Skizze einer „Berg“-Predigt

Dass Berge (und Bergmessen) das geistliche Leben von Christen zu beeindrucken wissen, verdankt sich nicht erst dem Alpinismus des 20. Jahrhunderts. Von Johann Michael Sailer (1751-1832), dem bekannten katholischen Pastoraltheologen und späteren Bischof von Regensburg, stammt folgende Skizze einer „Berg“-Predigt aus dem Jahr 1792, verfasst in Hitzlisberg bei Luzern:

Die Berge sind ein Bild des festen Sinnes des Gerechten «Wer auf den Herrn vertraut, wird nicht bewegt werden wie der Berg Sion». Sie sind ein Bild der Ruhe u. Heiterkeit des guten Christen, da sie ihre Häupter in Wolken erheben und der Ungewitter nicht achten, die zu ihren Füßen toben. Sie sind ein Bild des schweren Tugendkampfes, weil man Berge nur mit Mühe besteigen kann. Sie sind ein Bild der schönsten Aussicht auf den Gipfel der Tugend in das Land der Wahrheit, der Zukunft, der Ewigkeit. Sie sind ein Bild der Wahrheit, die immer die Eine ist und doch hinter verschiedenen Gesichtspunkten verschieden angesehen wird wie die Berge. Sie sind ein Bild der Hindernisse alles Guten und Wahren; denn wie die Sonne nicht in meine Augen leuchten kann, bis sie die Berge überstiegen hat oder ich die Berge umgangen habe, so ist es mit der Wahrheit; wir sehen sie nicht, bis sie die Berge überstiegen oder umgangen hat oder bis sie abgetragen sind. Je höher die Berge, desto fester ihr Grund. Was also groß wird und dauern soll, muß einen festen Grund haben. Endlich sind die Berge durch ihre Größe und Dauer ein Bild der Majestät.

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