Du sollst Dir kein Bildnis machen

Protestantische Kirchen in Hongkong, China und Korea sind bilderarm, wenn nicht gar bilderfrei. Dahinter steht eine puritanische Missionstradition amerikanischer Herkunft, die das biblische Bilderverbot ernst genommen hat. Im Kontext einer chinesischen Volksfrömmigkeit, wo sich eine kultische Verehrung von Heiligen und Göttern an Bildern und Statuen in Tempeln ausrichtet, ist es für Christen angebracht, sich einem bildlichen Verehrungsangebot innerhalb der eigenen Kirche zu entziehen. Schließlich kann sich über eine bildliche Christusverehrung eine Gleichstellung mit den Heilsgestalten des chinesischen Pantheons vollziehen. Dennoch gibt es die Jesusbilder im Nazarenerverschnitt, die über die Bilderflut in den christlichen Printmedien allgegenwärtig sind. Jesus sieht demzufolge in China wie ein amerikanischer Filmschauspieler aus den Frühsiebzigern aus: schulterlange Haare, gepflegter Vollbart und die dunkelbraunen Augen. Was bei Protestanten Illustrationssache ist und allenfalls kurzzeitig per Power Point Präsentation an die Kirchenwand projiziert wird, ist katholischerseits wiederum als Statuen in Kirchen fest installiert worden. Scheinbar können Menschen eben doch nicht ohne Bilder leben, auch wenn die christenmenschliche Einbildungskraft nach einem puritanischen Traditionsabbruch nur noch religiösen Kitsch zu produzieren weiß.

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