Predigt über Psalm 65 aus Anlass des Tags der Deutschen Einheit

Schwarz-Rot-Gold

Psalm 65,2 Auf dem Berg Zion kann man dir, o Gott, begegnen: wenn man dich still anbetet, dir Loblieder singt und das einlöst, was man dir versprochen hat.
3 Weil du Gebete erhörst, kommen die Menschen zu dir.
6 Gott, du bist treu! Mit gewaltigen Taten antwortest du uns, wenn wir deine Hilfe brauchen. Du bist die Hoffnung aller Völker bis in die fernsten Länder.
7 Mit deiner Kraft hast du die Berge gebildet, deine Macht ist allen sichtbar.
8 Du besänftigst das Brausen der Meere, die tosenden Wellen lässt du verstummen; ja, auch die tobenden Völker bringst du zum Schweigen.
9 Alle Bewohner der Erde erschrecken vor deinen Taten, vom Osten bis zum Westen jubeln die Menschen dir zu.
10 Du sorgst für das ganze Land, machst es reich und fruchtbar. Du schenkst Wasser im Überfluss, deshalb wächst Getreide in Hülle und Fülle.
11 Du feuchtest das gepflügte Land und tränkst es mit Regen. Das ausgedörrte Erdreich weichst du auf, und alle Pflanzen lässt du gedeihen.
12 Du schenkst eine reiche und gute Ernte – die Krönung des ganzen Jahres.
13 Selbst die Steppe fängt an zu blühen, von den Hügeln hört man Freudenrufe.
14 Dicht an dicht drängen sich die Herden auf den Weiden, mit wogendem Korn bedecken sich die Täler. Alles ist erfüllt von Jubel und Gesang.

Als im Herbst 1989 das kommunistische Regime in der DDR zusammenbrach, gab es einen wahren Freudenrausch, insbesondere in Ostdeutschland. 20 Jahre später gibt es ein intensives Gedenken und Feiern, aber in der Bevölkerung scheint sich die Ernüchterung in Sachen wiedervereinigtes Deutschland breit gemacht zu haben. Die Wahlbeteiligung zur Bundestagswahl betrug nur noch 70 % – ein neuer Tiefstand. Politik ist offensichtlich ein undankbares Geschäft. Politiker bedanken sich bei den Wählern, aber die Wähler nicht bei Politikern. In Sachen Politik – insbesondere Parteien und parlamentarische Demokratie – zeigt sich viel Enttäuschung und Verdrossenheit, die sich wiederum in Klagen und Beschwerden über „die da oben“ ausspricht.

Die allgemeine Klage über Politik in Deutschland zeigt an, dass wir als Bürgerinnen und Bürger mit unseren Heilserwartungen die Politik überfordern. Im Wettbewerb um Wählerstimmen schreiben sich Parteien eine Handlungsmächtigkeit zu, die mit den eigenen Entscheidungen und Programmen niemals eingelöst werden kann. Unser Wohlbefinden auf Erden lässt sich eben nicht politisch realisieren. Der Wohlfahrtsstaat mag unserem Wohlbefinden dienen, kann es jedoch nicht gewährleisten. Es herrscht eine hoffnungslose Überforderung der Politik, die unweigerlich in die Politikverdrossenheit führen muss. Wo wir als Bürger dank überzogener Erwartungen enttäuscht werden, suchen wir nach den Schuldigen, die es unter uns nicht wirklich gibt.

In der Politik kann es kaum Loben und Danken geben, weil das Fehlende beklagt, aber nie das Gute festgehalten werden kann. Der politische Diskurs und Streit lebt aus Defizitwahrnehmungen. Da werden Dinge in den Raum gestellt, die sich unbedingt ändern müssen. Und so wird ab morgen Zeitungen, Internet und Fernsehen voll von dem sein, was sich bitteschön ändern muss. Da ist es gut, wenn der Psalm 65, den wir gehört haben, eine ganz andere Sprache spricht.

Auf dem Berg Zion kann man dir, o Gott, begegnen: wenn man dich still anbetet, dir Loblieder singt und das einlöst, was man dir versprochen hat. Weil du Gebete erhörst, kommen die Menschen zu dir. Gott, du bist treu! Mit gewaltigen Taten antwortest du uns, wenn wir deine Hilfe brauchen. Du bist die Hoffnung aller Völker bis in die fernsten Länder. Alle Bewohner der Erde erschrecken vor deinen Taten, vom Osten bis zum Westen jubeln die Menschen dir zu. Du sorgst für das ganze Land, machst es reich und fruchtbar. Du schenkst eine reiche und gute Ernte – die Krönung des ganzen Jahres. Selbst die Steppe fängt an zu blühen, von den Hügeln hört man Freudenrufe. Alles ist erfüllt von Jubel und Gesang.

