Goldener Tetragrammaton-Ring

Tetragrammaton-Ring

Das sind die lokalen Begegnungen, wenn der ehrenamtlich tätige Kreisarchäologe Richard Ambs bei der Einweihung des neugebauten Feuerwehrhauses in Illerberg (wo es archäologische Funde aus dem Mittelalter gegeben hatte) im Gespräch beiläufig erwähnt, er habe in seiner über 40jährigen Tätigkeit nur zwei Goldfunde gemacht. Einer davon sei ein Goldring mit einer TETRAGRAMMATON-Aufschrift gewesen. Die Neugier ist geweckt, die weiteren Informationen folgen:

Bei Ausgrabungen in der Pfarrkirche St. Laurentius in Thalfingen (Lkr. Neu-Ulm) in den Jahren 1986-88 fand sich bei einer vor dem nördlichen Seitenaltar in einem eisenbeschlagenen Sarg bestattete Frau an der rechten Hand einen Goldring, auf dessen Außenseite nach einem Kreuz „TETRAGRAMMATON“ eingraviert war (Außendurchmesser 21 mm). Das G erscheint dabei wie der griechische Buchstabe Gamma (Γ), das N ist, für die frühe Neuzeit nicht ungewöhnlich, spiegelverkehrt. In die Innenseite des Reifs (Innendurchmesser 19 mm) ist ebenfalls ein Kreuz graviert, dahinter stehen „INRI“ und „JHWH“, letzteres in hebräischen Buchstaben (+INRI יהוה).

St. Laurentius Tetragrammaton-Ring (Zeichnung)

Richard Ambs datiert den Ring unter anderem aus dem Fundzusammenhang heraus etwa in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Dass solch ein Ring getragen wurde, dürfte dem Einfluss kabbalistischer Traditionen auf das Christentum in der Frühen Neuzeit  geschuldet sein. Vgl. dazu Wilhelm Schmidt-Biggemann, Geschichte der christlichen Kabbala, Bd. 1: 15. und 16. Jahrhundert (= Clavis Pansophiae. Bd. 10/1), Stuttgart-Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 2012.

TETRAGRAMATON AGLA Ring Augsburg

2007 wurde in Augsburg bei den Bauvorbereitungen für die neue Stadtbücherei auf dem Ernst-Reuter-Platz ein Ring mit einer Tetragrammaton-Aufschrift gefunden, der auf das 13. Jahrhundert datiert ist. Es handelt sich dabei um einen silberner Fingerring mit einem Durchmesser von 18-19 mm, knapp 3 mm breit, der nur geringe Tragespuren aufweist. Die mit einem Stichel eingravierte Inschrift in gotischen Majuskeln weist teilweise gedrehte Buchstaben auf, möglicherweise aus magischen Gründen. Neben „Tetragram(m)aton“ („vier Buchstaben“), was für die vier Buchstaben des alttestamentlichen Namens JHWH steht, findet sich auch die Abkürzung „AGLA“ für das hebräische „atha gibbor leolam adonai“ („Allmächtig bist du in Ewigkeit, o Herr“).

Inschrift TETRAGRMATON AGLA

Für weitere Informationen zu derartigen TETRAGRAMMATON-Ringen siehe Michaela Hermann, Ein mittelalterlicher Silberring mit magischer Inschrift aus Augsburg: Sein archäologischer und kulturhistorischer Kontext, Bayerische Vorgeschichtsblätter, Bd. 74 (2009), S. 215-238.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: