Friedrich-Justus Perels – „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck- und Ehrenkleid“

Friedrich_Justus_Leopold_Perels

Ein eindrückliches Christus-Zeugnis findet sich in den letzten Briefen Friedrich-Justus Perels (1910-1945) an seine Frau Helga. Durch seinen Freund Dietrich Bonhoeffer kam er 1940 in Kontakt zum Widerstandskreis um Hans von Dohnanyi  und arbeitete darin mit. Am 2. Februar 1945 wurde Perels vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt. Zusammen mit Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher sowie anderen Inhaftierten wurde er in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 in Berlin von einem Sonderkommando des Reichssicherheitshauptamts erschossen.

Man muß so glauben wie Abraham, Moses und Jakob und wie diejenigen im Evangelium, an denen der Herr Wunder tut. Man darf nicht mit Gott rechten, immer wieder zu Ihm kommen, gerade dann, wenn wir fühlen, daß die Kräfte nachlassen. Das Schlimmste ist Gleichgültigkeit.

Ich bin ganz getrost, wie alles auch werden mag. In dieser Zeit habe ich viel innere Hilfe erfahren. Das Entscheidende für uns alle ist: Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck- und Ehrenkleid. Ich muß erst ganz kaputt gehen und zuschanden werden, um das zu verstehen. Darum sei ganz getrost. Er hilft Dir und Euch allen wunderbar.

Jetzt gehen die Tage wieder so dahin und für jeden Tag erbitte ich mir Hilfe und Trost und umgebe Euch mit meinen Gedanken und Bitten im Gebet.

Die Stunden gehen hier so hin. Nicht immer ist es leicht, aber bis hierher hat der gnädige Gott mir noch immer geholfen, und ich vertraue darauf, daß er Dich und mich nicht verlassen wird.

Eine Woche ist nun wieder verstrichen und die innere Spannung, die in den ersten Tagen nach dem Termin angehalten hatte, läßt wieder nach. Ich bin sehr dankbar, daß ich mich auf das zeitliche Ende in der Stille hier vorbereiten darf. Da sehe ich von Tag zu Tag unerkannte Schwäche und Sünde. Und ich versuche, die einfach Gott zu übergeben.

Wie alles auch kommen mag, wir wissen es nicht. Gott allein weiß es, Er hat mich hier nicht verlassen sondern oft wunderbar errettet und gestärkt. Er wird Dich auch ganz gewiß nicht verlassen. Halte Dich ganz fest an Ihn. Er ist auferstanden und lebt. Aber über all unsere Not, Anfechtung und Sünde dürfen wir uns in den Tod und der Auferstehung des Herrn getrösten. Das höre ich immer wieder, und das gilt auch für Euch.

Heute am Karfreitag steht der ganz große Trost des Kreuzes Jesu Christi unmittelbar vor unseren Augen. Das ist eine starke und ewige Gewißheit, daß Er für unsere Sünden dahingegeben ist, und daß wir durch Seine Wunden geheilt sind. Diese Gewißheit gibt Er uns und macht uns damit in der größten Trübsal fröhlich und reißt uns aus Angst und Qual. Das erfahre ich hier in ganz reichem Maße. Und daran und an nichts anderes dürft und sollt Ihr Euch auch halten.

Quelle: Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933-1945, hg. v. Helmut Gollwitzer, Käthe Kuhn und Reinhold Schneider, München: Chr Kaiser, 3. erw. A., 1955,  188f.

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