Was für eine Reformationsbotschaft: „Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat“

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Am 19. September ist das Buch „Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat“ im Berliner Aufbau Verlag als edition chrismon erschienen. Margot Käßmann und Heinrich Bedford-Strohm sind die Herausgeber. In deren Vorwort wird durchbuchstabiert, was der Buchtitel zu versprechen scheint:

„Die Welt zum Guten verändern? Wer das heute sagt, wird oft belächelt oder mit mitleidigem Blick bedacht: »Was kann ein einzelner Mensch da schon verändern? Das bringt doch nichts!« Wir beide und mit uns Millionen Christinnen und Christen in Deutschland halten dagegen: Doch, wir können die Welt verändern. Wir können dafür sorgen, dass Gerechtigkeit und Frieden einkehren. Wir können uns um die Mühseligen, Beladenen und Hoffnungslosen kümmern. Wir können zeigen, dass Barmherzigkeit und Liebe nicht leere Formeln oder hehre Forderungen bleiben. »Ihr seid das Salz der Erde«, hat Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern in der Bergpredigt gesagt. Das nehmen Gläubige bis heute ernst. Wir lassen uns nicht entmutigen, wir halten fest an der Verheißung, die Gott den Menschen in der Bibel vor Augen gestellt hat: Es wird kein Leid und Geschrei mehr sein, und Gott wird alle Tränen abwischen. Mit allen Kräften dafür zu sorgen, dass dies so geschieht, dazu sind wir Menschen aufgefordert. Wir stehen in der Verantwortung. Eins ist klar: Den Luxus der Hoffnungslosigkeit können wir uns nicht mehr leisten.“

Aufschlussreich ist, dass für Käßmann und Bedford-Strohm die apokalyptische Heilzusage Gottes aus Offenbarung 21,3-5 durch menschliches Handeln eingelöst werden soll. Ob man sich da mit eigenen Allmachtsphantasien nicht doch etwas übernimmt?

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Eine Antwort to “Was für eine Reformationsbotschaft: „Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat“”

  1. hansgulrich Says:

    Lieber Jochen,

    ja, es ist schlimmer als zu vermuten war – selbst im eigenen Jargon ist dies unfasslich schwach: „ Wir können dafür sorgen, dass Gerechtigkeit und Frieden einkehren. Wir können uns um die Mühseligen, Beladenen und Hoffnungslosen kümmern. Wir können zeigen, dass Barmherzigkeit und Liebe nicht leere Formeln oder hehre Forderungen bleiben.“

    Nichts mehr von wirklichem Tun und Handeln. Wir müssen sehen, was an anderen Stimmen laut wird. Gisela Kittel hat mir gerade das von ihr herausgegebene Buch „Kirche der Reformation?“ geschickt (darin ist auch „Evangelium hören“ nochmal abgedruckt.). Es sollte noch viel mehr laut werden – vom Evangelium und seiner Kritik an dieser Religion der Weltveränderung. Ich habe in Bad Tölz bei einem Vortrag mal wieder auf Ernst Wolf. „Martin Luther. Evangelium und Religion“ zurückgegriffen (TheolExheute, 1934). Das ist für heute geschrieben, jetzt auch gegen diese Religion und ihre Werke, die Gottes Handeln verdecken und ihm nicht die Ehre geben. Ich habe bei der Synode in Bad Tölz zur Reformation über „Die Wiederentdeckung des Handelns Gottes gesprochen“. Es gab viel erstaunte Zustimmung. Es ist aufregend, wie akut die Kritik an den „Werken“ und das „soli deo gloria“ – die Grundlogik reformatorischer Theologie – geworden ist. Wer auf „Millionen Christen“ verweist, hat offensichtlich ein Problem mit der Frage, was „Macht“ ist.

    Es sollte noch mehr Gelegenheit geben, gegen diese Rhetorik und ihre theologia gloriae die evangelische, biblische Botschaft zu artikulieren. Das war ja immer wieder bei den Reformationsjubiläen fällig.

    Herzliche Grüße

    Hans

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