Bernhard Schlink – Rituale können im Glauben halten

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Der Schriftsteller und Juraprofessor Bernhard Schlink hat den christlichen Glauben nicht nur mit der Muttermilch eingesogen, war doch sein Vater Edmund Schlink (1903-1984) Theologieprofessor in Heidelberg und ausgewiesener Ökumeniker. Da kommen dem Heranwachsenden die philosophischen Zweifel, die den Bekennermut und die Glaubensgewissheit nehmen. Und doch hält sich sein Glauben in Form von Kirchenliedern und Gebeten. So plädiert er für eine besondere Achtssamkeit gegenüber den „Gestalten des Glaubens“, wenn er schreibt:

„Es geht um die Gestalten, die der Glaube in Gebeten, Liedern, Texten, Liturgien und Gewohnheiten gewinnt. Es geht nicht um die Inhalte des Glaubens. Gewiß, Gebete, Lieder, Liturgien und Gewohnheiten haben ihre Inhalte. Aber diese Inhalte haben nur beschränkte Bedeutung. Ihre Stimmigkeit hat auch die Fürbitte, deren explizite und implizite Thesen über Gott, Welt und die Befindlichkeit des Menschen aufmerksamem Zuhören und Mitdenken nicht standhalten; seine Richtigkeit hat auch der Liedvers, der hoffnungslos antiquiert ist und Wassersnot und Himmelsbrot, Menschenrat und Wundertat nur zusammenzwingt, weil sie sich reimen. Die Gestalten sind den Inhalten gegenüber verselbständigt. Das ist wie ihre Stärke auch ihre Schwäche. Ist der Inhalt des Glaubens gestorben, werden die Gestalten des Glaubens tatsächlich zu leeren Ritualen. Wenn aber der Inhalt lebendig bleibt und doch schwer zu fassen, zu tradieren, in die Lebenswelt zu integrieren und in ihr zu aktualisieren ist, können die Gestalten Halt geben. Institutionen können in Gewißheiten, Rituale können im Glauben halten.“

Sein Vortrag „Den Glauben gestalten“ zum Reformationstag 2004 im Berliner Dom findet sich hier.

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