Soll man Kirchensteuern zahlen?

Im Evangelium nach Matthäus wird Petrus in Kapernaum mit der Frage konfrontiert, ob Jesus die Doppeldrachme (Tempelsteuer), wie sie in der Tora (Ex 30,13) eingefordert ist, zahle. Die Ja-Antwort Petrus wird jedoch mit den eigenen Worten Jesu konterkariert: „Was denkst du, Simon? Von wem nehmen die Könige der Erde Zölle oder Steuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden? Als er aber sagte: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin zum See, wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den fasse und öffne sein Maul; so wirst du einen Stater (= vier Drachmen) finden; den nimm und gib ihnen für dich und mich.“ (Mt 17,24-27) Was Jesus mit dieser Antwort zum Ausdruck bringt, ist zweierlei: Die Tempelsteuern ist eine fragwürdige Zwangsabgabe, die das Verhältnis zwischen Steuernehmer und Steuerzahler entfremdet. Nur die Fremden, die sich dem König gezwungenermaßen unterordnen müssen, sind tributpflichtig. Die Kinder Gottes hingegen sind frei, so dass es im Reich Gottes keinen Rechtsanspruch auf eine Steuer geben kann. Um einen Skandal zu vermeiden, lässt sich Jesus auf die Tempelsteuer ein. Die eigene Verachtung für diese Steuer wird jedoch in der Anweisung an Petrus zum Fischfang offensichtlich. Das fällige Geldstück soll nicht aus dem eigenen Geldbeutel kommen und damit aus dem eigenen Einkommen gezahlt werden, sondern aus einem Fischmaul genommen werden. Mit dem, was weder Jesus noch Petrus ursprünglich gehört, soll die Steuerschuld beglichen werden.

Jesu Anweisung zur Tempelsteuer wirft Licht auf unsere Kirchensteuer. Sie ist eine Zwangsabgabe, die nicht im Einklang mit dem Reich Gottes steht, macht sie doch Christen zu tributpflichtigen Subjekten einer Fremdherrschaft. Für die Kinder Gottes gilt die Freiwilligkeit des eigenen Gebens. Als getaufte Christen zahlen wir dennoch evangeliumswidrige Kirchensteuern, um Anstoß zu vermeiden. Die Frage bleibt jedoch: Wo findet sich der Fisch mit dem Geldstück?

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2 Antworten to “Soll man Kirchensteuern zahlen?”

  1. Weinender Lachender Says:

    Dieser Vergleich ist voll von Anachronismen! Aber wer sich die Texte so hinbiegt, wie er will, der findet auch das darin, was er will…
    Im Übrigen ist die Kirchensteuer wohl keine Zwangsabgabe, die man nicht durch Austritt vermeiden kann. Aber sie hat auch ihren Nutzen und der ist m.E. sehr hoch, so schützt sie die Pfarrer vor einer Abhängigkeit von Spendern u.ä. (das Mittelalter lässt grüßen) und die Gemeindegliedern vor dem Druck der zum Eintreiben nötiger Spenden manchen Orts (im freikirchlichen Raum, nicht überall dort) aufgebaut wird (wenn das Geld im Kasten klingt…, das kann man heute auch netter, aber ähnlich drückend formulieren).

  2. Zwerg Says:

    Und das soll eine Anmerkung zur christlichen Lehre sein, Herr Teufel, naja… Eines möchte ich noch „zur christlichen Lehre“ loswerden: es gibt „die“ christliche Lehre vor dem Eschaton nicht, aber ihre Sicht oder Vorstellung davon. Und diese Vorstellung christlicher Lehre, die sie haben schließt anscheinend diesen merkwürdigen Text ein.

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