Augsburger Bekenntnis in heutigem Deutsch

Verlesung des Augsburger BekenntnissesIst es nicht symptomatisch? Wer nach einer Textfassung des Augsburger Bekenntnisses in heutiger Sprache sucht, wird im Internet nicht wirklich fündig. Auf der VELKD-Seite wie auch auf der ELKB-Seite ist der zweite Teil des Augsburger Bekenntnisses ab Artikel 22 nur auszugsweise abgedruckt. Und auf der EKD-Seite hört das Augsburger Bekenntnis nach Artikel 21 auf. Dabei hat es gerade der Artikel 28 in sich, auch im Hinblick auf evangelische Kirchenleitung (siehe unten). Vielleicht will man sich ja in Hannover der Zumutung des eigenen Bekenntnisses nicht länger stellen. Anders verhält es sich jedenfalls mit den EKD-Denkschriften, die als pdf komplett ins Netz gestellt werden. Aber da darf man ja selbst zu Wort kommen und muss auf niemanden hören.

Hier die komplette Fassung des Augsburger Bekenntnisses in heutigem Deutsch, die von Horst Georg Pöhlmann bearbeitet worden ist: Augsburger Bekenntnis (heutiges Deutsch)

Und hier die deutsche Übersetzung der lateinischen Confessio Augustana von Heinrich Bornkamm: Augsburger Bekenntnis (Übersetzung des lateinischen Textes)

Mein theologischer Lehrer Friedrich Mildenberger hat in seiner Theologie der Lutherischen Bekenntnisschriften zum Artikel 28 des Augsburger Bekenntnisses Folgendes ausgeführt:

„Das Amt hat seine Gewalt allein vom Evangelium. Dieses Evangelium setzt sich durch, und solcher Durchsetzung des Evangeliums ohne menschliche Gewalt hat das Amt zu dienen. In diesem Vollzug kann das Amt Gehor­sam fordern, und hier ist auch die Gemeinde zum Gehorsam verpflichtet: »Hier müs­sen ihnen die Gemeinden notwendig und nach göttlichem Recht gehorchen, nach jenem Wort: Wer euch hört, der hört mich« (CA XXVIII,22). Weil hier der Inhaber des Amtes an Christi Stelle steht, darum kann er uneingeschränkten Gehorsam fordern. Freilich gilt dieser Gehorsam nicht der Person, sondern dem Wort, dem Evangelium. Das ist vielleicht in der Praxis nicht immer ganz leicht zu unterscheiden; doch muß klar sein, daß das Evangelium und nicht der Inhaber des Amtes die Instanz ist, die zum Gehorsam verpflichtet. Darum fährt die CA fort: »Aber wenn sie etwas gegen das Evangelium lehren oder festsetzen, dann haben die Gemeinden den Befehl Gottes, der es verbietet, zu gehorchen« (CA XXVIII,23). Das Amt verliert hier also das Recht, das eben Recht des Evangeliums und nicht der Amtsperson ist. Nur so hat dieses Amt sein göttliches Recht, im Vollzug des Evangeliums. […] Um diese Bindung der Autorität des Amtes an das Evangelium zu betonen, rede ich vom Amt als Vorgang. Und an diesem Vorgang ist nicht der Amtsträger allein beteiligt, sondern in gleicher Weise auch die hörende Gemeinde. Sie muß ja dem Evangelium gehorchen, und evangeliumsfremde Zumutungen der Amtspersonen abweisen. Nur so, in der Bindung des Amtsträgers wie der Gemeinde an das Evangelium, ist das ministerium ecclesiasticum möglich. Und mit dem so verstandenen Amt ist die Freiheit zum Glauben gewährt, eine Freiheit, die nicht an die Autorität eines Amtsträgers gebunden ist, sondern an das Evangelium.“ (S. 105f)

Advertisements

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: