Offenbarungseid in Sachen Kirchensteuer

Albrecht Häcker, Pfarrer in Ludwigsburg, zu Jochen Teuffel in pro und contra „Lackmustest evangelischer Freiheit“ (zz 2/2015): „Es mutet mich eigenartig an: Kann oder darf ich als Handy-Nutzer ernsthaft gegen die Aufstellung von Handymasten sein, ohne fortan auf die Nutzung meines Handys zu verzichten? Kann oder darf ich als Pfarrer einer deutschen Landeskirche ernsthaft gegen die Kirchensteuer argumentieren, ohne gleichzeitig mein verlässliches Gehalt sowie meinen Pensionsanspruch freizugeben? Wenn Kollege Teuffel seinen Beitrag mit dem Hinweis schließt, es könne in einer steuerfinanzierten Pfarramtskirche nicht wirklich gelingen, dass es um das eigene Leben geht, klingt das in meinen Ohren wie ein Offenbarungseid. Und ich frage ich mich, weshalb und wie er noch dieser Kirche treu bleiben kann?“

Mit diesem Leserbrief aus der aktuellen Ausgabe der Zeitzeichen dürfte Herr Häcker wohl manchem Pfarrerskollegen aus dem Herzen sprechen: Wie kann man nur als Pfarrer die Finanzierungsgrundlage der eigenen Besoldung in Frage stellen? Handelt man damit nicht illoyal gegenüber der eigenen Kirche?

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Beim heutigen Passionsgottesdienst im Altenheim kamen folgende Worte Jesu als Evangelium zu Gehör: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“ (Johannes 12,24-26)

Das Dienstverhältnis eines evangelischens Pfarrers gilt gegenüber Jesus Christus in einer Kirche, die seinem Wort verpflichtet ist. Wenn die Erhebung von Kirchensteuern dem Evangelium widerspricht, darf ich als Pfarrer diesen Widerspruch in aller Loyalität gegenüber Jesus Christus ansprechen, auch auf die Gefahr hin, dass ich damit meine eigene ökonomische Existenzgrundlage in Frage stelle. Der Dienst als Pfarrer kommt um die Nachfolge Christi nicht  herum. Insofern kann man meinen evangelischen Einspruch gegen die Kirchensteuer durchaus als Offenbarungseid verstehen: Ich offenbare damit, dass ich mit meinem Ordinationsgelübde der Nachfolge Christi verpflichtet bin, unabhängig davon, was dies mich kosten mag.

Bei der Anfrage von Herrn Häcker kann ich nicht erkennen, inwiefern er sich als Pfarrer dem Evangelium und der Nachfolge Christi verpflichtet weiß. Mir kommt es eher so vor, dass er den Pfarrdienst als eigenökonomische Profession ansieht. Dann würde ich jedoch nachfragen, ob er damit der Kirche Jesu Christi treu bleiben kann.

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