Jesus der Messias – eine Lehrpredigt

Christus speist die Menge

Jes 9,1-6

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.

3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.

4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;

6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Lk 4,14-24

14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte.

15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen.

16 Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.

17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,

19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«

20 Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn.

21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

22 Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich, dass solche Worte der Gnade aus seinem Munde kamen, und sprachen: Ist das nicht Josefs Sohn?

23 Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet mir freilich dies Sprichwort sagen: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, die in Kapernaum geschehen sind! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt!

24 Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland.

Brauchen wir einen König? Wenn es um eine Alleinherrschaft unter uns Menschen geht, ist Zurückhaltung angesagt. Könige und ihre Kinder gehören in die Regenbogenpresse, wo sie ja nichts zu melden haben. Wir hingegen möchten unsere Regierung zumindest indirekt über das Parlament wählen. Das Volk herrscht, indem es die Wahl am nächsten Sonntag hat. Allerdings ist die Euphorie in Sachen Volksherrschaft in unserem Lande nicht allzu groß. Das zeigen nicht zuletzt die abnehmenden Wahlbeteiligungen in den letzten Jahren. Durch die Medien werden wir mit einer Fülle von sozialen, ökologischen sowie internationalen Problemen konfrontiert. Über Lösungsvorschläge wird parteipolitisch gestritten. Und was schließlich gesetzgeberisch realisiert werden kann, steht gegenüber den Ansprüchen weit zurück. Wo in unserer Demokratie politisches Handeln strittig ist und zugleich als unzureichend empfunden wird, entsteht in der Bevölkerung Politikverdrossenheit.

Da müsste doch einer durchgreifen und die Dinge wieder zurechtrücken, ohne dass ihm andere in die Quere kommen. Eine menschliche Wunschvorstellung, die gefährlich werden kann. Die wirklich Mächtigen versündigen sich viel leichter, viel häufiger und viel weitreichender als Ohnmächtige. Wo in einer Diktatur die Macht unwiderruflich in die Hände eines Menschen gelegt ist, wird sie auf Dauer gewalttätig. Da müssen dann zur Aufrechterhaltung der eigenen Macht Kritiker mit allen Mitteln ausschaltet werden. Man macht sie mundtot, sperrt sie ein oder tötet sie schlussendlich.

Da gilt dann mit Winston Churchill gesprochen die Demokratie als die beste aller schlechten Regierungsformen unter uns Menschen, erlaubt sie doch wenigstens gewaltfreie Herrschaftswechsel. Was in der Demokratie vorwärts gehen kann, sind nur die ganz kleinen, allseitig kontrollierten Lösungen. Die wirklich großen, revolutionären Veränderungen jedoch scheinen utopisch zu bleiben.

Christen finden sich mit der bestehenden Demokratie und all ihrem Ungenügen nicht einfach ab. Schließlich sind sie im wahrsten Sinne des Wortes Monarchisten, denen es um eine ganz besondere Herrschaft geht: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ So lautet die Weissagung des Propheten Jesaja. Ja, wir haben einen König, der endgültig Frieden bringt und dessen Herrschaft allein auf Recht und Gerechtigkeit beruht. Jesus gilt uns als der Messias, der Christus, was nichts anderes heißt als dass er der „Gesalbte“ des Herrn ist. Er ist es, der im Auftrag seines himmlischen Vaters handelt. So nimmt er die Worten des Propheten auf und bezieht sie auf sich selbst: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.

Gefangene kommen frei, Blinde dürfen wieder sehen, und Menschen in der Schuldenfalle können aufatmen. Was belastet, ja das eigene Leben erdrückt, gehört der Vergangenheit an. Was Jesus in der Synagoge von Nazareth von Nazareth angekündigt hat, ist keine Wirtschaftsprognose vom Schreibtisch aus und auch kein Wahlversprechen. Er ist vielmehr selbst dazu berufen, die Dinge in Gang zu bringen und zieht seine Sache mit Leib und Seele durch. So wird denn auch in den Evangelien der Lebensweg eines ganz besonderen Königs erzählt, wie er zwölf Jünger um sich gesammelt hat, wie er auf der Wanderschaft in Galiläa und Judäa seine Botschaft vom göttlichen Machtwechsel verkündigt, böse Geister austreibt und Menschen vom Lähmungen und anderen Krankheiten heilt, wie er gar Tote auferweckt und schließlich auf einem Esel in Jerusalem einreitet. „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9)

Was für ein Herrscher auf Erden—ohne Krone, Thron und Palast. „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ (Mt 8,20) Er herrscht nicht durch Zwang oder Gewalt, sondern dient seine Herrschaft den Menschen an. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45)

Macht und Herrschaft schaffen Distanz, kann doch ein Mächtiger sich kaum in eine liebevolle Beziehung zu anderen Menschen begeben, ohne dabei an Macht zu verlieren. So scheint Einsamkeit der Preis menschlicher Macht zu sein. Jesus der Messias hingegen muss zu uns Menschen keine Distanz halten, hat er sich doch selbst erniedrigt, tiefer als wir dies mit unserem eigenen Leben tun (vgl. Phil 2,6-8). Der Messias in den Händen der Menschen (vgl. Mk 9,31) – da gibt es nichts mehr an Macht, was Jesus auf Kosten anderer aufrecht erhalten muss. Er ist daher der einzige Herrscher, dem wir uns mit unserem eigenen Leben vorbehaltslos anvertrauen können. Wir in seinen Händen, und unser Leben nimmt kein Schaden, sondern findet Heil und Geborgenheit.

Ja, angesichts solch einer weltwidrigen Herrschaftslogik mag Skepsis aufkommen: Wie kann die Herrschaft Jesu denn begriffen werden, wenn sie eben nicht durch Gewalt spürbar wird. Die Antwort Jesu weist in eine umgekehrte Richtung: „Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10,15) Diese Herrschaft wird uns nicht als Subjekte bzw. Untertanen auferlegt oder aufgezwungen. Sie muss vielmehr muss auf eine ganze kindliche Weise empfangen werden. Da ist ein Staunen, was mit uns und unserer Umwelt geschieht. Die Herrschaft Jesu, um die es für uns Christen geht, zwingt sich nicht auf. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Sach 4,6). Und es ist allein der Heilige Geist, der uns das christliche Bekenntnis zu dieser sonderbaren, weil gewaltfreien Monarchie sagen lässt: „Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.“ (1 Kor 12,3) Da Jesu Herrschaft eben nicht durch Zwang oder Gewalt uns auflegt wird, müssen wir seiner Herrschaft Glauben schenken. Ohne den Glauben an Jesus Christus bleiben wir außen vor, im Unterschied zu den menschenmöglichen Diktaturen. Einem Diktator kann man sich nicht wirklich anvertrauen, stattdessen muss man dessen Herrschaft fürchten.

Jesus der Messias, ist der einzige Herr, an dessen Herrschaft wir uns mit unserem eigenen Leben binden können, hat er sich doch selbst an uns gebunden in seinem letzten Abendmahl, wenn er spricht: „Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Nehmet hin und trinket alle daraus. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Amen.

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