Moschee in Vöhringen?

Gegen den geplanten Bau einer Moschee in Vöhringen regt sich Widerstand in der Bevölkerung, wie dies in der heutigen Ausgabe der Illertisser Zeitung unter der Schlagzeile „Bürgerinitiative legt in Sachen Moschee nachberichtet wird. In meinem Buch „Mission als Namenszeugnis“ habe ich dazu Folgendes geschrieben:

„Wer den NAMEN anderen gegenüber bezeugt, weiß zwischen Kirche und gesellschaftlicher Kultur zu unterscheiden. Es ist die Kirche, in der der NAME angerufen wird und wo Menschen als „Versammlung der Heiligen“ (congregatio sanctorum) gemeinschaftlich unter dem Anspruch dieses Namens leben. Demnach heißt Mission nicht, eine christliche Kultur außerhalb der Kirche zu etablieren oder zu bewahren. Solch „Kulturchristentum“ widerspricht dem Fundamentalsatz christlicher Ethik: „Stellt euch nicht dieser Welt(zeit) gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Röm 12,2) Für „Kulturchristen“, die Kirche nicht von einer vermeintlich „christlichen“ Gesellschaft zu trennen wissen, wird der Bau einer Moschee in der Nachbarschaft unweigerlich zur Anfechtung der eigenen Identität. In einem „christlichen“ Abendland kann eine muslimische Moschee nicht nostrifiziert werden und bleibt demzufolge ein „Fremdkörper“, der mitunter brandgefährliche Immunreaktionen hervorrufen kann. Kulturelle Vorurteile und Verdrängungsängste, verbunden mit eigener Sprachlosigkeit, nähren zwangsläufig die eigene Intoleranz: „So was darf gar nicht erst gebaut werden.“ Die Verteidigungsstellung eines abendländischen „Kulturchristentums“ steht freilich auf unsäglich tönernen Füßen, kann man sich doch nur in der empörten Ablehnung von „Nichtchristlichem“ gemeinschaftlich artikulieren. Für Christen hingegen gibt es mit der Kirche einen ganz eigenen, weltverschiedenen Ort, wo der Name des HERRN gemeinschaftlich angerufen wird. Basierend auf dieser besonderen Namensanrufung muss unweigerlich toleriert werden, dass nicht alle Menschen im eigenen Lebensraum dieser Anrufung zu folgen wissen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob solch außenstehende Mitmenschen „Kulturchristen“, „Kirchenausgetretene“, Atheisten oder türkischsprechende Muslime sind. Vielmehr ergibt sich aus der eigenen Namenstreue eine lokale Mission: Der NAME ist mit eigenen Worten und Taten gegenüber anderen in glaubwürdiger Weise zu bezeugen, so dass diese hoffentlich IHN für sich anerkennen und in die gemeinschaftliche NAMENSanrufung einstimmen können. Auf der Grundlage einer eigenen örtlichen Mission ist für Christen der Bau einer Moschee kein Thema, über das man in irgendeiner Weise besorgt sein müsste. Moscheen, Hindu-Tempel oder neuheidnische Kultstätten haben ihren Platz in „dieser Weltzeit“, der man sich als Christ nicht gleichstellen soll. Dass Menschen egal welcher kulturellen Herkunft nicht den NAMEN anzurufen wissen, ist die wirkliche Herausforderung für Christen.“ (S. 208f)

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Eine Antwort to “Moschee in Vöhringen?”

  1. Daniel Renz Says:

    …an genau diesen Passus aus deinem Buch dachte ich spontan, als ich den jüngeren Kommentar zum geplanten Moschee-Bau gelesen habe!

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