Der dreieinige Gott als hasserfüllter Menschenmörder? Wie der eigene Verstoß gegen das Bilderverbot die Blasphemie erst ermöglicht hat

Charlie-Hebdo-612016-Titel

„Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist“ (Exodus 20,4) heißt das zweite der zehn biblischen Gebote. In der römisch-katholischen bzw. lutherischen Tradition hat man dieses Gebot ausgelassen und dafür das letzte Gebot („Du sollst nicht begehren …“) in zwei Gebote aufgeteilt. So hat man als Kirche nun die satirischen Folgen des islamistischen Attentat auf Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 zu tragen. Das Cover der nächsten Ausgabe von Charlie Hebdo zeigt einen bärtigen „Gott“ kalaschnikowbewaffnet und blutverschmiert auf der Flucht mit dem entsprechenden Titel: „1 an après – l’assassin court toujours – Ein Jahr danach: Der Mörder ist noch immer auf der Flucht.“

Dem „Charlie Hebdo“-Chef Riss konnte ja bei „Gott“ nichts anderes in den Sinn kommen, gilt doch im Islam das Bilderverbot. Wo es kein islamisches Gottesbild geben kann, musste der Karikaturist auf die figürliche Darstellung eines bärtigen „Gottvaters“ mit trinitarisch gefasstem „Gottesauge“ zurückgreifen, wie sie sich auf barocken Hochälteren in Kirchengebäuden vielfach finden lässt.

Gottvater

Der dreieinige Gott, Vater und Sohn durch den Heiligen Geist als „Band der Liebe (vinculum amoris)“ miteinander verbunden, ein hasserfüllter Menschenmörder – was für eine unerträglich blasphemische Vorstellung, der Christen selbst mit dem Verstoß gegen das Bilderverbot einen imaginativen Anhalt gegeben haben.

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