Archiv für die Kategorie ‘Kirchenreform und Kirchensteuer’

Der Zehnte: Ein Schatzkasten, kein Schwitzkasten!

1. Mai 2012

In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Das Salzkorn (2/2012), die von der Offensive Junger Christen in Reichelsheim herausgegeben wird, ist von mir ein Artikel über den Zehnten unter dem Titel Der Zehnte: Ein Schatzkasten, kein Schwitzkasten! Vorlage zum heiteren Geben erschienen.

Die Antwort des Papstes

27. September 2011

Da habe ich den Papst in meinem Brief  “Lieber Bruder in Rom” gebeten, er möge doch bei seinem Besuch benennen, welche Reformschritte die Kirchen anzugehen haben, um dem Evangelium treu zu bleiben. Nun, zum Abschluss seines Besuchs hielt der Papst eine Rede im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau, in der es um die “Entweltlichung” der Kirche ging. Darin sind zwar keine konkreten Schritte angemahnt, aber zumindest biblisch-theologische Grundlagen angesprochen, die meinem Brief sehr wohl zu entsprechen wissen. Für die Glaubwürdigkeit der Kirche gilt es auf staatliche Privilegien zu verzichten; und dazu gehört ja auch die Erhebung von Kirchensteuern.

Warum es für Evangelische keine Volkskirche geben kann

31. August 2011

Man spricht in der Öffentlichkeit oft und gerne von einer Volkskirche im Sinne einer ethnisch bzw. territorial integrierten Kirche. In den evangelischen Bekenntnisschriften wird jedoch klargestellt, dass es für Christen solch eine Kirche gerade nicht geben kann. So wird in der Apologie des Augsburger Bekenntnis im Hinblick auf die eine heilige katholische Kirche ausgeführt:

Und der Artikel von der katholischen oder gemeinen Kirche, welche von aller Nation unter der Sonne zusammen sich schickt, ist gar tröstlich und hochnötig. Denn des Haufe der Gottlosen ist viel größer, gar nahe unzählig, welche das Wort verachten, bitter hassen und aufs äußerste verfolgen, als da sind Türken, Mahometisten, andere Tyrannen, Ketzer usw. Darüber wird die rechte Lehre und Kirche oft so gar unterdrückt und verloren, wie unter dem Papsttum geschehen, als sei keine Kirche, und läßt sich oft ansehen, als sei sie gar untergegangen. Dagegen, daß wir gewiß sein mögen, nicht zweifeln, sondern fest und gänzlich glauben, daß eigentlich eine christliche Kirche bis an das Ende der Welt auf Erden sein und bleiben werde; daß wir auch gar nicht zweifeln, daß eine christliche Kirche auf Erden lebe und sei, welche Christi Braut sei, obwohl der gottlose Haufe mehr und größer ist; daß auch der Herr Christus hier auf Erden in dem Haufen, welcher Kirche heißt, täglich wirke, Sünden vergebe, täglich das Gebet erhöre, täglich in Anfechtungen mit reichem, starkem Trost die Seinen erquicke und immer wieder aufrichte; so ist der tröstliche Artikel im Glauben gesetzt: “Ich glaube eine katholische christliche Kirche”, damit niemand denken möchte, die Kirche sei, wie eine andere äußerliche Polizei, an dieses oder jenes Land, Königreich oder Stand gebunden, wie der Papst von Rom sagen will, sondern daß es gewiß wahr bleibt, daß der Haufe und die Menschen die rechte Kirche seien, welche hin und wieder in der Welt, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, an Christum wahrlich glauben, welche denn ein Evangelium, einen Christum, einerlei Taufe und Sakramente haben, durch einen Heiligen Geist regiert werden, ob sie wohl ungleiche Zeremonien haben.

Denn auch im Dekret Gratiani sagt klar die Glosse, daß dies Wort: “Kirche”, groß zu nehmen, begreift Böse und Gute; item, daß die Bösen allein mit dem Namen in der Kirche seien, nicht mit dem Werke; Die Guten aber sind beide mit Namen und Werken darin. Und auf die Meinung liest man viel Sprüche bei den Vätern. Denn Hieronymus sagt: “Welcher ein Sünder ist und in Sünden noch unrein liegt, der kann nicht genannt werden ein Gliedmaß der Kirche, noch in dem Reich Christi sein.”

Wiewohl nun die Bösen und die gottlosen Heuchler mit der rechten Kirche Gesellschaft haben in äußerlichen Zeichen, in Namen und Ämtern, dennoch, wenn man eigentlich reden will, was die Kirche sei, muß man von dieser Kirche sagen, die der Leib Christi heißt und Gemeinschaft hat nicht allein in äußerlichen Zeichen, sondern die Güter im Herzen hat, den Heiligen Geist und Glauben. Denn man muß je recht eigentlich wissen, wodurch wir Gliedmaßen Christi werden, und was uns macht zu lebendigen Gliedmaßen der Kirche. Denn so wir würden sagen, daß die Kirche allein eine äußerliche Polizei wäre, wie andere Regimente, darin Böse und Gute wären usw., so würde niemand daraus lernen noch verstehen, daß Christi Reich geistlich ist, wie es doch ist, darin Christus inwendig die Herzen regiert, stärkt, tröstet, den Heiligen Geist und mancherlei geistliche Gaben austeilt, sondern man wird gedenken, es sei einen äußerliche Weise, gewisse Ordnung etlicher Zeremonien und Gottesdiensts. Item, was wollte für ein Unterschied sein zwischen dem Volk des Gesetzes und der Kirche, so die Kirche allein eine äußerliche Polizei wäre? Nun unterscheidet Paulus also die Kirche von den Juden, daß er sagt, die Kirche sei ein geistlich Volk, das ist, ein solch Volk, welches nicht allein in der Polizei und bürgerlichem Wesen unterschieden sei von den Heiden, sondern ein recht Volk Gottes, welches im Herzen erleuchtet wird und neugeboren durch den Heiligen Geist. Item, in dem jüdischen Volk, da hatten alle diejenigen, so von Natur Juden und aus Abrahams Samen geboren waren, über die Verheißung der geistlichen Güter in Christo auch viele Zusagen von leiblichen Gütern, als vom Königreich usw. Und um der göttlichen Zusagen willen wurden auch die Bösen unter ihnen Gottes Volk genannt. Denn den leiblichen Samen Abrahams und alle geborenen Juden hatte Gott abgesondert von andern Heiden durch dieselben leiblichen Verheißungen; Und dieselben Gottlosen und Bösen waren doch nicht das rechte Gottesvolk, gefielen auch Gott nicht. Aber da Evangelium, welches in der Kirche gepredigt wird, bringt mit sich nicht allein den Schatten der ewigen Güter, sondern ein jeder rechter Christ, der wird hier auf Erden der ewigen Güter selbst, auch des ewigen Trostes, des ewigen Lebens und Heiligen Geistes und der Gerechtigkeit, die aus Gott ist, teilhaftig, bis daß er dort vollkommen selig werde.

Derhalben sind die allein nach dem Evangelio Gottes Volk, welche die geistlichen Güter, den Heiligen Geist empfangen, und dieselbe Kirche ist das Reich Christi, unterschieden von dem Reich des Teufels.” (Apol. VII,9-16, BSLK 235,43-237,25)

Was Protestanten vom Papst erwarten

19. August 2011

In der neuesten Ausgabe von idea-spektrum (17. August 2011) sind Auszüge aus dem Buch “Lieber Bruder in Rom. Ein evangelischer Brief an den Papst” (erscheint am 22. August) vorab abgedruckt, auch aus meinem Beitrag zur Kirchensteuer. Die Auszüge finden sich hier.

Kirche als liturgische Spielgemeinschaft

29. Mai 2011

Der katholische Religionsphilosoph Romano Guardini hat in seinem Buch “Vom Geist der Liturgie” (1919) in gedankenprovozierender Weise von Liturgie als von einem „heiligen Spiel“ gesprochen. Im Unterschied zu einem Werk sucht solch ein Spiel nichts über sich hinaus zu bezwecken. Im Zentrum dieses heiligen Spiels steht die erinnernde Vergegenwärtigung des Pascha-Mysteriums, Christi Heilstat in Tod und Auferstehung, wie er es im letzten Abendmahl seinen Jüngern aufgetragen hat: „Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ (Lukas 22,19) In ihrer Eigensinnigkeit produziert die Liturgie keinen Sinn als ein konvertibles Gut, das herausgenommen und veräußert werden kann. Darin gleicht sie eben einem Spiel, das Menschen als Mitspielende in das Geschehen hineinzunehmen sucht. Während Schaulustige außen vor bleiben, wird für Christen das heilige Spiel eine sie übertreffende Wirklichkeit, derer sie in der „Gestaltgemeinschaft mit Christus“ (Richard Schaeffler) teilhaftig werden.

