Korruption in asiatischen Kirchen

nepotism

Korruption ist eines der großen Probleme in den Kirchen Asiens und Ozeaniens, vor allem in Indien. Häufig werden kirchliche Leitungspositionen als Ressourcen angesehen, die für die eigene Lebensunterhalt und den der Familie in Anspruch genommen werden. Die Gemeinschaftsverpflichtung gegenüber Familie und Klan geht der einer formalen Kirchenorganisation vor. Darin unterscheiden sich chinesische Kirchen im Allgemeinen, die ein hohes Ethos der treuhänderischen Haushalterschaft kennen. Wer in Hongkong oder Singapur als Pfarrer Geld zweckfremd verwendet, kann sich einen anderen Job suchen, selbst dann, wenn er sich dabei nicht persönlich bereichert hat.

In intakten Stammesgesellschaft wie in Nordostindien ist das Korruptionsproblem deutlich geringer, da es familien- und klanbezogene Lebensressourcen in Gestalt von Landbesitz gibt, die der eigenen Altersversorgung auch ohne Rentensystem dienen. In weiten Teilen Indiens hingegen werden Kirchen der landlosen Armen unter Feudalstrukturen gebracht, wodurch manche Pfarrer und Kirchenobere sich exzessiv bereichern können. Positionen dienen der eigenen Geldbeschaffung; das kennt man doch bereits aus der römischen Republik.

Ein Grundproblem sind die Kirchenstrukturen. Wo es eine episkopal-monarchische Ordnung gibt, ist die Korruption weitaus größer als in presbyterial-synodalen Kirchenordnungen. Insofern verdankt sich die Korruption zu einem gewissen Maße dem jeweiligen Missionserbe. Presbyterianisch verfasste Kirchen in Mizoram, die zeitlich begrenzte Leitungsämter (drei Jahre!) kennen, verschaffen den Amtsinhabern kaum zusätzliche Einnahmequellen, während die hierarchische Episkopal- bzw. Pastoralstruktur der lutherischen Kirche extrem korruptionsanfällig ist. Dabei hätten die europäischen Missionsgesellschaften aus ihrer Vergangenheit lernen können. Korruption, Nepotismus und Simonie war für die abendländische Kirche ein Jahrhunderte währendes Problem, das erst seit dem 16. Jahrhundert durch das landesherrliche Kirchenregiment in den protestantischen Kirchen und durch die tridentinischen Reformen in der katholischen Kirche in den Griff gekriegt worden ist.

Dort wo Geld und Stipendien von ausländischen Missionsgesellschaften und Kirchenbünde ins Spiel kommen, wird die Korruptionsgefahr verstärkt. Wer in Indien in kirchenleitender Position in den privilegierten Kontakt mit ausländischen Partnern kommt, ist unweigerlich versucht, derartige Kontakte zum eigenen Vorteil zu verwenden. Einen lesenswerter Artikel dazu hat Klaus Schäfer in der überblick, Heft 2, 2006, Seite 42ff unter dem Titel „Stumme Partner“ geschrieben.

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