Lesslie Newbigins Missionstheologie

Lesslie Newbigin als Bischof von Madras (1970)

Lesslie Newbigin als Bischof von Madras unterwegs (1970)

Der britische Missionstheologe Lesslie Newbigin (1909-1998) ist im deutschen Sprachraum wenig bekannt. Bedauerlicherweise, muss man sagen, denn Newbigin, der als Missionar in Indien sowie als Associate General Secretary des ÖRK in Genf gewirkt hat, ist ein Theologe, der es zu verstehen wusste, die ökumenische Gerechtigkeitsfrage und die evangelikale Bekehrungsfrage gleichermaßen aufzugreifen und beide Seiten mit dem Evangelium Jesu Christi herauszufordern. Martin Reppenhagen hat in den Theologischen Beiträgen eine lesenswerte Einführung in Newbigins Theologie unter dem Titel „Mission aus Bindung an Christus. Lesslie Newbigins missionstheologischer Ansatz“ geschrieben. Was bei Newbigin besonders beeindruckend ist, sind seine kulturtheologischen Überlegungen, besonders im Hinblick auf das säkularisierte Europa. Hierzu ein Zitat von ihm:

„Wenn ich vom Evangelium rede, meine ich natürlich die Aussage, dass die gesamte Menschheit in dem Geschehen um das Leben, den Dienst, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi verändert und daher jede menschliche Kultur in Frage gestellt wird. Sicher ist auch diese Ankündigung selbst in einem bestimmten kulturellen Umfeld geschehen. Sie kam nicht einfach vom Himmel oder aus dem Mund eines Engels. Die Worte ‚Jesus Christus‘ sind die griechische Wiedergabe des hebräischen Namens und Titels ‚Joshua der Messias‘. Sie sind Teil einer bestimmten Kultur in einem bestimmten Teil der Welt – dem östlichen Mittelmeerraum – zu einem geschichtlichen Zeitpunkt, als Griechisch die verbreitetste internationale Sprache in den Ländern um das Mittelmeer war. Weder am Anfang noch irgendwann später kann es ein Evangelium geben, das nicht in eine bestimmte kulturell geprägte Form von Worten gefasst ist. Die Vorstellung, man könne auf irgendeine Weise ein reines Evangelium herausdestillieren, unverfälscht durch irgendwelche kulturellen Zutaten, ist eine Illusion. Ja, sie ist geradezu ein Verrat am Evangelium, denn das Evangelium handelt vom fleischgewordenen Wort. Wo immer das Evangelium in Worte gefasst wird, steht es unter dem Einfluss der Kultur, zu der diese Worte gehören. Und jede Lebensweise, die die Wahrheit des Evangeliums ausdrücken will, ist eine kulturell bestimmte Lebensweise. Ein kulturfreies Evangelium wird es niemals geben. Und doch stellt das Evangelium, selbst ganz und gar in kulturell geprägten Formen ausgedrückt, alle Kulturen in Frage, einschließlich derjenigen, in der es sich zum ersten Mal darstellte.“

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