Kirche geht nicht gegen Teuffel vor

Das ist doch mal eine richtige Schlagzeile, die über dem Artikel von Reinhard Bingener in Sachen Disziplinarverfahren in der heutigen F.A.Z. steht. Und wenn dann auch noch ein nachnamensvettriger Kommunarde (ja, der mit der Wahrheitsfindung) seine Wiederauferstehung von den Toten als Vöhringer Pfarrer feiert, dann kann es ja mit der Endzeit nicht mehr weit sein. Hier der Text in seiner vollen Schönheit:

Kirche geht nicht gegen Teuffel vor

bin. FRANKFURT, 14. Mai. Gegen einen Pfarrer, der einer aus der evangelischen Kirche ausgetretenen Frau das Abendmahl gereicht hat, wird kein Disziplinarverfahren eingeleitet. Pfarrer Fritz Teuffel aus Vöhringen im bayerischen Schwaben hatte bei der Landeskirche in München ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst beantragt, nachdem er das Abendmahl an eine Frau ausgeteilt hatte, die sich durch Austritt der Kirchensteuerzahlungen an die Landeskirche entledigt hatte und das Geld stattdessen direkt ihrer heimatlichen, Kirchengemeinde überweisen wollte. Pfarrer Teuffel begründete seinen Antrag gegen sich selbst damit, er habe durch sein Handeln gegen die Leitlinien der Kirche verstoßen, nach denen Personen mit dem Austritt ihrer Mitgliedschaftsrechte verlustig gehen. Der Landeskirchenrat wies Teuffel am Mittwoch darauf hin, dass der Verlust der Mitgliedschaftsrechte nicht gleichbedeutend damit sei, dass es verboten ist, Ausgetretenen Trauung, Bestattung oder Abendmahl zu gewähren. Der Sprecher der Landeskirche erläuterte, die Kirchenleitung gebe den Pfarrern mit Bedacht nur die „große Linie“ vor, wolle aber keine Einzelfälle regeln. Pfarrer sollten ,,Spielraum“ haben, dabei aber darauf achten, dass Großzügigkeit nicht „ausgenutzt“ werde.
Der Landeskirchenrat verband seine Entscheidung mit Kritik am Verhalten Teuffels, mit einem Antrag gegen sich selbst eine „Dramatik zu inszenieren“, anstatt den „konstruktiven Weg“ einer Eingabe an die Landessynode zugehen. Teuffel erwecke durch die Diskussion den Eindruck, die Kirchenleitung wolle Menschen abweisen, um auf seine eigene, schon vielfach geäußerte Kritik an der Kirchensteuer aufmerksam zu machen. In seinem Antrag gegen sich selbst hatte Teuffel, der einen eigenen Blog betreibt und in Artikeln für Zeitungen und Zeitschriften für seine Ansichten wirbt, die Kirchensteuer als „aliturgische Vorfinanzierung staatlicher Vollzugsgewalt“ bezeichnet. Die Kirchensteuer stehe nicht im Einklang „mit dem Reich Gottes“, behauptet Teuffel, der in seinen Beiträgen das Modell einer entschiedenen Minderheitenkirche vertritt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 112, Donnerstag, 15. Mai 2014, Seite 4.

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