Alexander Deeg – Abschaffung der Amtskreuze für leitende Geistliche

Bedford-Strohm mit Amtskreuz

Da hat Alexander Deeg, Professor für praktische Theologie in Leipzig mit theologischen Wurzeln in Erlangen, richtig hingelangt, mit seinem Vortrag „Von Pfarrern und Priestern in der evangelischen Kirche“ am vergangenen Montag, 25. April, auf der Mitgliederversammlung des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in der Evang.-Luth. Kirche in Rothenburg o.T. Er sprach sich nämlich für eine Abschaffung der Amtskreuze von „leitenden Geistlichen“ in den evangelischen Kirchen aus. Das „Kreuz als Rangabzeichen“ ist für ihn „ein Irrweg, den wir dringend verlassen sollten“. Die Wiedereinführung der im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert abgeschafften Kreuze als Rangabzeichen falle in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals sei das von der Obrigkeit in Preußen eingeführte „goldene Brustkreuz“ dazu gedacht gewesen, „evangelische Obergeistliche“ den Katholiken optisch „ebenbürtiger“ zu machen. Alexander Deegs Alternativvorschlag hinsichtlich der Amtskreuze wäre, „allen Christen bei ihrer Taufe ein Kreuz zu verleihen“, das dann aber „ebenso groß wie das des Landesbischofs sein müsste“.

Hier Deegs Ausführungen aus seinem Vortrag:

„Ein weiteres gegenläufiges Zeichen erwähne ich: das Brustkreuz als Amtskreuz ab einem bestimmten Status in der geistlichen Hierarchie und der kirchlich-beamtenrechtlichen Besoldung. Je wichtiger je­mand ist und je mehr er oder sie in der Kirche verdient, desto größer, schwerer und teurer ist in der Re­gel das Kreuz, das er oder sie über dem Talar trägt. Eine merkwürdige Nutzung des Kreuzes – als eine Art innerkirchlich-hierarchisches Rangabzeichen.

Der Ursprung liegt in der Kirche des Mittelalters. Bischöfe began­nen in der römischen Kirche ein Brustkreuz zu tragen – nicht als liturgisches Kleidungsstück, son­dern als Amtszeichen. Auch wenn die Geschichte des Amtskreuzes nicht geschrieben ist, ist es m.E. evident, dass diese Kreuze im 16. Jahrhundert im evangelischen Be­reich abgeschafft waren und nicht mehr getragen wurden. Den ers­ten Beleg für die Wiedereinführung habe ich im frühen 19. Jahrhun­dert gefunden. Friedrich-Wilhelm III. führte 1826 im Zuge seiner Kirchenreformschritte erstmals im evangelischen Bereich auch einen Bischofstitel ein (konkret wurden einige General-Superintendenten mit dem Titel »Bischof« ausge­zeichnet). Das Ziel war, die evange­lische Geistlichkeit gegenüber dem katholischen geistlichen Personal im Ansehen zu heben. Äußerlich wurde bestimmt, dass der bischöf­liche Talar sowie die bischöfliche Kopfbedeckung aus schwerem sei­denem Stoff bestehen sollten und dass der Bischof zusätzlich ein Brustkreuz aus Gold tragen sollte. Der Erfolg scheint eher gering ge­wesen zu sein, so dass nach den Ernennungen in den 1820erJahren keine weiteren mehr erfolgten.

Das Kreuz, das Symbol radikaler Kenosis, als Rangabzeichen? M.E. ist das ein Irrweg, den wir dringend verlassen sollten – oder dadurch korrigieren, dass wir allen Getauf­ten, allen Priesterinnen und Pries­tern unserer Kirche gleich bei der Taufe ein Umhängekreuz schenken, das dann aber auch nicht kleiner sein darf als das des Landesbi­schofs unserer Kirche.“

Hier Alexander Deegs Vortrag als pdf.

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5 Antworten to “Alexander Deeg – Abschaffung der Amtskreuze für leitende Geistliche”

  1. Henrica Hannah Says:

    Das Kreuz als Rang(!)abzeichen ist tatsächlich absolut ungeeignet. Vom Dienstgedanken der Ämter her ist es meines Erachtens allerdings schon zu verstehen. Kann es sein, dass wir uns in der Kirche zu sehr von den Erfolgsmaßstäben der Gesellschaft beeinflussen lassen?

  2. Gerhard Prell Says:

    „Ob uns Kreuze vorne schmücken oder Kreuze hinten drücken, das tut, das tut nichts dazu“ (Ferdinand Freiligrath)
    Die Möglichkeit, dass alle Getauften ein Kreuz tragen, besteht bereits.
    Ich betrachte die Amtskreuze leitender Geistlicher nicht so sehr als Rangabzeichen, sondern als Auftrag: Was allen Getauften aufgetragen ist – nämlich dem gekreuzigten Herrn nachzufolgen – das sollen sie als Erste unter Gleichen erfüllen.

  3. Andreas Höfeld (@AHoefeld) Says:

    Ich sage nur mit Monty P.: „Jeder nur EIN Kreuz!“

  4. dierkschaefer Says:

    Gute Idee! Zusätzlich: Hörgeräte und Lesebrillen verbessern die Wahrnehmung.

  5. Links am Tag des Herrn – 01.05.2016 | Spätschau Says:

    […] Alexander Deeg – Abschaffung der Amtskreuze für leitende Geistliche (NAMENSgedächtnis) Der mir ansonsten absolut unbekannte Blogger schreibt über Prof. Alexander Deeg (PT, Leipzig), der auf einer Veranstaltung dazu aufgerufen habe, Amtskreuze evangelischer Geistlichen abzuschaffen. „Da hat Alexander Deeg, […] richtig hingelangt […]. Er sprach sich nämlich für eine Abschaffung der Amtskreuze von „leitenden Geistlichen“ in den evangelischen Kirchen aus. Das „Kreuz als Rangabzeichen“ ist für ihn „ein Irrweg, den wir dringend verlassen sollten“.“ […]

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