Eine erste Predigt zur Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan

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Katastrophenpredigt über das dritte Kapitel beim Propheten Habakuk (3,1-11.16-19), gehalten am 14. März 2011

Dies ist das Gebet des Propheten Habakuk, nach Art eines Klageliedes:
HERR, ich habe die Kunde von dir gehört, ich habe dein Werk gesehen, HERR!
Mache es lebendig in naher Zeit, und lass es kundwerden in naher Zeit. Im Zorne denke an Barmherzigkeit!
Gott kam von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. SELA
Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll.
Sein Glanz war wie Licht; Strahlen gingen aus von seinen Händen. Darin war verborgen seine Macht.
Pest ging vor ihm her, und Seuche folgte, wo er hintrat.
Er stand auf und ließ erbeben die Erde; er schaute und ließ erzittern die Heiden.
Zerschmettert wurden die uralten Berge, und bücken mussten sich die uralten Hügel, als er wie vor alters einherzog.
Ich sah die Hütten von Kuschan in Not und die Zelte der Midianiter betrübt.
Warst du zornig, HERR, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer, als du auf deinen Rossen rittest und deine Wagen den Sieg behielten?
Du zogst deinen Bogen hervor, legtest die Pfeile auf deine Sehne. SELA.
Du spaltetest das Land, dass Ströme flossen, die Berge sahen dich und ihnen ward bange.
Der Wasserstrom fuhr dahin, die Tiefe ließ sich hören.
Ihren Aufgang vergaß die Sonne, und der Mond stand still;
beim Glänzen deiner Pfeile verblassen sie, beim Leuchten deines blitzenden Speeres. […]
Weil ich solches höre, bebt mein Leib, meine Lippen zittern von dem Geschrei.
Fäulnis fährt in meine Gebeine, und meine Knie beben.
Aber ich will harren auf die Zeit der Trübsal, dass sie heraufziehe über das Volk, das uns angreift.
Da wird der Feigenbaum nicht grünen, und es wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken.
Der Ertrag des Ölbaums bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung;
Schafe werden aus den Hürden gerissen, und in den Ställen werden keine Rinder sein.
Aber ich will mich freuen des HERRN und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.
Denn der HERR ist meine Kraft, er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und wird mich über die Höhen führen.

Das ist im wahrsten Sinne erschütternd, ein Erdbeben lässt einen den Boden unter den Füßen verlieren. Da gibt es kein Halten mehr. Die Lebensangst, die die Menschen entlang der Ostküste Japans seit dem vergangenen Freitag am eigenen Leib erfahren haben, übersteigt für die meisten von uns jegliche Vorstellung. Lebenswelten sind innerhalb von Sekunden zusammengebrochen. Und nicht nur die Seele hat ihr Dach über dem Kopf verloren.

Nicht genug! Wie aus dem Nichts wirft sich die Meeresflut ins Land, spült weg, entreißt dem Boden alles, was sich ihr entgegenstellt. Was Menschen über Jahrzehnte für sich aufgebaut und geschaffen haben, wird zum Spielzeug der Wellen. Und dann nimmt sich das Wasser auch noch das Leben von tausenden Menschen – als würden Wasserzungen nach immer neuen Menschenopfern lechzen.

Nicht genug! Da brennen die Sicherungen in Atomkraftwerken durch. Kühlungen versagen, Brennstäbe erhitzen sich, Reaktorgebäude explodieren, radioaktive Wolken machen sich auf den Himmelsweg. Als würde die Macht der irdischen Tiefe der menschlichen Technik höhnisch entgegenrufen: Glaubt ihr wirklich, ihr hättet uns irdische Gewalten wirklich im Griff?

Weil ich solches höre, bebt mein Leib, meine Lippen zittern von dem Geschrei. Fäulnis fährt in meine Gebeine, und meine Knie beben.“ Der Prophet Habakuk betet als Mitgenommener. Vor seinem Gesicht erbebte die Erde, wurden uralte Berge zerschmettert, mussten sich uralte Hügel bücken, nahm der Wasserstrom seinen Weg landeinwärts.

Er geht seinen Gott an: „Warst du zornig, HERR, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer, als du auf deinen Rossen rittest und deine Wagen den Sieg behielten? Du zogst deinen Bogen hervor, legtest die Pfeile auf deine Sehne. SELA. Du spaltetest das Land, dass Ströme flossen, die Berge sahen dich und ihnen ward bange. Der Wasserstrom fuhr dahin, die Tiefe ließ sich hören. Ihren Aufgang vergaß die Sonne, und der Mond stand still.

Da sieht er seinen Gott im Kampf mit den Urgewalten. Und dieser Machtkampf geht hin und her, die Urgewalten geben sich nicht geschlagen, sondern schlagen vielmehr selbst zurück. In diesem Kampf treffen die göttlichen Pfeile schließlich auch menschliches Leben.

Nein, so wollen wir unseren Gott nicht sehen, lieber weit ganz weit weg vom Schauplatz des Geschehens in Japan. Der HERR an den Rande des Alls verbannt, und die Menschen hilflos am Rettungswerk – sie bergen die toten Opfer.

Dem Propheten bebt sein Leib und seine Lippen zittern vor Geschrei. Wird es nicht doch noch einen Sieg des HERRN geben? Kann nicht doch noch der Tod besiegt werden? Muss nicht doch noch das Meer die Toten herausgeben (vgl. Offenbarung 20,13)?

Am Ende der Offenbarung hört der Seher Johannes „eine große Stimme vom Thron her, die sprach:  Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, der Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und der Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,3-5)

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Jochen Teuffel

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