Aus was die Kirche wirklich lebt – es ist nicht die Kirchensteuer. Eine Predigt zu Gründonnerstag

Abendmahl

Von was müssen wir eigentlich leben? Wieviel Einkommen steht uns zur Verfügung? Sind Sozialhilfesätze bei uns in Deutschland hoch genug? Hinter diesen Fragen steht der Versuch, die Aufrechterhaltung menschlichen Lebens mit Geld zu bewerten. Nicht umsonst spricht man ja von einem Existenzminimum. Wer mit seinem verfügbaren Einkommen unter einem Existenzminimum zu leben hat, kann eigentlich gar nicht existieren.

Zu Recht wird ja in den jährlichen Armutsberichten des Paritätischen Gesamtverbands darauf aufmerksam gemacht, unter welchen unwürdigen Bedingungen Menschen am unteren Rande unserer Gesellschaft zu leben haben, wie manche Scheinselbständige oder Billiglohnempfänger tagtäglich schuften müssen, um weniger als genug zum eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Und dennoch darf uns Sozialkritik nicht dazu verführen, menschliches Leben in Lohn­tüten, Gehaltabrechnungen, Einkommensteuer-erklärungen oder Renten- und Sozialhilfebescheiden zu bewerten. Mit all dem, was wir auf Erden verdienen oder erwirtschaften, haben wir niemals genug zum Leben. Der heutige Abend zeigt das uns. Wie sonst wären wir hier in unserer Kirche zum Abendmahlsgottesdienst zusammengekommen? Da finden sich auf dem Altar vor uns das Brot des Lebens und der Kelch des Heils. Was wir heute Abend an diesem Tisch an Lebensmitteln erhalten, können wir uns selbst nicht verdienen und auch nicht selbst besorgen. Diese Lebensmittel leben aus einer ganz besonderen Hingabe.

Gründonnerstagsabendmahl

Unser Herr Jesus Christus liefert sich am Abend seiner Gefangennahme seinen Jüngern leiblich aus: „Nehmet hin und esset: Das ist + mein Leib, der für euch gegeben wird, solches tut zu meinem Gedächtnis. Nehmet hin und trinket alle daraus: dieser Kelch ist das neue Testament in + meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Unsere Lebensgrundlage findet sich weder auf eigenen Gehaltszetteln noch Bankkonten, sondern auf diesem Altar, in der Hingabe des Gottessohnes Jesus Christus, uns zugesprochen „für euch gegeben“, „für euch vergossen“. Mehr als genug in Ewigkeit.

Wovon leben wir Christen wirklich? Von Gottes Liebe, „dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden“ (1Joh 4,10).

Da heißt nachher für euch hinzukommen zu dieser Liebe, dorthin zum Altar, wo sie für euch wirklich wird, wo wir sie schmecken und begreifen können. Die Liebe, die unser ganzes Leben umgreift, es nicht im Schatten des Todes hält, geht über das Existenzminimum hinaus.

Da können wir dann auch weiterfragen: Wovon lebt denn eigentlich Kirche, unsere Kirche? Eine eingängige Antwort lautet: „Vom Geld der Gläubigen, insbesondere von den Kirchensteuern.“ Und mancher sagt ja, die Kirche könne ohne Kirchensteuer gar nicht überleben.

Das ist ein Trugschluss, der heute Abend an diesem Ort entlarvt wird. Was Kirche braucht, sind keine großen Bauten oder Bankkonten, sondern ein ganz besonderer Ort mit ganz besonderen Gaben. In unseren Bekenntnisschriften, genauer gesagt im siebten Artikel des Augsburger Bekenntnisses heißt es über uns als Kirche mit knappen Worten:

„Es wird auch gelehrt, dass allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.“

Kirche geschieht, wo Menschen in Jesu Namen versammelt sind und das Evangelium sowie das Abendmahl empfangen. Uns Menschen kostet das nicht die Welt, Wein und Brot, Hostien, alles in allem weniger als fünf Euro heute Abend. Uns kostet es nicht die Welt, aber dem Gottessohn hat es sein Leben gekostet. Was uns als Kirche zum Leben bringt, ist die Hingabe Jesu Christi, göttliche Liebe zu uns Menschen, die tiefer in das Todesreich eingeht als unsere eigenen Sünden.

