Bonhoeffer – „Wer zu schnell und zu direkt neutestamentlich sein und empfinden will, ist m. E. kein Christ.“

Bíblia-hebraica

Dass das Alte Testament für Christen nicht einfach nur als „religiöse Vorstufe“ zu gelten hat, schreibt Dietrich Bonhoeffer 1943 in seinem Adventsbrief aus dem Militärgefängnis Berlin-Tegel:

Ich spüre übrigens immer wieder, wie alttestamentlich ich denke und empfinde; so habe ich in den vergangenen Monaten auch viel mehr Altes Testament als Neues Testament gelesen. Nur wenn man die Unaussprechlichkeit des Namens Gottes kennt, darf man auch einmal den Namen Jesus Christus aussprechen; nur wenn man das Leben und die Erde so liebt, daß mit ihr alles verloren und zu Ende zu sein scheint, darf man an die Auferstehung der Toten und eine neue Welt glauben; nur wenn man das Gesetz Gottes über sich gelten läßt, darf man wohl auch einmal von Gnade sprechen, und nur wenn der Zorn und die Rache Gottes über seine Feinde als gültige Wirklichkeit stehen bleiben, kann von Vergebung und von Feindesliebe etwas unser Herz berühren. Wer zu schnell und zu direkt neutestamentlich sein und empfinden will, ist m. E. kein Christ.

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