Jesu Tod und Auferstehung – Eine Lehrpredigt

Volker Stelzmann - Auferstehung (Radierung 1989)

Volker Stelzmann, Auferstehung (Radierung 1989)

1 Korinther 15,1-11

1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. 3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.

Lukas 24,1-8

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. 5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 7 Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 8 Und sie gedachten an seine Worte.

Wer hier in Bayern auf den Fluren spazieren geht, stößt immer wieder auf Kruzifixe – Jesus Christus als Plastik auf einem hölzernen oder einem gusseisernen Kreuz fixiert. An diesen Anblick haben wir uns gewöhnt. Wer jedoch in anderen Kulturen unterwegs ist, wird dort eine vergleichbare Darstellung kaum finden. Da ist ein Mensch im Augenblick des Todes dargestellt, ohnmächtig, Folterspuren am Körper. Auf diesem Toten lastet der Fluch der Tora, heißt es doch im fünften Buch Mose: „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben – denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott -, auf dass du dein Land nicht unrein machst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt.“ (5. Mose 21,22-23)

Weshalb nun rücken Christen die Person eines Aufgehängten in den Mittelpunkt ihres Lebens, hängen sich gar ein Kruzifix selbst um den Hals? Da ist etwas schier Unglaubliches geschehen. Der am Kreuz getötete ist nicht vernichtet worden. So wie es ja die beiden Gottesboten den Frauen am Grab zugesprochen haben: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lukas 24,5f) Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. Kaum zu glauben und doch muss es geglaubt werden, sagt doch der Apostel Paulus „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ (Römer 10,9)

Ohne die Auferweckung Jesu fände sich keine Kirche auf Erden. Stattdessen hätte sich der Name „Jesus“ unter den unendlich vielen Namen von unschuldig Getöteten einreiht und wäre längst schon vergessen. Das Kreuz wäre nichts anderes als ein Symbol menschlicher Grausamkeit und Todesmacht.

Nein: Der unschuldig Getötete lebt: „Christus ist auferstanden von den Toten und hat den Tod durch den Tod besiegt und denen im Grabe das Leben gebracht.“ So singen wir Christen mit dem orthodoxen Osterhymnus. Weil Jesus lebt, können wir sein Kreuz vorzeigen. Das Kreuz Christi ist ein Siegeszeichen. Und damit erschließt es sich in einer ganz anderen Weise: Der dreieinige Gott triumphiert über die menschliche Sünde, Grausamkeit, und schlussendlich den Tod. Die Treue des himmlischen Vaters zu seinem Sohn, dem Messias, entreißt das menschliche Leben dem Tod. Der Geist des Herrn ist stärker als natürlicher Todesmoder, stärker als Asche und Staub. Das Leben, das durch den Geist des Herrn gehalten ist, vermodert nicht im Tod. Es gilt vielmehr das Gotteslob aus Psalm 118: „Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg! Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“ (vv. 15-17)

Mit dem gesungenen Ostertriumph in den Ohren schauen wir zurück auf Karfreitag: Was ist da wirklich passiert? Ja, Jesus Christus wurde am Kreuz das Opfer römischer Strafjustiz. In Zusammenarbeit mit dem Prokurator Pontius Pilatus wollte die oberste Religionsbehörde in Judäa, der Hohe Rat, Jesus aus dem Weg schaffen. Aber Jesus war beileibe kein passives Opfer, als er am Kreuz bloßgestellt und verspottet wurde, selbst dort wo er in der Finsternis des Todeskampfes seine eigene Gottverlorenheit in voller Verzweiflung ausgerufen hatte. „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (Markus 8,31) Das was da in Golgota geschehen ist, hat Jesus seinen eigenen Jüngern im Voraus angekündigt. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Markus 10,45)

Was hat nun aber dieses selbstgewählte Opfer für uns gebracht? Da gibt es eine ganz furchtbare Vorstellung. Sie findet sich nicht in der Bibel, aber in vielen Köpfen. Verkürzt gesagt: Der himmlische Vater hat seinen eigenen Sohn am Kreuz geopfert, um seinen eigenen Zorn über die menschliche Sünde besänftigen. Der eigene, unschuldige Sohn musste am Kreuz Genugtuung leisten, damit ein „Gott“ unter Einhaltung seiner vergeltenden Gerechtigkeit uns vergeben kann. Diese Vorstellung, gemeinhin Satisfaktionslehre genannt, hat sich in den Köpfen unserer germanischen Vorfahren festgesetzt. Jesus selbst spricht jedoch eine andere Sprache: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16). Am Anfang steht die göttliche Liebe. Und aus dieser Liebe heraus sendet der himmlische Vater seinen Sohn zu uns Menschen, die ihm verloren gehen. Die Menschen jedoch vergreifen sich am Menschensohn und machen ihn zum Sündenbock. Die tödliche Sünde wirkt sich im Opfer Jesu aus: „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2 Kor 5,21)

Da ist ein heilvolles Geheimnis in Jesu Tod und Auferstehung, das Pascha-Mysterium, das wir Menschen letztlich nicht ergründen können. Dem Geheimnis ist mit keiner allzumenschlichen Ingenieurslogik beizukommen. Wer sich fragt: Wie hätte Gott am besten das Heil für uns Menschen schaffen können, wird keine wirklich befriedigende Antwort finden können. Stattdessen das Eingeständnis: Es hat so sein müssen um unsertwillen, Gott sei Dank (vgl. Jesaja 53,4f). Mit unseren Finger können wir auf das Geheimnis zeigen, wie dies Johannes der Täufer schon vor uns getan hat: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Johannes 1,29; vgl. 1 Korinther 5,7) Am Kreuz Christi ist die tödliche Macht der Sünde letztgültig zerbrochen worden. Was Menschen von dem Gott und Vater Jesu Christi (2 Korinther 1,3) getrennt hat, wurde dort vernichtet. „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ (2 Korinther 5,19)

Nicht etwa Gott ist der Empfänger oder Adressat des Opfers Jesu. Jesus starb nicht für seinen himmlischen Vater, sondern für uns. Wir Menschen müssen sein Opfer für uns selbst annehmen. Andernfalls wirkt es sich nicht in unserem eigenen Leben aus. Die Annahme spricht sich in unserem Bekenntnis aus: „Du, Jesus, für mich, Du hast Dich für mich hingegeben, Du bist für meine Sünden gestorben und um meiner Rechtfertigung willen auferweckt (vgl. Römer 4,25). Da wird dann noch einmal meine eigenen Dunkelheit, meine Sünde, der Stachel des Todes in meinem Fleisch in dieses Geheimnis gelegt. Und dann wird Befreiung und Erneuerung meines Lebens spürbar. Da wächst dann eine ungeheure Zuversicht für unser Leben: „Ist der Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Römer 8,31f) Das Kreuz Christi können wir in unserem Leben niemals hinter uns lassen. Es muss uns vielmehr immer wieder neu vergegenwärtigt werden. Und dazu feiern wir ja das Abendmahl Jesu Christi sonntäglich aufs Neue: Christi Leib für Dich gegeben, Christi Blut für Dich vergossen. Wo Dein Leben in Christi Tod und Auferstehung hineingezogen wird, wird es heil im vollen Sinne. In Christus Jesus gehst Du mit Deinem Leben nicht verloren.

Amen.

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