Sarrazins neuheidnische Zukunftsangst

Man kann nicht über ein Buch urteilen, das man nicht gelesen hat. Aber aus den Äußerungen Thilo Sarrazins zeigt sich mir die Zukunftsangst eines neuheidnischen Bürgertums in Deutschland. Wer die Abschaffung Deutschlands zum Schicksalsthema macht, bindet sich mit seiner Identität an die Weiterexistenz einer eigens konstruierten Nation. Was lebt von mir weiter, wenn ich einmal tot bin? Diese Frage stellen sich Menschen verstärkt im fortgeschrittenen Alter. Wer nicht an die Auferstehung Jesu Christi glauben kann, tut sich schwer, eine leibliche Lebenszukunft ohne Verlustängste zu denken. Wo die eigene Nachkommenschaft als Lebenszukunft herhalten muss, ist dies eine familienreligiöse Angelegenheit ohne politische Folgen, wie sie ja auch in anderen Kulturen approbiert ist. Wird jedoch das Lebensschicksal biologistisch im Überleben der eigenen Nation festgemacht, hat solch eine eugenische Nationalreligion immer auch eine sozialdarwinistische Implikation: Der Überlegenskampf der eigenen Nation lässt keine Gnade und schon gar keine Gelassenheit gegenüber fremdstämmigen Menschen zu.

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