Søren Kierkegaard – Die Bibelauslegung der Mittelmäßigkeit

Josef_Untersberger_-_Christus_im_Ährenfeld

Kierkegaards letzte publizistische Unternehmung war seine Abrechnung mit dem organisierten Christentum und insbesondere mit der lutherischen Staatskirche in Dänemark, die er in der von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift Der Augenblick (Øjeblikket) veröffentlichte. Hier der Beitrag „Die Bibelauslegung der Mittelmäßigkeit“ aus der sechsten Ausgabe vom 23. August 1855:

Die Bibelauslegung der Mittelmäßigkeit legt Christi Worte so lange aus und aus, bis sie ihr Eigenes, das Geistlose (Triviale) herausbekommt — und dann ist sie, nachdem sie alle Schwierigkeiten be­seitigt hat, beruhigt und beruft sich auf Christi Worte!

Der Mittelmäßigkeit entgeht völlig, daß dadurch eine neue Schwierigkeit hervorgebracht wird, die Schwierigkeit, wohl etwas vom Lächerlichsten, das sich denken läßt: daß Gott sich gebären lassen, daß die »Wahrheit« zur Welt gekommen sein sollte — um triviale Bemerkungen zu machen; und desgleichen eine neue Schwierigkeit, die Schwierigkeit: wie man erklärt, daß Christus dann gekreuzigt werden konnte; denn in dieser, der Welt der Trivialität, pflegt nicht Todesstrafe darauf zu stehen, daß man triviale Be­merkungen macht; Christi Kreuzigung wird also un­erklärlich wie auch lächerlich, da es lächerlich ist, gekreuzigt zu werden, weil man triviale Bemerkungen gemacht hat.

Quelle: Søren Kierkegaard, Der Augenblick. Eine Zeitschrift. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel, Die andere Bibliothek, Nördlingen: Franz Greno 1988, S. 144.

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