Mission possible – zehn Thesen zur Legitimität christlicher Mission

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Labrador Inuit mit Missionar der Herrenhuter Brüdergemeinde (ca. 1819)

Wer gegenwärtig christliche Mission befürwortet, sieht sich nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Kirche kritischen Fragen, wenn nicht gar leidenschaftlichem Widerspruch ausgesetzt. Die folgende Thesenreihe will darlegen, warum christliche Mission legitim ist.

1. Christliche Mission missioniert nicht
Mission missioniert niemanden, sondern bezeugt die christliche Botschaft mit eigenen Worten und Werken, in der Hoffnung, dass sich andere Menschen aus freien Stücken hin zu Jesus Christus bekehren.

2. Mission ist empfangsbedürftige Sendung
Wo Missionare im Namen Jesu Christi auf andere Menschen in ihrer Lebenswelt zugehen, können deren Kommunikationszusammenhänge weder kontrolliert noch determiniert werden. Da der missionarische Erfolg von einer effektiven Rezeption der christlichen Botschaft abhängig ist, kann Mission keine fremdbestimmte Indoktrination sein.

3. Mission gehört zum Recht auf freie Meinungsäußerung
Mit eigenen Worten unter anderen Menschen für die christliche Botschaft zu werben entspricht dem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung. Wo Menschen sich aus freien Stücken der Kirche Jesu Christi anschließen, nehmen sie ihr eigenes Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit war. Christliche Mission lässt es vorbehaltlos gelten, wenn andere Menschen die christliche Botschaft ablehnen, kann es doch für Christen keinen Glaubenszwang geben.

4. Mission übersetzt (translationale Mission)
Christlicher Mission ist kein Proselytismus, wo Menschen unter Preisgabe eigener kultureller Identität in eine fremdsprachliche Kultusgemeinschaft hineingenommen werden. Die Sendung zu anderen Völkern bedingt vielmehr die Übersetzung und damit die „Auslieferung“ der christlichen Botschaft – insbesondere die Bibel – in deren eigene Sprache. Wo dieser eigensprachlichen Botschaft Glauben geschenkt wird, haben Missionare auf Dauer keine Deutungshoheit in Sachen christliche Lehre.

5. „Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf“ (abusus non tollit usum)
In der Vergangenheit hat es wiederholt Fälle gegeben, wo Missionare und Missionsgesellschaften mit Kolonialmächten kollaboriert und die christliche Botschaft unter repressiven Bedingungen kommuniziert haben. Solche Praktiken widersprechen dem genuinen Selbstverständnis christlicher Mission, sucht doch diese die eigenständige Bekehrung von Menschen zu Christus aus deren inneren Überzeugung heraus. Wo missionarisches Fehlverhalten offen eingestanden wird und die davon Betroffenen um Entschuldigung gebeten werden, macht sich christliche Mission nicht unmöglich.

6. Mission zerstört keine Kulturen
Wo die christliche Botschaft Gehör findet, hat dies immer auch kulturelle Auswirkungen. Christliche Mission hat über Jahrhunderte hinweg Kulturen in allen Kontinenten beeinflusst, ohne dass dies jedoch zu deren Zerstörung geführt hat. Vielmehr haben Bibelübersetzungen für viele Völker zur Schaffung einer eigenen Schriftsprache geführt, die die jeweilige kulturelle Identität gestärkt hat.

7. Kulturen dürfen sich selbst verändern
Der Anspruch, Kulturen in deren vermeintlichen Ursprünglichkeit schützen zu wollen, ist der eurozentristische Versuch, andere Völker zu paternalisieren. Die Entscheidung, ob man bei einer angestammten Lebensweise verbleiben soll, obliegt den betroffenen Menschen selbst. Jede Kultur hat unabhängig von ihrem „Zivilisationsgrad“ das Recht, sich selbst unter dem Einfluss von außen zu verändern. Wer als Europäer eine statische Kulturtreue für andere Menschen propagiert und dabei von „Naturvölkern“ spricht, erliegt einem naturalistischen Rassismus.

8. Mission ist ein ökumenisches Antirassismusprogramm
Christliche Mission enthält eine Absage an jede Form von Rassismus, werden doch Menschen unabhängig von Rasse oder Geschlecht auf einen gleichen Status hin angesprochen – entweder als todbestimmte Sünder, die nicht rettungslos verloren sind, oder als Schwestern und Brüder im Herrn. Missionare agieren nicht aus einem Überlegenheitsgefühl heraus, sondern teilen das mit anderen, was sie selbst als heilvoll erfahren haben.

9. Der Kulturbeitrag der christlichen Mission
Christliche Mission hat mit dem Unterhalt eigener Krankenhäusern und Schulen weltweit zum Aufbau eines öffentlichen Gesundheitswesens bzw. eines allgemeinen Schulwesens – insbesondere für Mädchen – maßgeblich beigetragen. Wenn Europäer Mission ablehnen, ignorieren sie die eigene tribale Vergangenheit. Die europäische Zivilisation verdankt sich wesentlich dem Umstand, dass die christliche Mission unter germanischen Stammesgesellschaften vor mehr als tausend Jahren erfolgreich gewesen ist.

10. Die Zukunft der transkulturellen Mission liegt in Europa
Christliche Mission ist unter postkolonialen Bedingungen kein spezifisch europäisches Werk mehr. In der südlichen Hemisphäre geschieht Mission im Wesentlichen durch einheimische Christen. Das christliche Missionsfeld der Zukunft wird das säkularisierte Europa sein, wobei Missionare aus den ehemaligen Missionsgebieten – allen voran aus Afrika und Asien – kommen werden.

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