Warum Predigen in Hongkong sprachmächtiger sein kann

Hong_Kong_Night_Skyline

Vielleicht ist es ja nur subjektiv. Mir kommt jedenfalls das eigene Predigen hier in Hongkong trotz Gebrauch einer Fremdsprache sprachmächtiger als in Deutschland vor. Der Grund hierfür ist die Gegenwärtigkeit der christlichen Lehre unter Christinnen und Christen der ersten Generation. Wörter wie „Heiliger Geist“, „Gnade“, „Sühnetod“, „Sohn Gottes“, „Auferstehung“, „Glaube“, „Inkarnation“ oder „Kinder Gottes“ sind der gemeinsame Wortschatz, auf den in der Predigt ganz selbstverständlich zurückgegriffen werden kann. Das heißt nicht, dass diese Wörter keiner Erklärung bedürfen; aber derartige Erklärungen finden innerhalb der gleichen, biblisch gesättigten Sprache statt. Man kann also intratextuell interpretieren und muss nicht auf „übertragene“ Bedeutungen außerhalb der christlichen Sprache verweisen.

Wenn es nun stimmt, dass innerhalb Europas ein Sprachverlust in Sachen christlicher Lehre, gerade auch in der Kirche und unter Kirchenmitgliedern stattfindet, muss jede christliche Botschaft auf allgemein Sinnhaftes hin übertragen werden, um sprachunkundige Menschen ansprechen zu können. Ohne christliche Sprachresonanz bei den Zuhörern steht jede Predigt, die sich eines überkommenen Vokabulars bedient, in der Gefahr, leblos und belehrend zu sein. Damit entsteht jedoch ein Teufelskreis: Die Predigt in Europa kann nicht mehr in ansprechender Weise Lehre für das Leben sein, wie das früher (z.B. in der Zeit Luthers) der Fall gewesen ist und heute in außereuropäischen Ländern ohne weiteres möglich ist. Ohne solche „Belehrung“ verarmt der christliche Sprachschatz weiter, und man muss sich mit immer mehr „Übertragungen“ behelfen. Diese Übertragungen können irgendwann jedoch das Distinkte der christlichen Lehre (Gottes lebensumfassendes Handeln in Jesus Christus) nicht mehr zur Sprache bringen. Man muss sich also mit allgemeinen Sinn- und Trostweisheiten behelfen. Und die werden weder auf Dauer nicht gebraucht, noch sind sie besonders anspruchsvoll: Das Wort zum Sonntag – die christliche Sprache auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Allgemein-zumutbar-bedeutsamen gebracht – zum Abschalten.

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