„Sucht das Wohl der Stadt“ – und vergesst nicht zu feiern

Cityfest Vöhringen

Im Folgenden der Versuch, aus Anlass eines Cityfestgottesdienstes vor Ort politische Ethik mit dem Evangelium zusammenzusprechen:

Der Sommer ist die Zeit der Feste, seien es Stadt-, Dorf-, Vereins- oder auch Gemeindefeste. Wohl dem Ort, wo mit Leib und Sinnen gefeiert wird: An Biertischen, Buden, Ständen und auf Bühnen wird nämlich Gemeinschaft sichtbar. Was eine Stadt oder ein Dorf auszeichnet, ist der gemeinschaftliche Wille im öffentlichen Raum. Zusammen tun wir etwas für unsere Straße, für die Gemeinde oder für unseren Verein. Wer so handelt, ist mehr als nur Einwohner, der in den eigenen vier Wänden möglichst ungestört für sich selbst leben will. Bürgerinnen und Gemeindeglieder sind vielmehr diejenigen, denen an der Gemeinschaft mit anderen liegt und die etwas zum Gemeinwohl beizutragen haben. Der wahre Reichtum einer Gemeinde sind keine Bauwerke, sondern gemeinsames Tun, wie es nicht zuletzt in der Ausrichtung eines Festes sichtbar wird.

Sucht das Wohl der Stadt, und betet für sie zum Herrn, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen.“ (Jer 29,7 ZB) Die Worte des Propheten Jeremia an seine Landsleute im babylonischen Exil gelten auch uns hier in Vöhringen, Bellenberg und Illerberg. Die örtliche Gemeinschaft bietet etwas, was in der Fremde nicht zu haben ist – persönliche Anerkennung und Wertschätzung: Auf der Straße bist du eben mehr als nur ein vorübergehendes Gesicht. Mitmenschen kennen dich bei deinem Namen, nehmen an deinem Leben Anteil. Wo Gemeinschaft gut geht, wirst du immer auch für dich selbst gewinnen. Ist hingegen die Gemeinschaft verspielt, können sich Menschen nur noch in einem Dagegen-Sein einig werden.

Die örtliche Gemeinschaft hat einen Gegner – nicht etwa Individualismus oder Egoismus, sondern die Zukunftsangst. Gemeinschaft lebt aus Vertrauen gegenüber der Zukunft. Bin ich meiner eigenen Zukunft nicht sicher, kann ich mich nicht wirklich auf andere einlassen. Ohne Zukunft möchte ich das, was mir gehört, für mich selbst behalten. Ohne Zukunft kann ich kaum aushalten, was mir selbst zuwider läuft.

Ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Spruch des Herrn, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung.“ (Jer 29,11 ZB) So bezeugt der Prophet Jeremia den göttlichen Zuspruch an sein Volk Israel. Die Zukunft ist ein göttliches Ja-Wort, das sich für uns in Jesus Christus festmacht. Christinnen leben nicht nur in einem vergänglichen Hier und Jetzt, sondern erhalten die Gabe der Zukunft: Wir haben nichts zu verlieren, was nicht schon längst Christus in Tod und Auferstehung für uns gewonnen hat.

So lasst uns also auch in diesem Sommer miteinander feiern und aneinander Anteil schenken – auf dass unsere Gemeinschaft vor Ort weiterhin gut geht.

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