Göttliche Liebe hat ihren ganz besonderen Ort am Tisch des Herrn, sie geschieht mitten unter uns, braucht keine großen Gebäude, sondern kriegt kleine Brötchen gebacken. Gottes Liebe für seine Kirche braucht auch nicht unsere Kirchensteuer.

Vielleicht hat ja mancher mitbekommen, dass ich mich letzte Woche bei unserer Landeskirche angezeigt habe, weil ich einer Person aus unserer Gemeinde das Abendmahl gereicht habe, obwohl sie kurz zuvor auf dem Standesamt aus der Landeskirche offiziell ausgetreten ist.

Da mag ja der eine oder andere auf die Schnelle denken: Nicht zahlen und dennoch das Abendmahl empfangen, ist doch ungerecht gegenüber den anderen Kirchensteuerzahlern. Die sind doch dann die Dummen. Nein, ich versichere euch, die betreffende Person hat sich mir gegenüber bereit erklärt, einen mit der Kirchensteuer vergleichbaren Beitrag freiwillig an unsere Gemeinde zu zahlen. So wird sie ja auch weiterhin unsere Kirchengemeinde mit ihrem Geld unterstützen. Ich könnte jetzt lang und breit zu erklären versuchen, warum die Kirchensteuer für Christen ganz eigene Probleme hat. Aber das passt heute Abend nicht hier in diesen Gottesdienst hinein.

Köder - Abendmahl

Noch einmal zurück zum Geschehen, um das es in unserer Kirche wirklich geht. Im Abendmahl gibt sich Jesus Christus für uns hin:

„Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird – mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Kirche lebt aus göttlicher Hingabe und nicht von menschlichen Beiträgen und Spenden, auch hier in Vöhringen. Wo wir die göttliche Hingabe für unser eigenes Leben in Brot und Wein empfangen, da wirkt sie in unser Leben ganz tief hinein; da verändert sie uns in unseren Blickrichtungen. Jesu Hingabe macht uns selbst zur eigenen Hingabe fähig. Wir geben weiter, was wir empfangen haben; wir teilen mit anderen, auch das, was wir selbst besitzen.

Ich bin froh und stolz, wie viel Gläubige in unserer Gemeinde freiwillig als Opfer, Spende oder Kollekte geben können. Denn das wird ja nicht einfach vom Gehalt durch die Lohnbuchhaltung abgezwackt und dann auf dem Gehaltszettel weiter unten ausgedruckt. Sondern dazu greife ich selbst in die Tasche oder überweise es bewusst auf das gemeindliche Spendenkonto. Das ist mein ganz bewusster Beitrag, mit dem ich unsere Kirchengemeinde unterstützen will.

Gottes Liebe geht von diesem Altar aus und wir empfangen. Diese Liebe verändert und befähigt uns selbst zur Hingabe. So bin ich zuversichtlich, dass durch die vielfältigen Gaben und Eigenleistungen unserer Gemeindeglieder in den nächsten Jahren sich in unserer Kirchengemeinde noch einiges im Sinne Gottes bewegen wird.

Da müssen wir dann auch nicht auf Kirchensteuern und Kirchenaustritte schielen. Wir brauchen auch keine Angst davor haben, ob unsere Kirche in Zukunft noch genug Geld hat. Bei uns heißt es um Unterschied zu Theater, Konzert, Zirkus oder Zoo „Eintritt frei“. Kirche kostet nicht die Welt, nur die eine Hingabe göttlich und doch menschlich uns so nah, Jesus Christus für dich gegeben. Für Dich hat einer schon längst bezahlt, mit seinem eigenen Blut am Kreuz, er schenkt sich dir. Glaube ihm und du hast schon alles für dein Leben gewonnen.

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