Alexander Deeg – Kein gemeinschaftlicher Talareinzug der Ordinierten im Gottesdienst

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Da hat Alexander Deeg, Professor für praktische Theologie in Leipzig mit theologischen Wurzeln in Erlangen ein feines Gespür, was sich in der evangelischen Kirche schickt. In seinem Vortrag „Von Pfarrern und Priestern in der evangelischen Kirche“ auf der Mitgliederversammlung des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in der Evang.-Luth. Kirche in Rothenburg o.T. hat er sich nämlich für eine Abschaffung der Amtskreuze von „leitenden Geistlichen“ in den evangelischen Kirchen ausgesprochen. Aber nicht nur das. Auch gegen den gemeinschaftlichen Einzug von Ordinierten bei Ordinationen und anderen Festgottesdiensten spricht er sich aus (und spricht mir dabei aus der Seele):

„Wenn eine Ordination gefeiert oder eine Kollegin im Amt eingeführt wird, dann ist es Tradition und gute Sitte, dass dazu auch die anderen Amtskolleginnen und -kollegen eingeladen werden. Aber wer kam eigentlich auf die Idee, dass man dann am besten einen langen Zug in schwarzem Talar gehüllter Ordi­nierter vor den Augen der Gemein­de vorführen sollte, für die Sonderplätze in einer ansonsten oftmals brechend vollen Kirche reserviert werden, obwohl die allermeisten der Herren und Damen im schwar­zen Talar liturgisch keine Funktion in diesem Gottesdienst haben?

Talar

Der schwarze Talar wird hier zu dem, was er lutherischem Ver­ständnis nach nicht sein sollte und nicht sein darf. Er wird zur Amtstracht anstatt ein funktio­nal liturgisches Kleidungsstück zu sein! Natürlich: Symbole lassen sich unterschiedlich deuten. Was die einen als Symbol der Geborgen­heit in der Gemeinschaft der Ordi­nierten interpretieren mögen, kann für die anderen – scharf formuliert – zum Symbol der Trennung im Leib Christi zwischen denen, die darin wichtiger sind, und denen, die eben auch noch dazugehören, werden. Freilich gibt es zwischen die­sen beiden Polen auch noch eine Menge anderer möglicher Asso­ziationen und Interpretationen: Ist ja interessant, so mag jemand denken, wer bei uns im Dekanat/ Kirchenkreis so alles Pfarrer und Pfarrerin ist! Schau‘ mal an, mag ein anderer denken, es gibt ja wirk­lich immer mehr Pfarrerinnen. Wie schön! Oder: Dem Pfarrer XY hat der Talar das letzte Mal aber auch noch besser gepasst. Hat ganz schön zugelegt! Oder: Wieso ei­gentlich tragen evangelische Pfar­rer und Pfarrerinnen immer noch dieses trübsinnig schwarze Kleid … Was wird die Gemeinde denken, wenn all die Schwarzen kommen und einziehen? Die so formulierte Frage zeigt freilich genau das Problem, denn sie macht den Un­terschied zwischen »der Gemein­de« und den Pfarrern gerade auf, um den es doch reformatorisch nicht gehen darf. Alle sind Priester, manche sind Pfarrer.

Umgekehrte Zeichen müssten wir m.E. setzen. Wer liturgisch aktiv ist, zeigt dies durch den Talar und macht damit auch deutlich, dass es nicht um die eigene Individualität geht, sondern um den Auftrag, der mit der Ordi­nation einhergeht. Diejenigen, die keine liturgische Funktion haben, müssten sich dann aber bewusst als Pfarrerinnen und Pfarrer einrei­hen in die Gemeinde, in die Bänke, in denen die Mit-Priesterinnen und Mit-Priester sitzen. Würde dadurch die Verbundenheit der Ordinierten, die immer wieder als Argument an­geführt wird, weniger sichtbar? Ich meine: nein – und endlich einmal würde erkennbar, wie wir Gemein­de und Kirche verstehen. Wenn dann der/die Dekan/in, Oberkirchenrat/rätin die mitten in der Gemeinde sitzenden Pfarrerinnen und Pfarrer z.B. im Kontext der Begrüßung bittet, einmal kurz aufzustehen, würde die Gemeinschaft der Ordinierten und die Gemeinschaft aller Priester im Leib Christi sichtbar.“

Hier Alexander Deegs Vortrag als pdf.

In Ergänzung dazu der Link zu Klaus Raschzoks höchst instruktiven Artikel über die Geschichte des evangelischen Talars.

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