Ultramontanismus in China

Der 42-jährige Li Shan wurde jüngst in der Kathedrale am Platz des Himmlischen Friedens in Peking zum neuen katholischen Bischof von Peking geweiht, mit indirekter Billigung durch den Vatikan. Unbedarfte Protestanten mögen da wieder einmal päpstlichen Zentralismus vermuten, sind doch die Vorgängerbischöfe von der Katholichen Kirche in China ohne päpstliche Konsultation eingesetzt worden. Das klingt doch gut, wenn man auf dem Selbstbestimmungsrecht der örtlichen Kirche pocht und sich jegliche Einmischung von außen – Vatikan – verbietet. Was in Deutschland im 19. Jahrhundert durch protestantische Publizistik verächtlich als „Ultramontanismus“ (die Abhängigkeit der katholischen Kirche von Rom) bezeichnet wurde, war wohl auch zur damaligen Zeit ein Schutz vor staatlicher Infiltration. Das unsägliche germanische Eigenkirchenwesen, das die Kirche unter Fürstenautorität gestellt hatte, war es wohl, warum eine papsttreue Kirche im Westen entstehen musste. Nur unter Schutz des Papstes kann es in China eine wirkliche kirchliche Eigenständigkeit der katholischen Kirche gegenüber einem kommunistischen Cäsaropapismus geben.

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