„In den Tiefen, die kein Trost erreicht“ (Justus Delbrück)

Justus Delbrück

Der Jurist und Widerständler Justus Delbrück (mit der Familie Bonhoeffer befreundet bzw. verschwägert), der nach dem 20. Juli 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und schließlich im Oktober 1945 im sowjetischen Speziallager Nr. 6 im brandenburgischen Jamlitz verstarb, hatte in der Gefangenschaft seine Leidenszeit ins Gebet genommen und darin ihre Trostlosigkeit überwunden:

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
lass doch deine Treue mich erreichen.
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
lass nicht deine Gnade von mir weichen.

Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
wenn mich kalt die Finsternis umweht,
wollest du in meiner Not mich finden.

Wenn die Seele wie ein irres Licht
flackert zwischen Werden und Vergehen,
wenn es mir an Trost und Rat gebricht,
wollest du an meiner Seite stehen.

Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,
nimm die meine du in deine Hände,
nimm dich meiner Seele gnädig an,
führe mich zu einem guten Ende.

Quelle: Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933-1945, hg. v. Helmut Gollwitzer, Käthe Kuhn und Reinhold Schneider, München: Chr Kaiser, 3. erw. A., 1955,  158f.

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Eine Antwort to “„In den Tiefen, die kein Trost erreicht“ (Justus Delbrück)”

  1. Beate Jaek Says:

    Dieses Gebet erreicht wahrhaftig Menschen unermesslichen Tiefen erreicht – auch mich -. In meiner Seelsorgearbeit ist es mein ständiger Begleiter. Man muss nicht zum Tod verurteilt sein um das Gebet zu sprechen. Es hilft aber die Hand stille in der Christushand zu halten. Aufatmen, frei werden eine
    Ahnung bekommen, wie es am eigenen Ende sein kann.

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