Kirche als liturgische Spielgemeinschaft enthält eine Absage sowohl an subjektive Sinnentwürfe als auch an einen weltanschaulichen Universalanspruch des Christentums. In der Theorie geschieht nichts. Stattdessen wird die Partikularität eines Spiels mit all den damit verbundenen Begrenzungen betont. Regeltreue und Können sind unabdingbar, andernfalls kann das heilige Spiel nicht stattfinden. Deshalb müssen Christen als Mitspielende den besonderen Wort-Schatz dieses Spiels erlernt haben und in dessen Sprachregeln eingeführt worden sein. Weiterhin ist eine besondere christliche Lebensform geboten, die Menschen gemeinschaftsfähig mit dem Heiligen hält. Christliche Mission schließlich ist nichts anderes als Außenstehende zum Mitspielen einzuladen und hinzuführen.

Für Christen, die das heilige Spiel zu spielen wissen, ist es beileibe keine Traditionspflege, sondern das Spiel des Lebens, das sie selbst mitnimmt. Es muss nichts bewirken, beruht es doch auf der Wirklichkeit dessen, der sich als „das Alpha und das Omega“ (Offenbarung 1,8) ausgesprochen hat. Und so feiern sie mit als Kinder Gottes in der Erwartung, dass der Gott selbst dereinst dieses Spiel entgrenzt und seine Schöpfung in die Paschageschehen einverleibt, entsprechend seiner Zusage, „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5) Derartige Erwartungen sind freilich nur für Mitspielende zu halten; allein den „Tätern des Wortes“ (Jakobus 1,22) ist die christliche Hoffnung nicht zu verdenken.

Lieber Bruder in Rom!

4. Mai 2011


Dominik Klenk (Hg.),

Lieber Bruder in Rom! Ein evangelischer Brief an den Papst

Papst Benedikt XVI. besucht im Herbst 2011 das Augustinerkloster Martin Luthers in Erfurt, und die Öffentlichkeit erwartet, dass er hier ein Zeichen für die Ökumene setzt. Sechzehn protestantische Autoren zeigen auf, wo – jenseits aller Kirchendiplomatie – die drängenden Fragen des konfessionellen Miteinanders liegen.

Als Knaur Taschenbuch wird dieser Sammelband Anfang August 2011 erscheinen. Mein Beitrag darin behandelt das Thema Kirchenaustritt und Kirchensteuer.

Kirche lohnt sich wirklich – auch in Euros!

29. April 2011

Die Wirtschaftswoche, genauer gesagt, Steuerberater Kimmerle aus Kempten hat nachgerechnet: Wer seine Kirchensteuer zahlt, spart schlussendlich harte Euros, allerdings nur dann, wenn man regelmäßig beichtet, zwei eigene Kinder auf ein kirchliches Gymnasium schickt und Orgelkonzerte liebt. Hier zum Nachlesen: Was die Kirchen leisten. Und wer es ganz genau wissen will: Lohnt sich Kirche?

Hermann Lübbe – Das Recht der Religionen

29. April 2011

Die rechtliche Sonderstellung der beiden großen Kirchen in Deutschland lässt sich nach Auffassung des Philosophen Hermann Lübbe nicht mehr lange halten. Das Staatskirchenrecht in seiner jetzigen Form sei “unzureichend”, um die Vielfalt religiösen Lebens in der Bundesrepublik abzubilden, schreibt Lübbe in einem Gastbeitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (26. April).

Friedrich Wilhelm Graf – Kirchendämmerung

2. März 2011

Das neue Buch von Friedrich Wilhelm Graf heißt “Kirchendämmerung. Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen“. Darin findet sich eine liberale Kritik an der “Amtskirche”, die durchaus ihre zutreffenden Spitzen hat. Als fünfte kirchliche Untugend nennt Graf die klerikale Selbstherrlichkeit. Der betreffende Textauszug aus diesem Buch findet sich hier: Leseprobe_Kirchendämmerung.

That’s Not What Luther Meant

31. Januar 2011

Eine englischsprachige Übersetzung meines FAZ-Artikels “So hat es Luther nicht gemeint” ist dank Ed Schroeder bei Crossings publiziert: That’s Not What Luther Meant.


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