Leidgeprüft

Meister Francke - Schmerzensmann

Meister Francke, Der Schmerzensmann (1435)

In diesen Tagen ist für Christen eine Leidenszeit angesagt. Wörtlich übersetzt heißt nämlich Passionszeit – also die vierzig Tage Vorbereitung auf das Osterfest – „Leidenszeit“. Allerdings sollen dabei Christen nicht selbst leiden, sondern vielmehr das Leiden Jesu Christi betrachten. Die Stationen seines Kreuzweges – was Jesus für uns ertragen hat – wollen auf uns einwirken. So lautet die erste Strophe eines bekannten Passionslieds: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, / mich in das Meer der Liebe zu versenken, / die dich bewog, von aller Schuld des Bösen / uns zu erlösen.“ (EG 91)

Jesu Leiden zu bedenken heißt nicht etwa Gefallen am Leiden zu finden. Sein menschliches Leiden will vielmehr auf die göttliche Liebe hin durchschaut sein. Der Heiland leidet nicht nur vor uns, sondern für uns, als wolle er uns zusagen: „Ich, Immanuel, ‚Mit-uns-Gott‘ zeige euch meinen Schmerz für Euch.“ Durch Menschenschuld sind ihm die Wunden geöffnet, dringt der Todesschmerz in sein Leben ein.

Der Schmerz bleibt nicht länger nur menschlich, ein Los unserer irdischen Existenz, sondern reicht in die Tiefe Gottes hinein. Der Gott lässt uns nicht allein in unserem Schmerz. Im Leiden Jesu nimmt er Anteil an ihm. Sein Schmerz öffnet sich für unsere Schmerzen und für unsere Sünden. Darin zeigt sich seine Liebe. Der Gott, der seine sündenfremden Geschöpfe liebt, muss sie an seinem Sohn erleiden.

Für uns heißt dies umgekehrt: Wir haben uns selbst den Schmerzen und der menschlichen Sünde zu stellen. Ein Leben ohne Leid und Schmerz ist für uns auf Erden nicht vorgesehen. Und doch können wir, wenn wir den Blick auf Christus den Schmerzensmann richten, über die eigenen Schmerzen hinaussehen, ja „hinaushoffen“ zu Gott.

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