Statuen in Kirchen

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Plater Marienaltar (rechter Flügel)

Wer eine orthodoxe Kirche betritt, wird unweigerlich mit Bildern konfrontiert. Wer genauer hinschaut, wird feststellen, dass es dort jedoch weder Kruzifixe (d.h. Kreuze mit einer Christusplastik) noch Statuen gibt. Das hat natürlich seinen guten Grund. Dreidimensionale Statuen und Plastiken sind eine Erfindung der Westkirche aus dem 9. Jahrhundert. Für die Ostkirche sind Ikonen keine Bilder, die der eigenen Imagination entspringen. Viemehr gelten sie als Kopien eines Urbildes, die auf die unsichtbare Wirklichkeit hin transparent sind. Ikonen sind sozusagen Fenster. Genau das ist jedoch bei Statuen und Plastiken nicht möglich. Man kann sie vielmehr umgreifen. Sie kommen darin den behauenen, geschnitzten oder gegossenen Götzenbildern (pesilim) gleich, deren Anfertigung Israel unter allen Umtänden verboten ist (vgl. Ex 20,4; Dtn 4,16.23.25 u.ö.). Im  zweiten Gebot (das in der Westkirche meist unterschlagen wird) heißt es ja explizit: „Du sollst dir kein Bildnis (päsäl) noch irgendein Gleichnis (temunah) machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Waser unter der Erde ist.“ (Ex 20,4)

Im altkirchlichen Bilderstreit wurde von Kirchenvätern wie Johannes von Damaskus die Verehrung von Ikonen (nicht Statuen!)  inkarnationschristologisch begründet und damit dem Imaginationsvorwurf begegnet. Man muss dieser Argumentation nicht unbedingt folgen, aber dass in mitteleuropäischen Kirchen Statuen zur Schau gestellt werden (so wie in taoistischen Tempeln in Hongkong), ist eine problematische Angelegenheit.

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