Johann Michael Feneberg

In der dritten Auflage des RGG (Bd. 2, S. 899) findet sich folgender Eintrag über Johann Michael Feneberg, der als katholischer Pfarrer und maßgeblicher Mann der Allgäuer Erweckungsbewegung an der Südmauer der Marienkirche in Vöhringen begraben liegt:

Feneberg, Johann Michael (1751-1812), * im Allgäu, 1770 gleichzeitig mit seinem Freunde J. M.  Sailer Novize bei den Jesuiten in Landsberg (Lech). Nach der Priesterweihe (1775) Gymnasial- Prof. in Regensburg, 1778-85 Benefiziat, 1785 Prof. der Rhetorik und Poesie in Dillingen. Mit Sailer an Reformen im theologischen Studienbetrieb beteiligt, erlag er mit diesem 1793 den Jesuiten, die den Sailerkreis als zu modern empfanden. F. wurde Pfarrer in Seeg/Allgäu, wo 1794 M.  Boos sein Kaplan war. Der Erweckung durch Boos öffneten sich F. und 1796 auch Sailer. 1797 wurde F. mit seinen Kaplänen A. Siller und X. Bayr in einer kirchlichen Untersuchung wegen Aftermystizismus freigesprochen. J. E.  Goßner wurde sein Kaplan. Seit 1805 war F. Pfarrer in Vöhringen. Er wurde bekannt als Schulreformer (Lehrplan 1789) und als Übersetzer des NT. (F. W. Kantzenbach)

Wer mehr über Feneberg aus katholischer Sicht erfahren möchte, sei entweder auf den nachstehenden Artikel des Benediktinerpaters Hildebrand Dussler aus Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben von 1961 verwiesen: Dussler – Johann Michael Feneberg oder aber auf den Artikel von Peter Rummel aus der Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte: Rummel – Johann Michael Feneberg (ZBKG)

Über Martin Boos, der bei Feneberg in Seeg im Allgäu Kaplan gewesen ist, findet sich folgender Artikel von Friedrich Wilhelm Kantzenbach ebenfalls in der dritten Auflage der RGG (Bd. 1, S. 1364):

Boos, Martin (1762-1825), * in Huttenried/Schwaben, † in Sayn/Rhein. Schüler der Exjesuiten in Augsburg und Student der Theologie in Dillingen, wo er auch Johann Michael  Sailer hörte. Seit 1787 Kaplan. 1794 wächst er im Kreis um den Sailerschüler Michael  Féneberg in Seeg/Allgäu weiter in den ihm schon 1788/89 geschenkten Glauben an den »Christus für uns und in uns« hinein. 1795 wird er Kaplan in Wiggensbach, wo durch seine Christuspredigt 1796/97 eine Erweckung entstand, die weit über die Grenzen dieser Gemeinde wirkte. 1797 muß er sich einer Untersuchung beim bischöflichen Ordinariat in Augsburg unterziehen, die mit Freispruch und Überführung in Arrest endete. Anschließend wieder im kirchlichen Dienste, doch von neuem angeklagt und zur Flucht genötigt, geht er 1798 in die Diözese Linz. 1806-16 wirkt er tiefgreifend in Gallneukirchen, wo es 1810 durch seine evangelische Christuspredigt zu einer Erweckung, aber auch Spaltung der Gemeinde kommt. B. geht 1817 nach Düsseldorf als Prof. für kath. Religionslehre und folgt 1819 einer Berufung auf die Pfarrstelle Sayn/Rhein. B. wurde in der kath. Theologie manchmal als verdächtiger »Aftermystiker« abgetan, war in Wirklichkeit jedoch ein »Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt« und als solcher von großer Bedeutung für die gesamte Erweckungsbewegung, verließ aber aus ökumenischen Motiven nie die röm. Kirche.

Interessant ist auch die Lebensgeschichte von Johannes Evangelista Goßner aus Hausen/Waldstetten an der Günz, der von 1798 bis 1801 ebenfalls Kaplan bei Feneberg in Seeg gewesen ist und nach seiner Konversion zur evangelischen Kirche die Goßnersche Missionsgesellschaft 1842 initiiert hatte . In der dritten Auflage der RGG (Bd. 2, S. 1696-1697) schreibt Hans Lokies über ihn:

Goßner, Johannes Evangelista (1773-1858), * von fromm-kath. Eltern in Hausen (Bayern), nach Studium in Dillingen und Ingolstadt 1796 Priester, war überzeugter Rationalist, bis er als Kaplan in Neuburg 1797 zum lebendigen Christusglauben kam. Den Anstoß dazu gab die von M.  Boos und Bischof  Sailer geführte Erweckungsbewegung. 1802 brachte ein geistliches Gericht G. in eine Priesterstrafanstalt. 1803 wurde Augsburg, die damalige Wirkungsstätte G.s, zu Bayern geschlagen, unter dessen von Frankreich beeinflußter Regierung G. noch 16 Jahre das Evangelium frei verkündigen durfte (1803-11 als Pfarrer in Dirlewang und bis 1819 als Benefiziat in München). Durch jesuitischen Einfluß vertrieben, ging G. über Düsseldorf auf einen Ruf Zar Alexanders I. nach Petersburg (1820-24). Hier stand G. auf der Höhe seines Wirkens. 1825 forderte Fürst Metternich die Ausweisung des »Revolutionärs« G. auch aus Rußland. Danach war G. heimatlos als Reise- und »Stubenprediger« in Hamburg, Leipzig und auf den Gütern des preußischen Adels in Schlesien und Pommern tätig. Um wieder ein Gemeindeamt zu haben, trat er 1826 in Königshain (Schlesien) zur ev. Kirche über und wurde 1829 Pfarrer an der Böhmisch-luth. Bethlehemsgemeinde in Berlin. Hier entfaltete er seine vielseitige Tätigkeit in der Inneren und Äußeren Mission ( Brandenburg: II, 5): Gründung der ersten Kinder-Warte-Anstalt 1834, der  Goßner-Mission 1836, des Elisabeth-Krankenhauses 1837. G.s seelsorgerliche Gabe führte ihn mit schlichten und höchstgestellten Menschen zusammen. Weltbekannt wurde G. durch sein erweckliches Schrifttum: das drastische »Herzbüchlein« 1812 (in 26 Sprachen übersetzt), das »Schatzkästchen« 1825 (7 Übersetzungen), den Kommentar zum NT u. a. m. Sein Schrifttum wie sein Leben waren von einem Glauben geprägt, der »durch Zinzendorf vermittelter luth. Glaube« (Holsten) war.

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