Eine zweite Predigt zur Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan

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Eine zweite Predigt zur Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan (Nahum 1,2-9 + Lukas 21,5-11.25-33), gehalten am Mittwoch, den 16. März 2011, in der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen/Iller

Rundfunk, Fernsehen, Internet lassen uns nicht los, bringen ein fremdes Land in die Schlagzeilen, zeigen asiatische Gesichter hinter Gesichtsmasken, scheinbar immer noch erstaunlich gefasst und kontrolliert. Die Bilder in Japan wecken bei mir eigene Katastrophenerinnerungen – vor acht Jahren in Hongkong, als die SARS-Virusgrippe eine ganze Stadt in Angst und gesichtsmaskenversteckten Schrecken versetzt hat.

Und doch kann ich jetzt nicht die Angst vor einer drohenden Verstrahlung am eigenen Leibe nachfühlen, auch kann ich nicht nachvollziehen, wenn Menschen vor den Trümmern des eigenen Lebenswerkes stehen und gar auf der Flucht sind. Da ist vielmehr das beklemmende Gefühl, eine weinerliche Trauer; da überkommen mich immer wieder Wutanfälle.

Wo sind nun unsere Tränen, wo die Verzweiflung? Und wo das ohnmächtige Fasten und die Buße, das sich dem Unheil entgegenwirft? Da hat doch unsere menschliche Technik versagt. Da kommen gegenwärtig alle menschenmöglichen Versuche einer Schadensbegrenzung gegen glühende Reaktorstäbe nicht mehr an. Da muss ein Volk von mehr als 120 Millionen eine lebensbedrohliche Katastrophe über Stunden, Tage, ja vielleicht Wochen fast wehrlos aushalten.

Europa ist sicher! Also können wir uns schon jetzt über die Risiken und Nebenwirkungen der Atomkraft unterhalten, als ginge es um einen Beipackzettel für Tabletten. Da wird man als Pfarrer gefragt, wie man es denn mit der Atomkraft hält. Da dürfen Politiker, Wissenschaftler, sonstige Experten, ja Kirchenleitungen mit eigenen Statements als Sicherheitsagenten tätig werden: Abschalten sofort, Vorübergehend vom Netz nehmen, nur Alt-AKWs oder auch die neuen.

Die gegenwärtige politische Diskussion mit allen den Handlungsoptionen dient allzu schnell der eigenen Katastrophenverdrängung. Da wird noch einmal mit Fehleranalysen, Risikoneubewertungen und Handlungskonzepte der Eindruck erweckt, wir Menschen kriegen mit unserer Technik diese Welt und unsere Zukunft doch wieder in den Griff, zumindest hier bei uns in Europa.

Dabei hat ja das Unglück in einer Tiefe angefangen, wo wir Menschen kaum ein Zugang haben und schon gar nichts entgegenzustemmen haben. Dort wo sich Erdplatten verschieben, kann es tatsächlich zu apokalyptischen Katastrophen kommen. Da enthüllt sich die Tiefe erdrisstief. Da scheinen sich die prophetische Worte aus dem Buch Nahum zu bewahrheiten: „Die Berge erzittern vor ihm, und die Hügel zergehen; das Erdreich bebt vor ihm, der Erdkreis und alle, die darauf wohnen. Wer kann vor seinem Zorn bestehen, und wer kann vor seinem Grimm bleiben? Sein Zorn brennt wie Feuer, und die Felsen zerspringen vor ihm.“ (Nahum 1,5f)

Da hören wir Jesu Worte über die Endzeiten und sie klingen, als wären sie uns gerade jetzt zugesagt: „Es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen. Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ (Lukas 21,11.25f).

Ja, in der Tat, unsere Zukunft birgt mehr als nur die Sterbenswörtchen „Asche zu Asche, Staub zu Staub.“ Das ganze Gehäuse menschlichen Lebens mit Hoch- und Reihenhäusern, Einkaufszentren, Bürogebäuden, Fuhrparks, Infrastrukturen, all das was sich im Schadensfall mit Geldwerten abstrakt beziffern lässt, ist nicht für die Ewigkeit bestimmt.

Weltuntergangsstimmung? Schrecken der Endzeit? Da haben wir Geigenzähler und Atomuhren, aber keine Endzeitmesser zur Hand. Da mögen unserer Tage gezählt sein und doch können und sollen wir sie nicht an unseren zwei Händen fingerfertig abzählen. Da steht noch ein göttliches Gegenwort nach der Sintflut im Raum: „Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1Mose 8,21f) Und da hören wir im schlimmsten Fall eine Zusage Christi, die bereits der Erde den Tod entrissen hat: „Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Jochen Teuffel
16. März 2011

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