Samenkörnlein in Gottes Acker – Löhes Grabrede für ein totgeborenes Kind

samenkorn

Von Wilhelm Löhe (1808-1872), Landpfarrer in Neuendettelsau und maßgeblicher Reformer der evangelischen Kirche in Bayern im 19. Jahrhundert, ist eine Grabrede für ein totgeborenes Kind überliefert, deren Wortwahl auch heute noch den Trost des Evangeliums zuzusprechen weiß:

Liebe Brüder. Wir legen ein Samenkörnlein in Gottes Acker, dessen Leben wir kaum wahrgenommen haben. Dennoch zweifeln wir an seinem ewigen Leben nicht. Es ist dies Kindlein in der höchsten Not der Geburt und schon zuvor durch das gläubige Gebet gottesfürchtiger, lieber Eltern und anderer Christen dem allmächtigen Gott zugetragen und empfohlen worden. Solcher Kindlein aber, die man betend dem Herrn darbringt, ist das Himmelreich. Darum sollen wir auch keinen Zweifel haben, dies Kindlein sei in seiner Ruhe und in der Zahl der Auserwählten. Das Licht dieser Welt hat es nicht gesehen, dafür wandelt es im Lichte jener Welt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Beide, dieser Welt Freuden und Leiden, hat es nicht erfahren: wohl ihm, es hat an beiden nichts verloren noch versäumt und genießt nun leidloser Freuden die Fülle vor Gottes Angesicht. Seine lieben Eltern hat es hier nicht kennengelernt; aber es ruht in des ewigen Vaters Schoß und wird dermaleins auch seine zeitlichen Eltern von Angesicht zu Angesicht schauen und erkennen. So hat denn dies Kindlein nichts verloren und ist selber unverloren. Darum soll Gott auch von euch an diesem Grabe gelobt und gepriesen, aber auch in Demut gebeten sein, daß seine Christenheit gebessert und uns allen ein seliges Ende beschert werden.

Wilhelm Löhe, Gesammelte Werke, hg. v. Klaus Ganzert, Bd. 7/1, Neuendettelsau 1953, Seite 467.

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