Teuffel, Mission als Namenszeugnis (Buchbesprechung)

In der Zeitschrift „Interkulturelle Theologie“ (vormals Zeitschrift für Missionswissenschaft) ist von Sören Amus eine wohlwollende Besprechung meines Buches erschienen:

Jochen Teuffel, Mission als Namenszeugnis, Eine Ideologiekritik in Sachen Religion; Tübingen (Mohr Siebeck) 2009, IX + 269 Seiten, 24,00 Euro.

Dieser Band in der neuen Taschenbuchreihe bei Mohr Siebeck ist eine gut lesbare Einführung in die Missionswissenschaft, eine erklärte Apologie der Mission und eine klare missionstheologische Position zugleich, die in die Debatte um Religion und Toleranz eine kommunitaristische Position einbringt. In den ersten fünf Kapiteln stellt der Autor die Grundfragen der Mission vor, ihre Berechtigung als Auslandsmission (Kap I Mission am Ende), die Denkvoraussetzungen außerhalb Europas und die Spannungen zur westlichen Aufteilung der Weltwahrnehmung zwischen Physik und Transzendenz ohne eine Vorstellung einer verbindenden »Mitte« (Kap II Wirkungsfeld der Mission). Die Schwierigkeiten im Übersetzungsprozess der christlichen Botschaft (Kap III) und die kulturellen Wechselwirkungen von Mission und Gesellschaft (Kap IV Kulturelle Auswirkungen der Mission), sowie die Frage, ob es eine Verpflichtung gebe, Kulturen, die vom [300] Christentum nichts wissen, als unberührte Kulturen intakt zu halten – und welche Denkweise dahinter steht (Kap V Indigene Gesellschaften und die Mission), führen den ersten Teil fort.

An diesen Überblick über die wichtigsten Felder der missionswissenschaftlichen Arbeit, die gut mit Beispielen aus vornehmlich Asien, aber auch Afrika und Lateinamerika illustriert sind, schließt sich die Entwicklung der eigenen missionstheologischen Position in Auseinandersetzung mit anderen theologischen Entwürfen an. Ausgangspunkt ist eine Bestimmung der Mission als eines Zeugnisses des göttlichen NAMENS. Da sich Gott durch Seinen NAMEN offenbarte, handelt es sich im Glauben um ein Beziehungsgeschehen zwischen dem NAMEN und den bezeugenden Menschen. Eine Vorstellung des NAMENS als Sonderform aus der Gruppe der Götter, eine Abstraktion von der NAMENsgeschichte hin zu göttlicher Metaphysik und eine Vorstellung vom NAMENsglauben als eine Form von verschiedenen Möglichkeiten der Religion wird zurückgewiesen. In dieser Sicht werden sowohl gewaltsame Versuche der »Christianisierung« als einer herrschaftlichen Kulturform – wie sie für Europa in Folge des Gedankens des corpus christianum wirksam war und so auch die Wahrnehmung der Mission im Kolonialismus bestimmte – kritisiert, als auch alle Modelle einer Ideologie der religiösen Gleichgültigkeit, die Glauben ganz auf die Innerlichkeit bezieht und alle Religionen nur als Sonderfall einer abstrakten und gleichwertigen Form der Religion relativiert.

Diese theologische Position wird in Kap VI (Mission als Namenszeugnis) entfaltet und in den folgenden Kapiteln gegen diverse Anfragen argumentativ verteidigt. Dazu wird zuerst (Kap VII Der NAME und die Geschichte) die Anfrage der Religionsgeschichte mit ihrer Distanzierung vom Schriftwort durch Historisierung zurückgewiesen. Dabei wird die historische Kritik auf der Basis postmoderner Geschichtswissenschaft als eigenes Narrativ mit impliziten Prämissen kritisiert, um die Rückkehr zum kanonischen Schriftverständnis zu fordern. Zwar kann T. so das biblische neben den historischen Narrativen etablieren; da er aber konstruktivistisch argumentiert, leitet sich daraus auch keine besondere Relevanz der Schrift gegenüber anderen Entwürfen ab. Ausgehend davon wird dann aus dieser kommunitaristischen oder postliberalen Position die europäische Idee der Religion als geschiedener Sphäre als Konstrukt der Religionswissenschaftler zurückgewiesen (Kap VIII Religion statt Mission?), die Frage der Möglichkeit von interreligiösem Dialog und Toleranz dahingehend diskutiert, dass NAMENsglau-[301]be anderen Glauben zwar ertragen müsse – wie Christus den Unglauben auch ertragen hat –, aber diesem nicht indifferent, sondern eben erleidend gegenüberstehe (Kap IX Interreligiöser Dialog und christliche Mission). Schließlich wird der unauflösliche Zusammenhang von Mission, Heil und Liturgie (Kap X) betont und damit die Einbettung der Mission in die Kirche dargelegt, da es außerhalb Christi kein Heil geben könne. Schließlich wird die Notwendigkeit einer Mission in allen Kontinenten betont, weil nur ein aktiver, liturgisch eingebetteter Glaube Anteil am Heil gewinnen könne und damit gerade die europäischen Volkskirchen vor großen Herausforderungen stehen, die Angebotscharakter ihres Dienstes zu überwinden, um Zeugnis vom Heil abzulegen (Kap XI Die Zukunft der missionalen Kirche).

Dieser Entwurf zeigt sich als klar positioniert, wird in intensiver Auseinandersetzung mit neuester Literatur und unter Aufnahme außereuropäischer Theologie durchgeführt und begründet so ein Verständnis von Mission, welches sich sowohl missionswissenschaftlich gegen (nach Ansicht des Autors) falsche Vorstellungen der Mission zu behaupten weiß, als auch Mission konstruktiv in der theologischen Diskussion verankert. Auch wenn manche Auseinandersetzungen mit liberalen Positionen etwas plakativ bleiben und mitunter weitere Konkretionen wünschenswert gewesen wären, ist dies doch eher dem Format des Bandes geschuldet. In jedem Fall legt T. hier eine Position vor, mit der sich zu befassen lohnt. Ein Literaturverzeichnis am Ende des Bandes hätte diese Weiterarbeit sicher erleichtert. Dennoch ermöglicht dieser Band sowohl eine Orientierung über den gegenwärtigen Stand der Missionstheologie als auch eine kritische Selbstreflexion der eigenen Missionstheologie.

Sören Asmus

Interkulturelle Theologie (vormals Zeitschrift für Missionswissenschaft) 35, Nr. 3 (2009), S. 299-301.

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