Vom Tragjoch und dem Lastwagen – eine chinesische Geschichte zur Rechtfertigung allein aus Gnade

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Stanley Tung Shang Yung war chinesischer Pfarrer und Präsident der Taiwanesischen Lutherischen Kirche (TLC). Er gehörte noch zu der Generation, die vor Ausrufung der Volksrepublik China 1949 am Lutherischen Theologischen Seminar (LTS) in Shekou in der Provinz Hubei studiert hatten. In einer seiner Predigten erzählte er folgende Begebenheit aus seinem eigenen Leben:

Als Stanley Tung zu Beginn der Semesterferien als Student auf der staubigen und holprigen Landstraße nach Hause lief, hielt ein Armeelaster neben ihm an. Der Fahrer bot an, ihn auf der offenen Ladefläche mitzunehmen. Stanley stieg gerne auf, ersparte dies doch einen dreitägigen Fußmarsch. Auf der Ladefläche befanden sich bereits andere Passagiere, die Stanley hinauf halfen. Später auf der Weiterfahrt sahen sie einen alten Bauern des Weges gehen, dessen Tragjoch aus Bambus mit zwei schweren Körben beladen war. Der Fahrer stoppte und lud den Bauern ebenfalls ein, mit seiner Traglast auf den LKW zu kommen. Der Bauer lehnte zunächst ab. Es bedurfte weiterer Einladungen und Ermutigungen, bis er schließlich doch mit Hilfe der anderen Passagiere die Ladefläche bestieg. Nachdem der LKW weiterfuhr, schaute Stanley zum Bauern hinüber. Dieser stand aufrecht auf der Ladefläche und hielt sich mit einer Hand an der Bordwand fest. Zu Stanleys Erstaunen war die Last immer noch auf seiner Schulter, so dass der Bauer während der Fahrt bei jedem Schlagloch selbst in die Knie ging. Stanley sprach ihn direkt an: „Mein Herr, warum stellen Sie nicht Ihre Körbe ab und setzen sich hin?“ Der Bauer antwortete: „Das vermag ich nicht. Für mich ist es beschämend genug, dass dieser Lastwagen mich trägt. Da kann ich doch nicht zulassen, dass er auch noch meine Last zu tragen hat.“

Man mag über die physikalische Unwissenheit des Bauers schmunzeln. Für Stanley Tung jedoch war seine Geschichte ein Gleichnis im Hinblick auf das Evangelium: Wir selbst sind mit unserer eigenen Lebenslast vom himmlischen Vater in Jesus Christus getragen. Und doch fehlt uns mitunter der Glaube, dass Gott uns in Christus bedingungslos erträgt. So haben wir immer wieder neu zu lernen, dass in der göttlichen Gnade jedes menschliche Zutun vergeblich ist. Wie für den alten Bauer auf dem LKW heißt es auch für uns, uns der göttlichen „Tragkraft“ in Christus ganz anzuvertrauen, können wir doch mit unseren Werken und Wirken vor dem dreieinigen Gott nicht bestehen.

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