Allmacht und Allursächlichkeit Gottes

Uhrwerk

Die göttliche Allmacht darf nicht mit einer theoretischen Allursächlichkeit Gottes verwechselt werden, andernfalls schafft man sich einen Schicksalsgötzen. Die Rede von der Allmacht Gottes findet ihre Rechtfertigung nicht in einer vernunftgemäßen Theorie, sondern allein im Lobpreis göttlicher Taten, wie sie in der SCHRIFT bezeugt sind. Aus einer doxologischen Allmacht Gottes dürfen Menschen keine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Entscheidend ist daher die richtige Kausalfolge: Weil Gott seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, deshalb ist er als allmächtig zu preisen. Der Umkehrschluss hingegen widerspricht jeglicher göttlichen Logik: Weil Gott eben allmächtig ist, deswegen konnte er Christus von den Toten auferwecken.

Der Grundfehler solcher Argumentation ist, dass Menschen eine tatenlose „göttliche“ Allmacht ihren eigenen Allmachtsvorstellungen unterordnen: Ein als allmächtig gedachter Gott kann doch all das tun, was wir es uns eben vorzustellen vermögen. Damit wird letztendlich die Ordnung der Schöpfung pervertiert. Das Geschöpf hat sein Gottesbild entsprechend des eigenen Vorstellungsvermögens. „Unser Gott muss zu dem oder zu jenem fähig sein, andernfalls kann er nicht wirklich Gott sein.“ Gottes Allmacht (die seinem Namen und nicht menschlicher Vernunft folgt) ist jedoch eine tätige und keine gedachte Allmacht. Außerhalb seiner Taten und seiner Verheissungen gibt es für Menschen nichts zu spekulieren.

Die sogenannte Theodizeefrage („Warum lässt ein allmächtiger und allgütiger Gott das alles zu?“) ist eine allzumenschliche Frage nach dem Sündenfall (vgl. Genesis 3,22). Gott ist nicht aufgrund unseres eigenen Gottesdenkens, sondern allein aufgrund seiner eigenen Verheissungen in Frage zu stellen. Und dieses Infragestellen kann letztendlich nur in die Gottesanrede zur Sprache kommen, wie wir dies aus den Klagepsalmen zu lernen haben.

Weiterhin muss Jesu Rede von der Gottesherrschaft, die nahegekommen ist (vgl. Markus 1,15) in den Zusammenhang einer göttlichen Allmacht gebracht werden. Gottes Herrschaft ist nicht mit einer vorgängigen göttlichen Providenz (im Sinne der göttlichen Erstursächlichkeit von allem Geschehen) zu verwechseln. Gottes Herrschaft (oder das „Reich Gottes“) ist eine sich der gefallenen Schöpfung bemächtigende Herrschaft, die sich schließlich in der endzeitlichen Totenauferstehung „in Christo“ vollenden wird (vgl. 1 Korinther 15, 20-28). Wo hingegen seine Herrschaft als vergangenheitsausgerichtete Verursachung von Geschehenem gedacht wird, verfängt man sich selbst in einem hoffnungslosen Schicksalsglauben (deus sive fatum).

Schließlich widerspricht eine Allursächlichkeit Gottes seinem eigenen ausgesprochenen Wort. Wäre alles Vorhandene oder Geschehene dieser Welt von Gott selbst verursacht worden, kann sein eigenes Wort, das immer das Besondere, Gottgetane und Gottgewollte, und nicht das Universale benennt, keine Bedeutung haben. Von daher ist metaphysisches Gottesdenken nichts anderes als der Versuch, Gott sprachlos zu machen.

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