Was tut eigentlich eine ganz normale evangelische Kirchengemeinde in Bayern?

puzzle Gemeinde

In einer ganz normalen Kirchengemeinde versammeln sich Christinnen und Christen am Sonntag zum Gottesdienst. Dort hören sie auf Gottes Wort, wie es in der Heiligen Schrift bezeugt ist, und rufen den dreieinigen Gott im Gebet und Lobpreis an. Außerdem feiern sie im Abendmahl die leibliche Gegenwart Christi. Möglicherweise gibt es verschiedene Gottesdienstzeiten und Gottesdienstformen, so z.B. Lobpreisgottesdienste mit zeitgenössischer Musik. Wesentlich ist, dass Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen mit ihrem eigenen Herzen in das Gotteslob einstimmen können. Über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus treffen sich Christinnen und Christen regelmäßig in einer Kleingruppe, wo in vertrauter Gemeinschaft gemeinsam die Bibel gelesen und mit- bzw. füreinander gebetet wird.

Was in einem ansprechenden Gottesdienst empfangen und eingeübt wird, richtet das eigene Leben auf Jesus Christus aus und schafft Zuversicht für den Alltag. Mit einer Christusgemäßen Lebensform wissen sich die Gemeindeglieder von der bürgerlichen Gesellschaft zu unterscheiden, ohne sich dabei von anderen Menschen sektiererisch abzugrenzen. Aus ihrer eigenen Lebenszuversicht heraus gehen sie vielmehr auf Außenstehende zu und laden diese in gewinnender Weise in die eigene Kirche ein. Interessierte, die in der Kirchengemeinde heimisch werden wollen, nehmen an einem Glaubenskurs teil. Durch Bibelstudium sowie Mitarbeiterschulungen entdecken Gemeindeglieder ihre je eigenen Geistesgaben. Damit werden sie befähigt, Aufgaben in und für die Gemeinde wahrzunehmen und somit an der weltweiten Sendung Jesu Christi teilzunehmen.

Die Kirchengemeinde ist keine selbstgenügsame Versammlung von Gläubigen. Vielmehr dienen Christinnen und Christen mit der göttlichen Liebe, die sie selbst empfangen haben, anderen Menschen in deren seelischen und leiblichen Nöten. Die Kirchengemeinde ist immer auch Kirche für andere, ohne damit jedoch ihre Ausrichtung auf Jesus Christus zu verlieren. Wo Christinnen und Christen geschwisterlich in der Gemeinde zusammenwirken, stehen sie gegenseitig füreinander ein. Aus dem, was man selbst vom dreieinigen Gott empfangen hat, geben Christen für den Unterhalt der Gemeinde. Schlussendlich warten die Glieder der Kirchengemeinde in Hoffnung und Zuversicht auf den Tag des Herrn, an dem die Schöpfung eingeholt und vor den Richterstuhl Christi gestellt wird.

Wer das liest, fragt sich wohl, ob hier wirklich von einer ganz normalen Kirchengemeinde die Rede  ist. Selbstverständlich, heißt doch Normalität nichts anders als Normgemäßheit. Die Normgemäßheit richtet sich für eine evangelische Kirchengemeinde an der Heiligen Schrift und in Ableitung davon an den evangelischen Bekenntnisschriften aus. Von solch einer Normalität ist nicht zuletzt auch in der Rechtsordnung der verfassten Kirche die Rede, wenn es im Grundartikel der Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern heißt:

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern lebt in der Gemeinschaft der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche aus dem Worte Gottes, das in Jesus Christus Mensch geworden ist und in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes bezeugt wird. Mit den christlichen Kirchen in der Welt bekennt sie ihren Glauben an den Dreieinigen Gott in den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen. Sie hält sich in Lehre und Leben an das evangelisch-lutherische Bekenntnis, wie es insbesondere in der Augsburgischen Konfession von 1530 und im Kleinen Katechismus D. Martin Luthers ausgesprochen ist, und das die Rechtfertigung des sündigen Menschen durch den Glauben um Christi willen als die Mitte des Evangeliums bezeugt. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern steht mit der ganzen Christenheit unter dem Auftrag, Gottes Heil in Jesus Christus in der Welt zu bezeugen. Diesem Auftrag haben auch ihr Recht und ihre Ordnungen zu dienen.

Folgerichtig lauten denn auch die ersten drei Paragraphen der Kirchengemeindeordnung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern wie folgt:

§ 1 Kirchengemeinde.

(1) 1In der Kirchengemeinde verwirklicht sich die Gemeinde Jesu Christi im örtlichen Bereich. 2In ihr sind die Gemeinde, die sich aus Wort und Sakrament aufbaut, und das Amt mit dem Auftrag zur öffentlichen Wortverkündigung und zur Sakramentsverwaltung unter ihrem Haupt Jesus Christus als dem Herrn der Kirche einander zugeordnet.

(2) 1Die Kirchengemeinde im Sinne dieses Gesetzes ist eine örtlich begrenzte Gemeinschaft von Mitgliedern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die sich regelmäßig um Wort und Sakrament versammelt. 2In ihr werden das Amt und die sonstigen Dienste nach dem Bekenntnis und den kirchlichen Ordnungen ausgeübt.

§ 2 Auftrag und Wirkungskreis der Kirchengemeinde.

(1) Der Wirkungskreis der Kirchengemeinde ist bestimmt durch den Auftrag, den die Gemeinde Jesu Christi von ihrem Herrn erhalten hat.

(2) 1Die Kirchengemeinde hat dementsprechend die Aufgabe, im Zusammenwirken aller ihrer Mitglieder unter Leitung der Pfarrer und Pfarrerinnen und des Kirchenvorstandes für den Aufbau und die Gestaltung des Gemeindelebens zu sorgen. 2Sie hat insbesondere die rechte Ordnung in der Verkündigung des Wortes und in der Verwaltung der Sakramente zu pflegen, die kirchliche Unterweisung zu fördern, den Dienst der christlichen Liebe zu üben und zu unterstützen und dazu beizutragen, dass die missionarischen Möglichkeiten in dieser Welt wahrgenommen werden.

(3) 1Die Kirchengemeinde beteiligt sich in der Gemeinschaft aller Kirchengemeinden an den Aufgaben und Lasten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. 2Darüber hinaus soll sie für die kirchlichen Zusammenschlüsse und für die weltweiten Aufgaben der Kirche Jesu Christi eintreten.

§ 3 Der Auftrag als Recht und Pflicht.

(1) 1Alles Recht der Kirchengemeinde ergibt sich aus der gehorsamen Erfüllung ihres Auftrages. 2In diesem Gehorsam ordnet und verwaltet sie ihre Angelegenheiten in eigener Verantwortung selbständig im Rahmen der Kirchengesetze.

(2) 1An der Verantwortung für die Erfüllung dieses Auftrages haben alle Mitglieder der Kirchengemeinde teil. 2Darum arbeiten sie nach ihren Gaben mit und bringen die erforderlichen Mittel auf.

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