahren haben.
9. Der Kulturbeitrag der christlichen Mission
Christliche Mission hat mit dem Unterhalt eigener Krankenhäusern und Schulen weltweit zum Aufbau eines öffentlichen Gesundheitswesens bzw. eines allgemeinen Schulwesens – insbesondere für Mädchen – maßgeblich beigetragen. Wenn Europäer Mission ablehnen, ignorieren sie die eigene tribale Vergangenheit. Die europäische Zivilisation verdankt sich wesentlich dem Umstand, dass die christliche Mission unter germanischen Stammesgesellschaften vor mehr als tausend Jahren erfolgreich gewesen ist.
10. Die Zukunft der transkulturellen Mission liegt in Europa
Christliche Mission ist unter postkolonialen Bedingungen kein spezifisch europäisches Werk mehr. In der südlichen Hemisphäre geschieht Mission im Wesentlichen durch einheimische Christen. Das christliche Missionsfeld der Zukunft wird das säkularisierte Europa sein, wobei Missionare aus den ehemaligen Missionsgebieten – allen voran aus Afrika und Asien – kommen werden.