Je „liberaler“ desto klerikaler

Amtskreuze

Den evangelischen Landeskirchen macht ein liberaltheologischer Klerikalismus immer mehr zu schaffen. Das mag paradox klingen, wird doch liberaltheologisch verkündet, jeder dürfe seine ganz eigene (vermeintlich) christliche Glaubensüberzeugung haben. Für Freisinnige kann es ja keine wirklich verbindliche Lehre oder einen Glaubensgehorsam geben. Aber genau diese proklamierte Unverbindlichkeit kann Amtsträger in ihrem Reden und Handeln autoritär machen.

Wenn ich ja nur meine persönliche Überzeugung zu verkündigen habe, muss ich niemandem darüber Rechenschaft geben. Ob das, was ich als berufener Amtsträger sage, in der Kirche wirklich zu gelten hat, können und dürfen die Kirchenglieder nicht überprüfen oder gar in Frage stellen, anders als bei evangelikalen Gemeinschaften, wo die Gemeindeglieder an Hand der Heiligen Schrift sehr wohl prüfen, ob das pastoral Gesagte und Vorgelebte für sie als Christen zu akzeptieren ist.

Im liberaltheologischen Gewand verliert die Ordination den Charakter einer Verpflichtung auf eine gemeinsame Regelbindung und wird umgekehrt zur Selbstautorisierung eigener Überzeugungen: Weil man ordiniert ist, muss man niemandem mehr gehorchen und darf daher der Kirche eigene Ansichten unhinterfragbar zumuten. Was allein zählt ist der eigene Status, der kirchenrechtlich und kirchenpolitsch gegen sogenannte „Laien“ verteidigt wird. Somit immunisiert die Ordination gegen die Zumutung des Evangeliums wie auch der evangelischen Lehre.

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