Wider den Religionismus

Aufschlussreich ist der folgende Kommentar einer jungen indischstämmigen Frau aus Singapur im Anschluss an ein Tonbandinterview in Sachen religiöser Erfahrungen und Modernisierung:

Bitte beachten Sie, dass Sie mich gebeten haben, Ihnen zu erzählen, wie ich mich selbst als Hindu sehe: Ich habe nach bestem Wissen darauf geantwortet. Aber bitte, verstehen Sie das alles nicht so, als hätte ich Ihnen etwas über meine „Religion“ gesagt. Ich habe hier in Singapur eine westliche Schulausbildung erhalten und glaube, ich weiß ziemlich gut, wie Sie als Bewohner der westlichen Hemisphäre über Mensch und Gott und „Religion“ denken. Ich habe also so zu Ihnen gesprochen, als sei der Hinduismus meine „Religion“, damit Sie verstehen können, was ich meine. Wenn Sie selbst Hindu wären, hätte ich in ganz anderer Weise mit Ihnen geredet, und ich bin sicher, wir hätten beide gelacht bei dem Gedanken, dass „Hinduismus“ eine „Religion“ sein könnte oder dass so etwas wie „Hinduismus“ überhaupt existiert. Bitte vergessen Sie das nicht, wenn Sie all das Zeug analysieren, das Sie auf Ihren Tonbändern haben.[1]


[1] J. Matthes, Religion in den Sozialwissenschaften. Eine wissenschaftstheoretische Kritik, in: Ders., Das Eigene und das Fremde. Gesammelte Aufsätze zu Gesellschaft, Kultur und Religion, hg. v. R. Schloz, Würzburg 2005, 241-263, 261.

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