Predigt über Jona 2 im Angesicht der Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan

Hortus_Deliciarum,_Der_Prophet_Jonas_wird_vom_Fisch_bei_Ninive_ausgespien

Der Prophet Jona wird vom Fisch bei Ninive ausgespien, aus „Hortus Deliciarum“ der Herrad von Landsberg (um 1180)

Predigt über Jona 2 im Angesicht der Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan am Freitag, 19. März in der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen

Liebe Schwestern und Brüder,

Wir beten nunmehr schon seit Sonntag für die Opfer der Katastrophe in Japan, mehr als die drei Tage, die der Prophet Jona im Bauch des Fisches zugebracht hatte. Wir sind mit unserer eigenen Seele noch immer tief unten. Und doch sind im Unterschied zu den Menschen in Japan unsere eigenen Leiber und Leben geschützt, als hätte der HERR uns im Meer einen Fisch zukommen lassen. Im Bauch des Fisches paaren sich leibliche Geborgenheit und Lebensangst. Da sinkt die Seele immer noch hinunter in eine scheinbar bodenlose Tiefe, die Jona mit verzweifelten Worten ausruft:

4 Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, 5 dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. 6 Wasser umgaben mich und gingen mir ans Leben, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. 7 Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.

Ja, dieser Tiefe gegenüber gibt es kein Entkommen, ein fahrlässiges „es kann nur noch besser werden“ oder „es wird schon wieder“. Da mögen manche vielleicht mittlerweile schon abschalten, sich den kleinsorgigen Alltag herbeiwünschen. Und doch wäre das jetzt nichts anderes als stummer Fatalismus, wo sich das eigene Leben abstumpfen muss.

Der Prophet Jona, so uneinsichtig und verstockt er ja im Bauch des Schiffes gewesen ist, wird im Bauch des Fisches zum leidenschaftlichen Beter. Wo die Seele sinkt, steigen seine Worte auf: „Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.

Solange der Mensch zum HERRN betet, erstirbt nicht seine Hoffnung. Solange wir hier in Vöhringen jeden Abend für Japan beten, geben wir uns eben nicht schicksalsgeschlagen. Als Christen wagen wir den Aufstand gegen den Tod. Denn schließlich entschlüsselt sich das Zeichen des Jonas auf Jesus Christus: „Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ (Mt 12,40)

Da wissen wir immer noch immer nicht, ob die Katastrophe in Japan schon die letzte Erdtiefe erreicht hat, und doch muss der Schoß der Erde die Lebenden, die Toten, und auch die Todgeweihten schlussendlich freigeben.

So beten wir schon jetzt mit dem Propheten Jona zum HERRN: „Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!“ und fragen dennoch: Wann, nur wann wird der Fisch das Leben an sicheres Land ausspeien?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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