NAMENStheologie oder warum „Gott“ kein Name für IHN ist

Name

Im Allgemeinen ist der NAME kein Thema in der Systematischen Theologie. Man spricht stattdessen von Gott als Person und seinen Eigenschaften. Innerhalb der Biblischen Theologie hingegen ist der Gottesname ein geläufiger Topos, scheint doch das Alte Testament verschiedene Namen Gottes zu kennen (JWHW, Elohim, El, El Äljon, El Schaddaj, Adonaj etc.). Das Grundproblem, das jedoch meist übersehen wird, ist, dass das deutsche Wort „Gott“ (wie elohim, theos, deus, god) kein Eigenname, sondern ein Appelativum (Gattungsbegriff) ist. Dadurch entsteht eine folgenreiche Verwechslung, die die ganze abendländische Theologie entstellt hat.

Der Gattungsbegriff „Gott“ impliziert bestimmte Eigenschaften, die die betreffende Gattung von anderen Gattungen, wie zum Beispiel „Mensch“, unterscheidet. Es macht dabei keinen Unterschied ob man von einem einzigen Vertreter der Gattung „Gott“ (Monotheismus) oder aber von einer Göttervielfalt (Polytheismus) ausgeht. Ein Gott bzw. der eine Gott hat bestimmte, benennbare Eigenschaften, gehört er doch zu der Gattung „Gott“. Demzufolge definiert der altprotestantische Theologe Leonhard Hutter den einen Gott (DEUS) als „essentia spiritualis, intelligens, aeterna, verax, bona, pura, iusta, misericors, liberrima, immensae potentiae et sapientiae“ (Compendium Locorum Theologicorum, Loc. II, q. 2). Das ist es, was einen Gattungsbegriff im Unterschied zu einem Eigennamen ausmacht. Die Elemente dieser Gattung lassen sich über generelle Eigenschaften definieren.

Der Träger eines Eigennamen hingegen lässt sich nicht definieren, sondern nur über dessen „Story“ vorstellen und identifizieren, so wie ER es selbst gegenüber Israel tut: „Ich bin HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ (Exodus 20,2) Der Name selbst ist nichts anderes als die Zusammenfassung der besonderen Eigenschaften und Tugenden, die der betreffende Namensträger in der Begegnung mit anderen durch sein eigenes Tun gezeigt hat (vgl. narrative Theologie). Demzufolge kann kein Name vorab definiert werden. Genau das geschieht jedoch in der sogenannten abendländischen Theologie, wo ein einziger „Gott“ als möglichst allgemein und allumfassend gedacht wird und erst im Anschluss daran seine besondere Offenbarung (revelatio specialis) bedacht wird. Solch „natürliche Theologie“ ist genuin heidnisch, sucht sie doch den NAMEN zu neutralisieren und hat daher mit der Heiligen Schrift nichts gemein. Wenn im Alten Testament von „Elohim“ die Rede ist, was man als „Gottheit“ übersetzen kann, so handelt es sich dabei nicht um einen Eigenname, sondern um eine Antonomasie (Griechisch, „an Stelle eines Namens“) der Ersatz eines Eigennamens durch ein umschreibendes Apellativum (Gattungsbegriff).

Der NAME (JHWH) geht im Alten Testament immer vor, findet er sich doch 6639 mal, während Elohim nur 2750 mal erscheint. Demzufolge ist die Aussage „NAME (Subjekt) ist ein Gott“ korrekt, nicht aber deren Umkehrung, wie man ja auch richtigerweise sagen kann: „Jochen ist ein Lehrer“, nicht aber „Ein Lehrer (Subjekt) ist Jochen“. Wenn wir im Deutschen von „Gott“ sprechen, so ist dies nur dann in Entsprechung zur Schrift, wenn das Appellativum als Antonomasie anerkannt wird. In der Lutherbibel von 1545 wird demzufolge die Gattungsbegriffe „Gott“ und „Herr“ mit Großbuchstaben ausgestellt, was am Beispiel von Exodus 20,1-3 wie folgt aussieht: „Und GOtt redete alle diese Worte: Ich bin der HErr, dein GOtt, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführet habe. Du sollst keine andern Götter neben mir haben.“

Um es zugespitzt zu sagen: Mit der Verwendung des Appellativums „Gott“ ist nichts Genuines über den NAMEN ausgesagt, ist doch die Antinomasie „Gott“ nichts anderes als ein Ersatzbegriff. Demzufolge sprechen wir im Unterschied zu Philosophen nicht über Gott, sondern von dem NAMEN, der auch als ein Gott bezeichnet werden kann. Als einen der wenigen Theologen, die die Tragweite einer NAMENStheologie bedacht hat, sei auf Kornelis Heiko Miskotte, insbesondere auf sein „Wenn die Götter schweigen“ bzw. das „Biblische ABC“ verwiesen.

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