Darf man in der Kirche Steuern erheben? Antwort an Margot Käßmann

In ihrer Erwiderung „Protestantische Glaubensfreude“ auf meinen Text „Protestantische Selbstsäkularisierung“ (in Christ in der Gegenwart) schreibt Margot Käßmann: „Besonders unverständlich ist mir das Argument, dass die Kirchensteuer evangeliumswidrig wäre. Jesus selbst hatte ja offensichtlich einen sehr entspannten Zugang zu Geld, es ist schlicht Teil des Lebens. So kommt es vor, auch in den Gleichnissen. Heute wird auch die katholische Kirche in Deutschland primär über Kirchensteuer-Einzugsverfahren finanziert. Zudem kann von der entsprechenden gesetzlichen Regelung – wenn sie will – jede Religionsgemeinschaft profitieren. Zum anderen wüsste ich nicht, was daran evangeliumswidrig sein soll, wenn die Starken sich bereit erklären, für die Schwachen einzutreten. Da wird leider gleich wieder extrem moralisch argumentiert nach dem Motto „Was würde Jesus dazu sagen?“. Mehr als achtzig Prozent unserer Einnahmen als evangelische Kirche kommen von weniger als zwanzig Prozent unserer Mitglieder. Das zeigt, dass hier sehr wohl umgesetzt wird, was schon in den ersten Gemeinden praktiziert wurde.

Diese Argumentation erscheint mir nicht schlüssig zu sein. Gerade in Sachen Steuergelder zeigt sich Jesus den Evangelien zufolge als hochsensibel, geht es doch um die Freiheit der Kinder Gottes, die eben nicht mit einer gesetzlichen Zwangsabgabe zu vereinbaren ist. So wird in der Tempelsteuer-Perikope Simon Petrus in seiner Heimatstadt Kafarnaum mit der Frage konfrontiert, ob Jesus die Tempelsteuer in Höhe einer Doppeldrachme zahle. Das vorschnelle Ja-Wort des Petrus konterkariert Jesus mit folgenden Worten:

„Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige der Erde Zölle oder Steuern? Von ihren Söhnen oder von den fremden Leuten? Da jener antwortete: Von den Fremden, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei ihnen keinen Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus und nimm den ersten Fisch, der anbeißt. Und wenn du ihm das Maul öffnest, wirst du einen Stater (Vierdrachmenstück) finden. Das nimm und gib es ihnen für mich und dich.“ (Matthäus 17,24-27)

Tempelsteuer

Was Jesus mit seiner Zahlungsanweisung zum Ausdruck bringt, ist zweierlei: Die Tempel­steuer ist eine Zwangsabgabe, die ein Fremdverhältnis zwischen Steuernehmer und Steuer­zahler bedingt. Tributpflichtig können nur unfreie Vasallen sein, die sich einem König unter­zuordnen haben. Im Reich Gottes hingegen leben die Kinder Gottes steuerfrei. Um einen Skandal zu vermeiden, lässt sich Jesus auf die Zahlung der Tempelsteuer ein. Die eigene Verachtung für diese Steuer wird freilich in der Anweisung an Petrus zum Fischfang offen­sichtlich. Das fällige Geldstück soll nicht aus dem eigenen Geldbeutel kommen, sondern einem Fischmaul entnommen werden. Mit dem, was weder Jesus noch Petrus gehört, gilt es die illegitime Steuerschuld zu begleichen.

Für weitere Ausführungen verweise ich auf meinen Aufsatz Darf man in der Kirche Steuern erheben.

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Eine Antwort to “Darf man in der Kirche Steuern erheben? Antwort an Margot Käßmann”

  1. christophfl Says:

    Ich habe am Reformationtag die Kirchensteuer mit dem Ablass verglichen. Das gilt nicht automatisch, aber dann, wenn man Ausgetretenen den Segen verweigert.

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