Sarrazins Leserbrief bezüglich meines Beitrages in der F.A.Z.

Thilo-Sarrazin

Hier der Wortlaut von Sarrazins Leserbrief bezüglich meines Beitrages in der F.A.Z: Man höre doch mal dem Heiland zu.

Kein Wunder, dass unsere Kirchen leerer werden

Bereits von einem „normalen“ Patrick-Bahners-Text verstehe ich beim erstmaligen Lesen oft nur die Hälfte. Vom Artikel des evangelischen Gemeindepfarrers Jochen Teuffel „Man höre doch mal dem Heiland zu“ habe ich fast gar nichts verstanden, obwohl ich in theologischen Fragen einmal gut geschult war. Der Autor fürchtet offenbar, dass eine säkulare Islamkritik auch eine von ihm erhoffte Wiederbelebung des Christentums behindern und für eine weitere Verbreitung eines laizistischen Staatsverständnisses sorgen könnte.

Diese in den Kirchen weitverbreitete Einstellung sieht anscheinend im Islam, auch in seinen fundamentalistischen Ausprägungen, einen willkommenen Verbündeten gegen Agnostizismus und Heidentum beziehungsweise gegen die von der Aufklärung geprägte Moderne überhaupt. Das scheint mir der rationale Kern dieses weitgehend unverständlichen Textes zu sein, der den Gipfel der Unverständlichkeit dort erreicht, wo offenbar mein Buch kritisiert werden soll: „Wer dieser Zusage  glaubt, für den ist die eigene Toleranz eben kein resignatives Sichabfinden mit einer pluralistischen Schicksalsgemeinschaft. Im Glauben an das ,Es ist vollbracht!’ entgehen Christen vielmehr einer bürgerlichen Identitätsfalle, wo sich eigene Lebens- beziehungsweise Todesangst in gesellschaftlichen Untergangsprophetien – ,Deutschland schafft sich ab’ – zur Sprache bringt.“

Mit anderen Worten: Am Ende der Welt beim Jüngsten Gericht ist es doch sowieso egal, ob sich Deutschland abgeschafft hat oder nicht. Kein Wunder, dass Deutschlands Kirchen immer leerer werden, wenn solche Pfarrer predigen.

Dr. Thilo Sarrazin, Berlin in: Briefe an den Herausgeber, F.A.Z., Samstag, 23. April 2011,  Nr. 95, Seite 19.

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Eine Antwort to “Sarrazins Leserbrief bezüglich meines Beitrages in der F.A.Z.”

  1. Annamaria MacIntyre Says:

    Herr Sarrazin versteht nicht, was er nicht hören will. In der Vergangenheit haben sich Politiker und Journalisten an der Verunglimpfung einer Religion beteiligt, um die echten Probleme nicht ansprechen zu müssen. Politische und wirtschaftliche Probleme löst man nicht, wenn man einem Teil der Bevölkerung pauschal die Fähigkeit abspricht, als „gute Staatsbürger“ im Lande zu leben. Zur Heilung seines Islamophobie schlage ich Sarrazin die Lektüre einiger Chomsky-Werke vor.

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