Taufen heißt Untertauchen

Griechische Taufe.jpg

In Luthers Taufbüchlein von 1526 lautet die Anweisung für den Pfarrer: „Da nehme er das Kind und tauche es in die Taufe und spreche: ‚Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.'“

Das Untertauchen ergibt sich von selbst, schließlich geht es in der Taufe um Tod und Auferstehung. Als Neugeborener wird man aus der Taufe gehoben und nicht einfach nur mit Wasser begossen. In Kenntnis einer Infusionspraxis schreibt Luther in seinem »Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe« von 1519:

„Die Tauff heyst auf krichisch Baptismus, zu latein Mersio das ist wenn man ettwas gantz ynss Wasser tauchet, das uber yhm zusamen gehet. Und wie wol an vielen Ortten der Brauch nymmer ist, die Kinder in die Tauff gar zustossen unnd tauchen, sonder sie allein mit der Hand auß der Tauff begeust, so solt es doch also sein, und were recht, dz nach Laut des Wörtleyn Tauffe, man das Kind, oder itzlichen der getaufft wirdt, gantz hynein ynss Wasser sencket und täuffet, und wider herauss zöge. Denn auch on Zweyffel, in deutscher Zungen, das Wörtleyn Tauffe, herkümpt von dem Wort, Tyeffe das man tyeff ynss Wasser sencket, was man täuffet. Das foddert auch die Bedeuttung der Tauff. Denn sie bedeutet, das der alte Mensch unnd sündtlich Gepurt vom Fleisch und Blut, sol gantz erseufft werden durch die Gnade Gottes, wie wir hören werden. Darumb solt man der Bedeutung gnug thun unnd eyn rechts volkömens Zeychen geben.“ (WA 2,727)

oder in heutigem Deutsch:

„Die Taufe heißt auf griechisch baptismus, auf lateinisch mersio, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammenschlägt. Und wiewohl an vielen Orten der Brauch nicht mehr ist, die Kinder in das Taufwasser ganz hineinzutauchen, sondern man begießt sie allein mit der Hand aus dem Taufwasser, so sollte es doch so sein und wäre recht, daß man nach dem Wortlaut des Wörtleins Taufe das Kind oder einen jeden, der ge­tauft wird, ganz hinein ins Wasser senkt und tauft [= taucht] und wieder herauszieht. Denn ohne Zweifel kommt in der deutschen Sprache das Wörtlein Taufe von dem Wort Tiefe, daß man tief ins Wasser senkt, was man tauft. Das fordert auch die Bedeutung der Taufe; denn sie bedeutet, daß der alte Mensch und die sündige Geburt von Fleisch und Blut soll ganz ersäuft werden durch die Gnade Gottes, wie wir hören werden. Darum sollte man der Bedeutung genug tun und ein rechtes vollkommenes Zeichen geben.“

Die bequeme dreifache Begießung (infusio) mit Wasser aus der Taufkanne verflacht das Verständnis der Taufe zwangsläufig. Statt flacher Taufschale ist also mit Luther (und den Bekenntnisschriften) ein tiefes Taufbecken oder ein Taufstein in der Kirche angesagt. Dann würde auch die Einkleidung mit dem weißen Taufkleid im Anschluss an die Taufe ihren ursprünglichen Sinn („Christus angezogen“ Gal 3,27; vgl. Kol 3,10) erfahren. Anzumerken ist, dass die Immersionstaufe in der Ostkirche die Regel ist.

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