Jürgen Habermas Anfrage an die akademische Theologie

Jürgen Habermas

Schade, leider nicht dabei gewesen. Also doch nur indirekte Rede aus der Feder von Christian Geyer über das, was Habermas dem akademischen Theologen Friedrich Wilhelm Graf jüngst in München zu bedenken gegeben hat: „Eine Frage an die Theologen, eine Frage an Sie‘. Wenn es doch so sei, dass die Wahrheitsansprüche der Religion nicht nur für eine Doktrin gelten, sondern religiöse Erkenntnis sich als religiöse Sozialisation vollziehe, als Nachfolge auf einem Heilsweg – warum, so fragte Habermas, entkoppelten sich dann die Theologen zunehmend von der rituellen Praxis der Gemeinde? Genügt am Ende, so musste man diese Frage verstehen, das Berufsbild des Religionsintellektuellen weder dem gelebten Glauben noch seiner intellektuellen Durchdringung? Und Habermas setzte freundlich nach: Ob die Theologen mit einem solchen disziplinären Selbstmissverständnis womöglich nur ihren Platz unter dem Dach der Universität behaupten wollten?

Volltreffer, meinen Dank an den philosophischen Altmeister.

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3 Antworten to “Jürgen Habermas Anfrage an die akademische Theologie”

  1. Christoph Fleischer Says:

    Hallo. Diese „Zustimmung“ sollte man relativieren. 1. Was hier allgemein klingt ist auf Herrn Graf gemünzt, der in seiner Kritik an der Kirche das Kind mit dem Bade ausschüttet. Im Prinzip hat er aber recht. Wie lange sollen wie denn noch Sonntag vor 10 Leuten predigen?
    2. Was passiert denn an der Basis? Die Riten werden noch mitgenommen, aber die religiösen Ansprüche weitgehend ignoriert. Sie werden auch kaum noch kommuniziert, und wenn schon. Wer denkt schon daran, dass man an der Tanksäule die vierte Bitte des Vater Unser missachtet und anderen Menschen das tägliche Brot wegnimmt?
    3. Ich hörte jetzt eine Anregung: Warum zahlt die Kirche nicht aus den Kirchensteuern die Sozialbeerdigungen, zumindest von Evangelischen?
    Der Beitrag von Habermas gemäß NZZ und FAZ ist über 2001 nicht weiter entwickelt worden. Aber die Zeit bleibt nicht stehen.

  2. Christoph Fleischer Says:
  3. Markus L. Says:

    Das erinnert an Barth, der von Harnack entgegnete, dass das akademischen Thema des Theologen keine andere Wahrheit sein könne, als die Wahrheit des verkündigenden Predigers. Beides hat in einer Person vereint zu sein.

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