Dank an die Eltern in der kirchlichen Trauung

Elterndank

Consensus facit nuptiam. Der Konsensus der Brautleute stiftet die Ehe. Es war ausgerechnet die Kirche im Mittelalter, die in Europa die Zivilehe nach römischem Recht befördert hatte. Familiäre Arrangements galten nicht länger als ehestiftend. In der kirchlichen Trauliturgie bildet sich das ab, wenn die Brautleute vor dem Altar mit dem Rücken zu den eigenen Angehörigen sitzen. Ganz vorne spielt die Musik, die Familie bleibt als unbeteiligte Zuschauer zurückgesetzt.

Hollywood hält verstärkt Einzug, wenn zu Beginn des Gottesdienstes der Brautvater  dem verloren dastehenden Bräutigam am Altar die eigene Tochter zuführt (als hätte sie nicht schon die letzten vier Jahre mit dem Bräutigam in einer Wohnung zusammengelebt). Der Familienbezug wird damit zumindest auf Seiten der Braut angezeigt. Der Bräutigam hingegen steht am Altar alleingelassen da, als würde das Bibelwort für ihn nicht gelten: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen.“ (Gen 2,24)

Der Pfarrer Markus Binder hat im Deutschen Pfarrerblatt einen zusätztlichen Ritus des Abschiednehmens vorgestellt, bei dem beiden Brautleute nach den Traulesungen (und vor dem Trauversprechen) auf ihre Eltern zugehen und ihnen ihren Dank mit freien Worten und Gesten aussprechen.  Ich habe diese Anregung übernommen und schlage beim Traugespräch den Brautleuten eine solche Dankeshandlung vor. Meist wird sie „liebend gern“, ja selbstverständlich angenommen, auch dort, wo die eigenen Eltern getrennt leben oder geschieden sind. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein ergreifender Moment, wenn Brautleute den Eltern ihren Dank zusprechen.

So führe ich nach den Traulesungen den Dank an die Eltern mit folgenden Worten ein:

„Ihr habt gehört, wie Gottes Wort zum gemeinsamen Leben ermutigt und zum Gelingen der Ehe hilft. Bevor ihr euch nun gegenseitig eure Treue versprecht, bitte ich, euch noch einmal euren Eltern zuzuwenden. Ihnen verdankt sich euer Leben, mit ihrer Liebe und mit ihrer Fürsorge haben sie euch so weit gebracht, dass ihr selbst einen eigenen Bund für das Leben eingehen könnt. So geht auf eure Eltern zu und sprecht ihnen euren Dank dafür aus (eventuell mit Verneigen oder Umarmen – dazu Instrumentalmusik).“

Advertisements

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: