Ulrich Wilckens Studienbibel Neues Testament bzw. Studienführer Altes Testament

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Gute Bücher müssen keine Neuerscheinungen sind. Das Neue Testament übersetzt und kommentiert von Ulrich Wilckens hat seit 1970 PfarrerInnen und Gemeindeglieder in deren Bibelstudium und Predigtvorbereitung begleitet. Dankenswerterweise hat der fontis-Verlag in Basel das Buch neu als Studienbibel Neues Testament herausgegeben. Beim Einlesen in die Texte und Erklärungen wird deutlich, warum die Übersetzung von Ulrich Wilckens, vormaliger Professor für das Neue Testament und emeritierter Bischof, ein Klassiker geworden ist. Zu Recht stellt Karl Kardinal Lehmann in seinem Geleitwort heraus, dass sie mit ihrer Texttreue dennoch das gegenwärtige Sprachverständnis zu treffen weiß.

Besondere Beachtung verdienen die knappe Kommentierung der einzelnen Textabschnitte wie auch die Einzelerklärungen als Fußnoten. Hier macht sich die sorgfältige Lektorierung durch Roland Werner bemerkbar. Damit ist es für Gemeindeglieder möglich, ohne einen „Wortdiakon“ wie Philippus (vgl. Apostelgeschichte 8,26-40) das Neue Testament als gegenwartsbezogenes Gotteswort zu lesen. Ein Kritikpunkt bleibt freilich die fehlende Erklärung zur undifferenzierten Redeweise von „den Juden“ im Evangelium nach Johannes. Schon 1974 hatte der jüdische Religionswissenschaftler David Flusser Wilckens den Vorwurf eines „Antijudaismus“ gemacht. Mit der Neuausgabe als Studienbibel wäre einer Klarstellung fällig gewesen.

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Dass Ulrich Wilckens sensibel für die besondere Stellung Israels unter den Völkern ist, zeigt er nämlich in seinem Studienführer Altes Testament, der anders als die Studienbibel Neues Testament eine Neuerscheinung ist. Auf 300 Seiten führt er nacherzählend und erklärend durch die 39 Bücher des Alten Testaments (ergänzt durch Weisheit Salomos, Jesus Sirach sowie Baruch). Mit gutem Grund stellt er dabei 2Mose 34,6 mit dessen Namenszusage „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ als theologische Mitte heraus, die zugleich Altes und Neues Testament als die eine heilige Schrift miteinander verbindet. So schreibt Wilckens am Ende seines Studienführers: „Das Heil durch Christus gilt allen Menschen. Die Begrenzung des Bundes Gottes auf das Volk Israel ist in Christus aufgehoben. Es ist ein neuer Bund, den Gott im Opfertod seines Sohnes – und durch dessen Auferweckung aus diesem Tod – für alle Sünder errichtet hat. An die Stelle der einen Bundesgemeinde Israel ist die eine Kirche aus allen Völker getreten. Aber zu dieser gehört Israel wesenhaft dazu.“

Ulrich Wilckens, Studienbibel Neues Testament, 928 Seiten, Basel: Fontis (Brunnen) 2015, Preis 24,99 €;
Ulrich Wilckens, Studienführer Altes Testament, 320 Seiten, Basel: Fontis (Brunnen) 2015, Preis 16,99 €.

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