Eine starke Sprache, besser ein philharmonische Freudenkonzert: Du bist die Hoffnung aller Völker, was hier unter uns gewachsen ist, verdankt sich Dir, Herr, und nicht menschlicher Mühe oder Entscheidung. Dank wird für das ausgesprochen, was uns unverdientermaßen zukommt, aus der Hand des Gottes und Vaters Jesu Christi. Wer dankt, weiß selbst zu identifizieren, was einem gegeben ist. Ohne Dank hingegen sind alle Dinge gleichgültig. Und das Streben gilt dem Zusätzlichen, dem was zum eigenen Glück scheinbar noch fehlt.

Das Geheimnis des Gotteslobes ist nun, dass man über sich hinaus hinausgeht: Loben ist erhebend, ohne damit jedoch blind zu sein für das, was um einen herum geschieht. Im Chor mit Klagen verlieren sich nie Erwartung und Hoffnung gegenüber dem Herr Gott, so wie dies in einem weiteren Psalm 73 zur Sprache kommt: „Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Herr, wenn ich nur dich habe, bedeuten Himmel und Erde mir nichts. Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden und ich umkomme, so bist du doch, Gott, allezeit meine Stärke – ja, du bist alles, was ich habe!“ (vv. 23-26)

Wer den Herrn lobt, nimmt mit seinem eigenen Leben Platz bei ihm. Wo aber der Herr Gott uns nicht gegenwärtig ist, legt sich die Nacht schlussendlich über unser Leben; da wird es am Horizont schwarz. Denn wer nicht an den Gott und Vater Jesu Christi glaubt, kann nichts über das eigene Leben, so wie es uns auf Erden zugänglich wird, hinaus erwarten. Da muss es mit uns unter allen Umständen gut gehen. Politik als Ersatzreligion versumpft in der selbstgefälligen Klage.

Ich habe die Bundesflagge mitgebracht. Die Schwarz-Rot-Goldene Trikolore ist eigentlich eine Hoffnungsfahne der Burschenschaftsbewegung, erwachsen aus den Befreiungskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie folgt einer besonderen Farbenlehre, die sich in einem Salonlied ausspricht:

Über unserem Vaterland ruhet eine schwarze Nacht,
und die eigene Schmach und Schande hat uns diese Nacht gebracht.
Und es kommt einmal ein Morgen, freudig blicken wir empor:
Hinter Wolken lang verborgen, bricht ein roter Strahl hervor.
Und es zieht durch die Lande überall ein goldnes Licht,
das die Nacht der Schmach und Schande und der Knechtschaft endlich bricht.

Schwarz – Rot – Gold. Mit der allgemeinen Klage über unsere Politik wird die Farblehre in das Gegenteil verkehrt. Die Vergangenheit war golden, seien es die Wirtschaftswunderjahre in Westdeutschland, heute müssen wir Opfer bringen, Rot für Rotstift, und in der Zukunft wird es dann ganz schwarz.

Ursprünglich ging die Farbordnung „schwarz-rot-gold“ von unten nach oben. Die Fahnen auf dem Hambacher Fest im Jahre 1832 sind noch mehrheitlich in der burschenschaftlichen Reihenfolge „schwarz-rot-gold von unten“ zu sehen.

In der Kirche macht gerade diese Farbanordnung Sinn. Und so dürfen wir an diesem Ort die Bundesflagge auf den Kopf stellen. Wir Menschen sind selbst von Natur aus Schwarzseher, das lebensentscheidende Opfer müssen wir selbst nicht erbringen, ist es doch von Jesus Christus vollbracht, die Himmelszukunft ist golden. Und wenn wir jetzt schon loben und danken, sind wir damit in der lebenserfüllenden Gottesgegenwart. Dann streift das Goldene bereits unser eigenes Leben:

Auf dem Berg Zion kann man dir, o Gott, begegnen: wenn man dich still anbetet, dir Loblieder singt und das einlöst, was man dir versprochen hat. Weil du Gebete erhörst, kommen die Menschen zu dir. Gott, du bist treu! Mit gewaltigen Taten antwortest du uns, wenn wir deine Hilfe brauchen. Du bist die Hoffnung aller Völker bis in die fernsten Länder.

Amen.

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